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vom 25.10.2017, aktuelle Version,

Synagoge (Graz)

Neu errichtete Grazer Synagoge

Die Grazer Synagoge befindet sich am David Herzog Platz, am rechten Murufer im 5. Grazer Stadtbezirk Gries. Die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Graz, als Nachfolgerin der ehemaligen Israelitischen Kultusgemeinde Graz (IKG Graz) und nunmehrige Filialgemeinde der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, betreut primär Juden aus Graz, aber auch der Steiermark, Kärnten sowie dem Südburgenland.[1]

Geschichte der Kultusgemeinde Graz

Juden waren im Mittelalter in der Hauptstadt Innerösterreichs ansässig, und waren insbesondere Händler, die mit Judenburg auch eine bedeutende Ansiedlung im Raum hatten.[2] Von 1497 bis 1848 bestand eine von den steirischen Ständen hartnäckig verteidigte Judensperre, die erst im Gefolge der Revolution des Jahres 1848 durchbrochen und letztlich erst durch die staatsbürgerliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung durch das Staatsgrundgesetz über die Allgemeinen Rechte der Staatsbürger 1867 endgültig überwunden werden konnte.

Alte Synagoge

Alte Synagoge
Modell der alten Synagoge

Bereits 1863 kam es durch die bis dahin angesiedelten Juden Grazs zur Gründung der Israelitischen Korporation. Die Israelitische Kultusgemeinde Graz selbst wurde 1869 gegründet.[3] Die ursprüngliche Grazer Synagoge wurde ebenfalls wie das Amtshaus in den Jahren 1890 bis 1892 nach den Plänen des Architekten Maximilian Katscher (1858–1917) errichtet. Katscher, der die Technische Hochschule in Wien besuchte, entwarf unter anderem auch das Kaufhaus Herzmansky in Wien bzw. das Kurhaus in Baden bei Wien. Vorbild für den Bau Katschers bildete die Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts von Gottfried Semper errichtete Synagoge in Dresden. Sowohl die Strukturierung des Tempels als überkuppelter Zentralbau als auch die formale Gestaltung mittels eines byzantinisch-romanischen Formenrepertoires lehnte sich an das Dresdner Vorbild an, wurde aber von Katscher eigenständig weiter entwickelt. Der schließlich realisierte Bau, der auch das vorerwähnte angeschlossene Amtshaus mit Schule umfasste, die formal einheitlich gestaltet waren, bot mit seiner freien Lage am Ufer der Mur einen imposanten Anblick.

Die Synagoge mit ihrer imposanten 30 Meter hohen Außenkuppel bildete bis 1938 das Herzstück der jüdischen Gemeinde Graz mit ihren zuletzt rund 2500 Mitgliedern.

In der Reichskristallnacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge durch den Grazer Bürgermeister Dr. Julius Kaspar eigenhändig in Brand gesetzt, zerstört und das gesamte Areal eingeebnet, um die Erinnerung an die Synagoge auszulöschen. Hingegen blieb das Amtshaus der Jüdischen Gemeinde von Brandschatzung verschont. Sämtliche Grazer Juden wurden in weiterer Folge nach Wien deportiert und Graz zur ersten „judenfreien“ Großstadt der Ostmark erklärt.

Nach dem Krieg siedelten sich nur mehr rund 150 Juden wieder in Graz an. 1952 wurde die 1940 aufgelöste Israelitische Kultusgemeinde Graz wieder errichtet. Ihr Sprengel umfasste die Bundesländer Steiermark, Kärnten und die politischen Bezirks Oberwart, Güssing und Jennersdorf.

Bis zum Jahr 1988 befand sich an der Stelle der zerstörten Synagoge nur eine Rasenfläche, dann errichtete die Stadt Graz an dieser Stelle einen Gedenkstein in Form eines schwarzen Obelisken, der bei Errichtung der neuen Synagoge in das architektonische Konzept miteinbezogen wurde.

Neue Synagoge / Gegenwart der Jüdischen Gemeinde

Bereits 1983 trat der Künstler Fedo Ertl an die Israelitische Kultusgemeinde mit dem Vorschlag heran, die Grundmauern der Synagoge freizulegen. Die Bitte wurde jedoch aus Angst vor antisemitischen Aktionen von den damaligen Gemeindeführung abgelehnt. Ertl hatte recherchiert, dass ein Teil der Ziegel der alten Synagoge schon 1939 beim Bau einer Garage in der Grazer Alberstraße Verwendung gefunden hatte.[4]

Am 21. Oktober 1998 beschlossen alle im Grazer Stadtparlament vertretenen Parteien einstimmig die Wiedererrichtung der Grazer Synagoge. Im Auftrag der Stadtgemeinde Graz wurde der Synagogenbau vor allem durch den Einsatz des damaligen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Graz Herrn KommR Konsul Kurt David Brühl ermöglicht.

