unbekannter Gast
vom 02.10.2015, aktuelle Version,

Therapiezentrum Ybbs – Psychiatrisches Krankenhaus

Das Therapiezentrum Ybbs an der Donau ist ein vom Wiener Krankenanstaltenverbund geführtes Spital in Ybbs an der Donau (Niederösterreich).

Innenhof des Hauses 1 im Therapiezentrum Ybbs

Das Therapiezentrum setzt sich zusammen aus

  • einem Psychiatrischen Krankenhaus (145 Betten)
  • einem Geriatriezentrum (150 Betten)
  • einem Sozialtherapeutischen Zentrum (135 Betten)
  • und einer Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege.

Gebäude

Die Fachabteilungen verteilen sich auf drei Gebäude:

  • Haus 1: Psychiatrisches Krankenhaus und Sozialtherapeutisches Zentrum (Persenbeugerstraße 1–3)
  • Haus 2: Geriatriezentrum und Sozialtherapeutisches Zentrum (Persenbeugerstraße 1–3)
  • Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege (Burgplatz 9)

Haus 1 (Sozialtherapeutisches Zentrum und Psychiatrisches Krankenhaus)

Das Haus 1 wurde zwischen 1720 und 1723 als Kavalleriekaserne errichtet und ab 1780 als staatliches Versorgungshaus (Armenhaus) verwendet. Ab 1817 wurde hier eine steigende Zahl psychisch kranker Menschen untergebracht. Ab 1859 wurde die Anstalt vom staatlichen Irrenfonds und ab 1865 vom Niederösterreichischen Irrenfonds verwaltet.

Haus 2 (Geriatriezentrum und Sozialtherapeutisches Zentrum)

Das heute als Haus 2 bezeichnete Gebäude wurde im 13. Jahrhundert als Zisterzienserinnenkloster errichtet. Zwischen 1631 und 1783 stand das Kloster im Besitz der Franziskanerinnen, die das alte Kloster abtragen und durch einen Neubau ersetzen ließen. Wolfgang Amadeus Mozart spielte 1762 auf der Orgel der Klosterkirche.

Die Gemeinde Wien kaufte 1859 das Grundstück und ließ nach dem Abbruch der alten Gebäude hier zwischen 1859 und 1864 nach Plänen von Theophil von Hansen und Ludwig Förster eine Versorgungsanstalt errichten,[1] die bis 1922 bestand.

Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege

Die 1963 gegründete Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege befindet sich seit 1995 in der Landesfürstlichen Burg von Ybbs an der Donau. Diese wurde um 35 Millionen Schilling von der Stadt Ybbs renoviert. Die Stadt Wien mietete das unter Denkmalschutz stehende Gebäude und kam für die Kosten der Einrichtung in Höhe von rund 2,5 Millionen Schilling auf.[2]

Geschichte

Nach der 1921 erfolgten Trennung von Wien und Niederösterreich fiel die Irrenanstalt des Landes Niederösterreich durch das Trennungsgesetz an die Stadt Wien, die beide Häuser, die nur durch eine Straße getrennt sind, zur „Wiener städtischen Heil- und Pflegeanstalt in Ybbs an der Donau“ vereinigte.

Nach der Unterbringung der Pfleglinge des Versorgungshauses in Wiener Anstalten erfolgte die Nutzung bis 1941 ausschließlich für psychisch Erkrankte. Während der NS-Herrschaft in Österreich wurden während der nationalsozialistischen Krankenmorde, der Aktion T4, aus Ybbs 2.282 Personen in die NS-Tötungsanstalt Hartheim gebracht und dort getötet.[3]

Zwischen 1941 und 1945 war hier ein Lazarett untergebracht und zwischen Mai 1945 und März 1947 wurden die Gebäude von der Roten Armee als Quartiere benutzt. Nach einer Renovierung konnte ab 1948 die Anstalt wieder zivil genutzt werden.[4] Die Umbenennung auf den heutigen Namen – „Therapiezentrum Ybbs an der Donau – Psychiatrisches Krankenhaus“ – erfolgte im Jahr 1996.[1]

Angebote des Therapiezentrums Ybbs

Psychiatrisches Krankenhaus

Das Psychiatrische Krankenhaus besteht aus einer Abteilung mit sechs Stationen und gliedert sich in zwei Bereiche.

Im Therapiebereich für psychogene Störbilder und Psychotraumatologie erfolgt neben allgemeiner stationärer Psychotherapie die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen und Psychotraumata.

Im Therapiebereich für Abhängigkeitserkrankungen erfolgt die Behandlung von (je nach Station) stoffgebundenen und/oder auch nicht stoffgebundenen Süchten, sowie Entzüge und Entwöhnungsbehandlungen.

Sozialtherapeutisches Zentrum

Zur Betreuung von erwachsenen Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung stehen Wohngruppen am Gelände, in der Stadt und der klassische Stationsbetrieb zur Verfügung. Unter anderem wird hier in Kleinstgruppen das Erlernen und Erhalten praktischer Fähigkeiten (Grob- und Feinmotorik, Konzentration, Gedächtnis, Ausdauer) geschult. Ebenso werden verschiedene Programme der Soziotherapie angeboten.

Geriatriezentrum

Im Geriatriezentrum werden Personen mit kurzzeitigem Pflegeaufenthalt ebenso betreut wie langjährige stationäre Aufenthalte ermöglicht.[5]

Schule für psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflege

Die Schule bietet eine dreijährige Ausbildung im gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege und verfügt über 54 Ausbildungsplätze[6]

Vom Wiener Krankenanstaltenverbund KAV wird die Ausbildung zum psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpfleger lediglich in Ybbs oder im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe Otto Wagner Spital und Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe Pflegezentrum in Wien angeboten [7]

Fußnoten

  1. 1 2 http://www.wien.gv.at/rk/msg/2007/0809/007.html
  2. http://www.wien.gv.at/rk/msg/1995/1206/013.html
  3. http://www.wien.gv.at/rk/msg/1998/0128/007.html
  4. http://www.wienkav.at/kav/tzy/texte_anzeigen.asp?ID=685
  5. http://www.wien.gv.at/rk/msg/1997/0519/002.html
  6. http://www.wienkav.at/kav/ausbildung/psych/tzy/
  7. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2003/0612/010.html