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vom 25.03.2018, aktuelle Version,

Wörtherseebühne

Die Wörtherseebühne war eine Seebühne am Wörthersee im Stadtgebiet von Klagenfurt. Sie wurde 1999 weitgehend aus Holz errichtet und bot vor ihrem Teilrückbau Platz für 2000 Zuschauer.[1] Sie sorgte seit ihrer Errichtung für Verluste in Millionenhöhe und politische Auseinandersetzungen und gilt als ein Beispiel für unwirtschaftliche Investitionen in politische Prestigeprojekte durch die Hypo Alpe Adria.[2]

Die Seebühne wurde im September 2015 vollständig abgerissen.

Beschreibung

Die Wörtherseebühne befand sich am Metnitzstrand in unmittelbarer Nachbarschaft zum Strandbad Klagenfurt. Sowohl die 40 Meter breite und 20 Meter tiefe Bühne als auch die Zuschauertribünen wurden komplett in den Wörthersee hineingebaut. Die Konstruktion war in zwei schwimmende Plattformen für Zuseher und Akteure unterteilt. Diese ruhten im Zuseherbereich auf Metallpontons, im Akteurbereich auf aluminiumummantelten Styroporschwimmkörpern. Verbunden waren die Plattformen untereinander und diese wiederum mit dem Ufer durch Stahlfachwerkbrücken.[3]

Im Jahr 2009 musste der gesamte Holzunterbau, bestehend aus dem Tragsystem aus Lärchenholz-Bohlen sowie 1.500 m² Schichtboden, ausgetauscht werden, da das Holz morsch geworden war.[4] Die Abnützung sei nach zehn Jahren aber völlig normal, hieß es von Seiten des Betreibers der Bühne.[5]

Auseinandersetzungen um die Finanzierung

Die Spielstätte war 1999 auf Betreiben des damaligen Landeshauptmanns Jörg Haider als dritte große Freiluftbühne Österreichs installiert worden. In den ersten Jahren wurde die Seebühne vom Stadttheater Klagenfurt unter Leitung von Dietmar Pflegerl bespielt. Dafür, dass die Bühne erstmals überregional in die Schlagzeilen geriet, sorgte Haider im Jahr 2001, als er die Privatisierung der Bühne ankündigte und Elmar Ottenthal, den Intendanten des Berliner Theaters des Westens, als neuen künstlerischen Leiter vorstellte.[6] Für das bislang zuständige Klagenfurter Stadttheater unter dem von Haider engagierten Intendanten Dietmar Pflegerl kamen diese Ankündigungen völlig überraschend.[6] Nach einer weiteren Auseinandersetzung mit Haider um hohe Produktionskosten für die Aufführungen zog sich das Stadttheater vor der Saison 2004 schließlich von der Seebühne zurück.[7]

Ende 2003 wurde Renato Zanella für drei Jahre verpflichtet, zunächst sollte er die programmliche Weiterentwicklung betreiben, ab 2005 zusätzlich als Intendant wirken.[8] Er sollte Klagenfurt als Festspielstadt etablieren, scheiterte aber ebenfalls.[9] Im Februar 2005 richtete der Kärntner Landtag einen Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen rund um die Seebühne ein.[10] In dessen Endbericht wurde das Fehlen eines Konzeptes für die technische Ausstattung der Bühne und die Bespielung mit „drittklassigen Tourneeproduktionen“ kritisiert.[11] Der Untersuchungsausschuss lastete Jörg Haider Mitverantwortung für die „Tragödie mit absehbarem Ausgang“ an und bezifferte die Kosten für die Saison 2004 mit 5 Millionen €.[12]

Den bereits 2001 aufgekommenen Ruf eines Millionengrabes[6] behielt die Bühne bei. Der Tagesspiegel wies ihr die Rolle eines der verlustreichen Prestigeprojektes Haiders zu, das lange durch die Hypo Alpe Adria finanziert worden war.[13] Deren 2007 erfolgte Übernahme durch die BayernLB führte zu Milliardenverlusten und 2009 zu einem Notverstaatlichungsverfahren durch die Republik Österreich.[13]

2012 und 2013 wurde die publikumswirksame Fernsehshow Starnacht am Wörthersee“ auf der Wörtherseebühne aufgezeichnet.

