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vom 14.05.2017, aktuelle Version,

Victor Hammer

Victor Karl Hammer (* 9. Dezember 1882 in Wien, Österreich-Ungarn; † 10. Juli 1967 in Lexington) war ein österreichischer Schriftdesigner, Maler, Bildhauer und Grafiker, der 1939 in die Vereinigten Staaten emigrierte.

Leben und Wirken

Hammer begann sein Architekturstudium im Alter von 15 Jahren bei Camillo Sitte und wechselte 1898 an die Akademie der bildenden Künste Wien zu Christian Griepenkerl und Heinrich Lefler (Malerei) sowie Hans Bitterlich (Bildhauerei), wo er sich mit Richard Gerstl und Konrad Mautner befreundete und die er zehn Jahre später abschloss. An der XXI. Ausstellung des Hagenbundes Weihnachten 1906 nahm er als Gast teil.[1] 1909 erhielt Hammer ein Reisestipendium von der k.k. Akademie.[2] Auf der XLV. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession, Wien (November-Dezember 1913) präsentierte er neben größeren Arbeiten auch einige Exlibris.[3] Die Bestandsliste der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen listet unter Nr. 8760 ein Gemälde mit dem Titel Dame im Fauteuil von ihm auf, das 1914 entstand.

Während des Ersten Weltkriegs war er Mitglied des k.u.k. Kriegspressequartiers (von 20. Oktober 1915 bis November 1918)[4] und betätigte sich als Kriegsmaler am russischen, italienischen und türkischen Kriegsschauplatz.[5] Danach wendete er sich verstärkt der Grafik und Typografie zu und entdeckte seine Fähigkeit als Buch- und Schriftkünstler. In der XLVIII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession, Wien (September bis November 1917) waren viele Arbeiten von ihm zu sehen, überwiegend Portraits.[6] Vom 28. Oktober bis 21. November 1926 nahm er an der XXXII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Mährens zum Thema Wiener Secession in Göding (Hodonín) teil.[7] 1934 entwarf und baute er in Kolbsheim (Elsass) eine Kapelle, die er als Holzschnitt entwarf.

Er betrieb ab 1922 die Stamperia del Santuccio in Florenz mit einer historischen Handpresse und ab 1936 die Schule für freie und strenge Künste in Grundlsee. Dort betätigte er sich als Porträtist und Landschaftsmaler und betrieb im "Hammerhaus" in Archkogl in den Sommermonaten eine Malschule.[8] Am 8. September 1937 wurde in der Vorhalle zum Faistauer-Foyer des Kleinen Festspielhauses Salzburg eine von ihm gefertigte Hofmannsthal-Büste mit der Inschrift »Hugo von Hofmannsthal zum Ruhm und Gedenken MCMXXXVII« enthüllt.[9]

Von 1938 bis zu seiner Emigration 1939 lehrte er an der Wiener Akademie. Einer seiner Schüler war der Maler und Grafiker Emmerich Millim. Hammer lebte damals in St. Martin i.I. und war unter anderem Mitglied der Innviertler Künstlergilde. In der Stamperia del Santuccio gab er 1938 das Buch Tauernreise von Otto Reicher im Handdruck heraus.

In Amerika arbeitete er zunächst in Aurora im Bundesstaat New York, wo er 1943 seine bekannteste Schrift, die American Uncial, entwickelte, ebenfalls mit einer Handpresse druckte, die Wells College Press gründete und zwischen 1939 und 1948 am Wells College unterrichtete. 1945 zog er nach Lexington. Von 1948 bis zu seiner Pensionierung 1953 war er Gastprofessor an der Transylvania University. In Kentucky entwarf er die offizielle Fahne von Louisville, die bis 2003 in Verwendung war.[10]

Er entwarf eine Reihe von Schrifttypen:[11]

  • 1923 Hammer Uncial, Gebr. Klingspor
  • 1930 Samson, Privatschrift
  • 1937 Pindar, Privatschrift
  • 1941 Aurora
  • 1943 American Uncial, Dearborn TF
  • 1953 American Uncial (überarbeitet), Gebr. Klingspor, Linotype
  • 1958 Andromaque, Anvil Press
  • 1970 Hammer Samson Uncial (überarbeitet von R. Hunter Middleton)
  • 1980 Andromaque (überarbeitet von R. Hunter Middleton)

Hammer war zunächst mit Rosi Rossbach verheiratet. Die beiden hatten zwei Kinder. 1955 heiratete er Carolyn Reading.

Verwechslungsgefahr

Viktor Hammer verwendete in Österreich seinen zweiten Vornamen nicht. Es kam daher medial zu Verwechslungen mit dem Wiener Bildhauer Viktor Hammer (Viktor Josef Hammer, 1913–1986), der ebenfalls nur seinen ersten Vornamen verwendete.[12]

Publikationen

  • Type design in relation to language & to the art of the punch cutter. Aurora, New York 1947.
  • A dialogue on the Uncial between a paeongrapher and a printer. Aurora, New York 1946.
  • Erläuternde Anmerkungen zur Pindar-Schrift. Salzburg 1938.
  • Victor Hammer. Graz 1936.

Literatur

  • Sebastian Carter: Twentieth century type designers. New York, 1995, S. 84–87.
  • David Consuegra: American type design & designers. New York, 2004, Seiten 154 und 155.
  • W. G. Reading: Victor Hammer’s Unical Types. In: American Proprietary Typefaces. 1998, Seiten 134–148.
  • Paul Evans Holbrook: An Introduction to Victor & Carolyn Hammer with a Listing of the Books Printed at Their Several Presses. Lexington, KY: The Anvil Press, 1995.
  • Victor Hammer. An artist’s testament. Lexington, The Anvil Press, 1988. (m. Portrait).

Einzelnachweise

  1. Digitale Bibliothek des Belvedere Research Center
  2. Die K. K. Akademie der bildenden Künste in Wien in den Jahren 1892–1917. (goobipr2.uni-weimar.de) abgerufen am 16. Dezember 2014
  3. XLV. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession Internet Archive
  4. Walter Reichel: „Pressearbeit ist Propagandaarbeit“ - Medienverwaltung 1914-1918: Das Kriegspressequartier (KPQ). Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv (MÖStA), Sonderband 13, Studienverlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7065-5582-1, S. 180.
  5. Österreichisches Heeresmuseum (Hrsg.): Katalog der Kriegsbildergalerie des Österreichischen Heeresmuseums, Wien 1923, S. 15
  6. XLVIII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession, Wien Internet Archive
  7. Katalog der tschechischen Nationalbibliothek (tschechisch).
  8. Viktor Hammer, in: Webpräsenz der Gemeinde Grundlsee
  9. Edda Fuhrich, Gisela Prossnitz: Die Salzburger Festspiele. Ihre Geschichte in Daten, Zeitzeugnissen und Bildern. Band 1. 1920–945. Residenz, Salzburg, Wien 1990, S. 208.; zitiert in: Riccardo Concetti: Der Briefwechsel zwischen Hugo von Hoffmannsthal und Robert Michel 1898–1929. Historisch-kritische Ausgabe. Zwei Bände. Band 2. Diss., Wien 2003.
  10. Anette C. Dißlin: Victor Hammer und seine Unziale, Essay.
  11. Victor Hammer, in: Webpräsenz des Klingspor-Museums (PDF; 480 kB).
  12. Martin Pollner: Zwei miteinander verwechselte Wiener Künstler, in: Wiener Geschichtsblätter, Hrsg. Verein für Geschichte der Stadt Wien, 72. Jg., Heft 1 / 2017, S. 49 f.