Das mit der Ausführung beauftragte Grazer Architektenehepaar Jörg und Ingrid Mayr, welches zuvor bereits auch für die Neuplanung der zerstörten Zeremonienhalle auf dem jüdischen Friedhof in Graz beauftragt worden war, griff die Pläne Ertls auf. Ungefähr 9.600 Ziegelsteine der alten Synagoge wurden nach Säuberung von Schülerinnen und Schülern des Bundesrealgymnasiums Lichtenfelsgasse, der Höheren Technischen Bundeslehranstalt und der Handelsschule bzw. der Handelsakademie Grazbachgasse für den Neubau wieder verwendet. Der auf dem ehemaligen Synagogengrundstück 1988 errichtete Obelisk wurde hierbei in die Planung einbezogen und findet sich heute unterhalb der gläsernen Bimah platziert.

An Materialien für die neue Synagoge wurden vor allem Ziegel, Stahlbeton und Glas verwendet. Die geometrischen Grundkörper Würfel und Kugel beschreiben den Zentral/Sakralraum der Synagoge und bestimmen auch das äußere Erscheinungsbild.

Die neue Synagoge folgt dem Grundriss der alten, ist aber kleiner als ihr Vorgänger, da die jüdische Gemeinde in Graz nur mehr gut 100 Mitglieder zählt – ein Bruchteil von vor dem Zweiten Weltkrieg – und wurde am 9. November 2000 eröffnet.

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2013 wurde die Israelitische Kultusgemeinde Graz nach langandauernden internen Konflikten aufgelöst und deren Sprengel dem Sprengel der Israelitischen Kultusgemeinde Wien eingewiesen. Die Synagoge, das Amtshaus sowie das sonstige Vermögen der aufgelösten Kultusgemeinde wurden in die Jüdische Kultusstiftung für Steiermark, Kärnten und das südliche Burgenland eingebracht. Die jüdische Gemeinde Graz besteht unter dem gleichnamigen Namen heute als Filialgemeinde der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und dem durch die Stiftung umfassten Zuständigkeitsbereich. Sie wird seit 2016 durch einen Geschäftsträger mit dem Titel eines Präsidenten verwaltet. Erstmals wurde mit dieser Position Elie Rosen, ein exponierter Vertreter des österreichischen Judentums, betraut. Er fungiert auch als Vorstand der Jüdischen Kultusstiftung.

Über Rosens Betreiben und schließlich mit übereinstimmenden Verfügungen des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, des Präsidenten der Israelitischen Religionsgesellschaft sowie des Oberrabbinates der Israelitischen Kultusgemeinde Wien vom 1. Dezember 2016 wurde auch das 1938 aufgelöste Landesrabbinat Steiermark mit dem Zuständigkeitsbereich für die Steiermark, Kärnten und das Burgenland wieder errichtet. Zum ersten steirischen Landesrabbiner seit 1938 und Oberrabbiner von Graz wurde am gleichen Tage der Wiener Rabbiner Schlomo Hofmeister bestellt.[5]

Architektur und Gestaltung

In der Mitte des Innenraumes befindet sich ein gläsernes Almemor (auch Bima genannt), der Platz an dem aus der Tora gelesen wird. Direkt dahinter werden in einer Nische die Torarollen aufbewahrt. Der Raum wird von einer Glaskuppel mit zwölf Stützen, die für die zwölf Stämme Israels stehen und einen Davidstern bilden, dominiert und erinnert an den Bau der zerstörten Synagoge. Die Farbe Blau prägt als Symbol des Himmels den Gebetsraum. In das Glas sind in Sandstrahltechnik jüdische Gebete geschrieben.

Heute steht das Gebäude David-Herzog-Platz 1 unter Denkmalschutz.

Literatur

  • Alois Kölbl, Wiltraud Resch: Wege zu Gott. Die Kirchen und die Synagoge von Graz. 2., erweiterte und ergänzte Auflage. Styria, Graz 2004, ISBN 3-222-13105-8, S. 170–172.
  • Gerald Lamprecht (Hrsg.): Jüdisches Leben in der Steiermark: Marginalisierung – Auslöschung – Annäherung. Band 5 der Reihe Schriften des Centrums für Jüdische Studien. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien[u.a.] 2004, ISBN 978-3-7065-1794-2.
  Commons: Synagoge (Graz)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kontakt. IKG Graz, abgerufen am 21. September 2012 (Link nicht mehr verfügbar, 2016).
  2. Gerald Lamprecht: Das Werden der Gemeinde. Von ersten jüdischen Händlern in der Steiermark bis zur Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde Graz 1869. In: Lit. Lamprecht: Jüdisches Leben in der Steiermark.
  3. Karen Engel: Zwischen Assimilation, Multikulturalität und Religion: Jüdisches Leben in Graz heute. david.juden.at, abgerufen am 13. Mai 2016.
  4. Mahnzeichen 1938/83. Projektdokumentation am KulturServerGraz. Abgerufen am 16. September 2012.
  5. Jüdische Gemeinde Graz: Nach 78 Jahren - Neuer steirisches Landesrabbiner. In: Presseerklärung der Jüdischen Gemeinde Graz vom 1.12.2016. 1. Dezember 2016.