unbekannter Gast
vom 30.06.2017, aktuelle Version,

Tiroler Zugspitzbahn

Tiroler Zugspitzbahn
Lage: Ehrwald-Zugspitze,
Tirol Tirol Osterreich Österreich
Gebirge: Wettersteingebirge, Alpen
Länge: 3.600 m
Höhendifferenz: 1.725 m
1.225 m2.950 m
Fahrt
Fahrzeit: 10 Minuten
Geschwindigkeit: 36 km/h
Hintergrund
Besitzer: Zillertaler Gletscherbahn
Eröffnung: Juli 1926 (Neubau Juli 1991)
Webseite: zugspitzbahn.at
90 Jahre Tiroler Zugspitzbahn - Jubiläumsmedaille
Gründeraktie der Zugspitzbahn AG vom 5. Dezember 1925
Blick von der Talstation zur Spitze
Blick auf die Stütze  II der Tiroler Zugspitzbahn in der Nähe der Wiener-Neustädter-Hütte
Kabine vom Gipfel aus
Alte Tiroler Zugspitzbahn: Mittelstation "Stütze 4" und Gamskar

Die Tiroler Zugspitzbahn ist eine Luftseilbahn, von der Hotelsiedlung Ehrwald-Zugspitzbahn (Ehrwald-Obermoos) auf den Westgipfel der Zugspitze. Sie ist als Zwei-Seil-Pendelbahn (zwei Tragseile, ein Zugseil) mit drei Stützen ausgeführt und erschließt von österreichischer Seite das Gletscherschigebiet am Zugspitzplatt.

Geschichte

Nach Fertigstellung im Jänner 1926[1] wurde am 5. Juli 1926 die damals so genannte Österreichische Zugspitzbahn als erste der auf die Zugspitze führenden Bahnen eröffnet.[2] Die Tiroler gewannen damit den Wettlauf mit der bayerischen Seite um die technische Erschließung des Gipfels. Obwohl die von Adolf Bleichert & Co.[3] gebaute Bahn für ihre Zeit eine technische Meisterleistung war, führte sie jedoch nur zu einer Bergstation unterhalb des Zugspitzkamms auf 2805 m, so dass der Gipfel (2962 m) nicht direkt erreichbar war. Die Förderleistung betrug bei einer Kabinengröße von 19 Personen und einer Fahrzeit von mindestens 16 Minuten nur 80 Personen pro Stunde. Das Zugspitzplatt konnte zum Skifahren über einen 700 m langen Stollen erreicht werden. An die Bergstation wurde das „Kammhotel“ angebaut.

Nach finanziellen Schwierigkeiten waren die Besitzer der Österreichischen Zugspitzbahn im Jahr 1937 – dem Jahr vor der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich – gezwungen, ihre Aktien an die Bayerische Zugspitzbahn AG zu verkaufen. Nach Zerstörungen im Krieg (Bombardierung der Talstation) konnte bereits 1945 der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die Bahn kam nach dem Krieg als „deutsches Eigentum“ in österreichische Verwaltung und war ab 1958 mit Gründung der Tiroler Zugspitzbahn AG mit Sitz in Ehrwald mehrheitlich im Besitz des Landes Tirol. 1960 wurde im „Gamskar“ eine Zwischenstation eröffnet („Stütze IV“), die eine Skiabfahrt nach Ehrwald ermöglichte. 1962 wurde das Kammhotel durch einen Brand zerstört. Erst 1964 wurde das letzte Stück zwischen Kammstation und Gipfel durch die Tiroler Zugspitz-Gipfelbahn ebenfalls erschlossen.[2]