Der für Kultur zuständige Landesrat Wolfgang Waldner kündigte vor der Landtagswahl in Kärnten 2013 an, die Seebühne aufgrund der nicht finanzierbaren Betriebskosten in Höhe von 600.000 € pro Jahr, denen Einnahmen von 40.000 € pro Jahr gegenüberstehen, schließen zu wollen.[14] Im August 2013 hat der Seebühnen-Ausschuss der Kärntner Landesregierung bekannt gegeben, dass es künftig keine Landesmittel für die infrastrukturelle Unterstützung der mittlerweile im Besitz der Kärntner Messen befindlichen Seebühne geben werde.[15]

Nachnutzung und Teilrückbau

Die Kärntner Landesregierung hatte den Seebühnenvertrag aufgelöst, danach wurde die Bühne Ende 2013 zum Verkauf ausgeschrieben. Am 3. Februar 2014 entschied der Seebühnenausschuss, dass mangels Erfüllung der ausgeschriebenen Bedingungen keines der vier Kaufangebote akzeptiert wird. [16] Am 1. April 2014 beschloss der Stadtsenat (mit FPK und ÖVP gegen die 3 Stimmen der Mitglieder der SPÖ und Grünen), dass die Bühne von der Messe gekauft und an die Wörtherseeschifffahrt verpachtet werden soll.[17]

Am 7. Mai 2014 hatte die Stadt Klagenfurt das Eigentum an der Seebühne von der Messe übernommen. Der beabsichtigte Rückbau der seeseitigen Plattform, für die ein Abrissbescheid vorlag, durfte – zumindest am seinerzeitigen Standort – nicht während der laufenden Badesaison erfolgen.[18] Nach den Abbauarbeiten der Bühnenausrüstung der Starnacht am Wörthersee 2014 hatte im Juli 2014 der Teilabbau der seeseitigen Bühnenplattform begonnen. Die verkleinerte Seebühne sollte statt 2200 Personen nur noch Platz für knapp eintausend Zuseher haben.[19]

Endgültiger Abriss

Im März 2015 wurde von der neu gewählten Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz bekanntgegeben, dass die mittlerweile teilweise rückgebaute Seebühne nun gänzlich abgerissen werden soll, da ansonsten allein die laufenden Kosten jährlich 40.000 € betragen würden.[20] Eine Recyclingfirma demontierte im Auftrag der Eigentümerin, der Stadt Klagenfurt, im September 2015 die Bühne; aus der Verwertung des Altmetalles wurden 65.000 € erlöst.[21]

Einzelnachweise

  1. Bericht des Untersuchungsausschusses des Kärntner Landtages betreffend die Überprüfung über die finanziellen Aufwendungen des Landes Kärntens bei der Seebühne (Memento des Originals vom 18. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/spittal.gruene.at (PDF; 1,3 MB), S. 2
  2. Milliardengrab Hypo: Ein Drama in fünf Akten, Die Presse, 31. März 2014
  3. http://www.tine.at/index.php/2011/02/15/seebuhne-klagenfurt/
  4. Wörtherseebühne muss saniert werden, ORF Kärnten, 3. Juni 2009
  5. Wörtherseebühne ist morsch, OE24.at, 4. Juni 2009
  6. 1 2 3 Kultur Klagenfurter Wörtherseebühne: Die Haider-Connection, Tagesspiegel, 1. Juni 2001, von Kai Müller
  7. Wörthersee-Bühne: Land Kärnten zieht sich zurück, Die Presse, 28. Jänner 2010
  8. Zanella wird Intendant der Wörtherseebühne, Der Standard, 4. November 2003
  9. Wörtherseebühne: Ermittlungen gegen Zanella, Der Standard, 11. Mai 2006
  10. 10.2.: Untersuchungsausschuss zur Wörtherseebühne eröffnet, Der Standard, 14. Februar 2005
  11. FORMAT: Vernichtendendes Urteil über Haiders Wörtherseebühne in U-Ausschuss, Format, 28. September 2006
  12. Wörtherseebühne: „Tragödie mit absehbarem Ausgang“, Der Standard, 3. Oktober 2006
  13. 1 2 Bankenskandal Hypo Alpe Adria Freunderlwirtschaft nach Kärntner Art 7. Jänner 2010, Tagesspiegel, von Joachim Riedl
  14. Waldner will Klagenfurter Seebühne zusperren, Die Presse, 22. Februar 2013
  15. Seebühne: Land steigt definitiv aus Meldung in ORF Kärnten - online vom 6. August 2013
  16. Seebühne: Kein Käufer akzeptiert, orf.at vom 3. Februar 2014, abgerufen am 9. Februar 2014
  17. Stadt kauft Seebühne und verpachtet weiter, ORF.at vom 1. April 2014
  18. Seebühne: Abrissbescheid liegt vor, ORF.at vom 8. Mai 2014
  19. Seebühne: Auf Starnacht folgt Abbau, ORF.at vom 11. Juli 2014
  20. Seebühne wird nun verschrottet, ORF Kärnten, 29. Mai 2015, abgerufen am 21. September 2015
  21. Wörtherseebühne ist „Geschichte“, orf.at, 21. September 2015, abgerufen am 21. September 2015