Durch das Land Tirol wurde die Bahn 1988 unter der Bedingung, diese neu zu bauen, privatisiert. Die Aktienmehrheit wurde von der Zillertaler Gletscherbahn übernommen.[2] Darin begründet sich das stilisierte „Z“ im heutigen Logo der Tiroler Zugspitzbahn. Im Juni 1989 wurde mit dem Bau der neuen Zugspitzbahn durch Waagner-Biro begonnen, die im Juli 1991 eröffnet wurde. 13 Monate Verzögerungen entstanden durch die schwierige Gründung des Stützenfundaments I im brüchigen Wettersteinkalk – Injektionen im Umfang von 2000 Tonnen Beton waren erforderlich – sowie durch die Beschädigung eines Tragseils, das beim Seilzug zu Boden fiel und ersetzt werden musste. Die alte Trasse wurde aufgegeben. Während man bislang zwischen Ehrwald und der Bergstation zweimal umsteigen musste (bei der "Mittelstation" an Stütze 4 sowie am Zugspitzkamm), führt die Bahn jetzt direkt auf den Gipfel der Zugspitze. Die Förderleistung beträgt bei einer Kabinengröße von 100 Personen und einer Fahrzeit von zehn Minuten 730 Personen pro Stunde. 1997 gab es eine Abtragsverhandlung von der Tiroler Seilbahnbehörde für die alte Tiroler Zugspitzbahn. Da die Kammstation vom hochbautechnischen Sachverständigen als architektonisch wertvolles Gebäude der 60er Jahre erachtet wurde, wurde das Gebäude vollständig ausgeräumt und die Fenster mit Lärchenholzschalungen verschlossen.

Nach einem Brand in der Talstation im Februar 2003 – die Bahn war zu diesem Zeitpunkt nicht in Betrieb –, bei dem die Talkabine und die Seile beschädigt wurden, konnte der Betrieb nach dem Wiederaufbau durch Garaventa Seilbahnbau mit neuem Kabinen- und Seilmaterial bereits im August 2003 fortgeführt werden. Dabei wurde die Fahrzeit auf 7,2 Minuten verkürzt, die alte Beförderungskapazität von 730 Personen pro Stunde und Richtung jedoch beibehalten.[4]

Im Gipfelgebäude wurde ein kleines Museum eingerichtet, das den Bau der ersten und zweiten Zugspitzbahn dokumentiert. In dem Museum findet sich unter den Exponaten ein Funktionsmodell der ersten Tiroler Zugspitzbahn im Betriebszustand um 1960.

Der Gipfel der Zugspitze ist weiters mit der Eibseeseilbahn und der Bayerischen Zugspitzbahn (Zahnradbahn) erreichbar.

Im Jahr 2016 feiert die Tiroler Zugspitzbahn ihr 90-jähriges Bestehen mit verschiedenen Veranstaltungen, darunter einer Sonderausstellung im Gipfelmuseum.

Literarische Rezeption

Der Bau der Tiroler Zugspitzbahn ist Gegenstand des Bühnenstücks Die Bergbahn von Ödön von Horváth (1927/1929). Zu Ehren des 80. Geburtstags der Zugspitzbahn wurde Horváths Erstlingswerk im Sommer 2006 am authentischen Standort der alten Talstation der Tiroler Zugspitzbahn auf einer überdachten Freilichtbühne aufgeführt.

Literatur

  • Wunder der Technik – Tiroler Zugspitzbahn. Die Geschichte der ersten Seilbahn Tirols. Herausgegeben von der Zillertaler Gletscherbahn GmbH&Co KG, Innsbruck 2006
  • Peter von Bleichert: Bleichert Drahtseilbahnen. Kapitel Zugspitze, Österreich/Deutschland. Kindle Digital Press, 2013 ()
  Commons: Tiroler Zugspitzbahn  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. (Bildunterschrift): Die Vollendung der Seilbahn (…). In: Wiener Bilder, Nr.2/1926 (XXXI. Jahrgang), 10. Jänner 1926, S. 7, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrb.
  2. 1 2 3 Chronik der Tiroler Zugspitzbahn. Tiroler Zugspitzbahn, abgerufen am 4. November 2014.
  3. Kostenvoranschlag für ''Oesterreichische Zugspitzbahn A-.G. in Gründung'' vom 6. September 1924. Ercl.net. Archiviert vom Original am 30. Juli 2012. Abgerufen am 18. Juni 2010.
  4. lift-world.info, abgerufen am 30. März 2011