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vom 09.07.2020, aktuelle Version,

WWF Österreich

WWF Österreich
Rechtsform Verein
Gründung 1963[1]
Sitz Wien ()
Zweck Naturschutz
Vorsitz Johanna Mang
(Vorsitzende des Aufsichtsrats)
Geschäftsführung Andrea Johanides
Umsatz 10,7 Millionen Euro (2014)[2]
Beschäftigte 90
Mitglieder 9.970[3]
Website www.wwf.at

Der WWF Österreich (vollständig: Umweltverband WWF Österreich) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz im Wien-Ottakring, der 1963 als nationale Sektion des World Wide Fund For Nature gegründet wurde.[1]:106 Sein Zweck ist es, die Bestrebungen des WWF im Interesse des österreichischen und internationalen Naturschutzes zu fördern.[4] Zentrale Ziele sind, die biologische Vielfalt der Erde zu bewahren, die naturverträgliche Nutzung erneuerbarer Ressourcen voranzutreiben sowie Umweltverschmutzung und Verschwendung von Naturgütern zu verhindern.[5] Der Verein ist Mitglied der Umweltallianz Österreich[6] und des ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung.[7] Zu seinen bekanntesten Projekten zählt beispielsweise die Einrichtung des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel.[8]

Geschichte

Luftbild des Nationalparks Donau-Auen (2013)

Anlass für die Gründung des WWF Österreich 1963 war in erster Linie der Schutz der Langen Lacke, dem größten von 40 salzhaltigen Seen im burgenländischen Seewinkel, sowie der umgebenden Pusztafläche.[9]:50 Das Gebiet galt als Reservat für verschiedene Vogelarten und wurde durch den Plan bedroht, es für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.[10] Um dies zu verhindern, sollte ein Verein die Interessen der Gegner vertreten. Nach dem Vorbild des WWF Schweiz initiierten daher Luc Hoffmann und andere Mitstreiter wie zum Beispiel Antal Festetics die Organisation, deren erster Präsident Manfred Mautner Markhof junior war.[11][12] Die Position des Geschäftsführers übernahm Hans Feindl, der vor allem neue Mitglieder anwerben sollte, während Luc Hoffmann den Verein auf internationaler Ebene unterstützte.[12] Eine größere Spende an den WWF Österreich wurde anlässlich eines Besuchs von Prinz Philip auf dem Wiener Opernball bekannt.[12]

1970 erreichte der Ankauf von 1.200 Hektar Marchauen größere Aufmerksamkeit.[13] Der WWF Österreich zahlte dafür insgesamt 12 Millionen Schilling und errichtete das WWF Naturreservat Marchegg, in dem bis heute eine große Kolonie von Störchen lebt.[10] In den nächsten Jahren erwarb der Verein außerdem 50 % des Naturreservats am Hundsheimer Berg, das etwa eineinhalb Quadratkilometer groß ist. Die andere Hälfte befindet sich im Besitz der Gemeinde Hundsheim, das Schutzgebiet dient zum Beispiel der Universität Wien für Exkursionen.[14] Ende 1982 initiierte der WWF Österreich unter dem Motto „Rettet die Au“ eine Kampagne gegen den geplanten Bau eines Wasserkraftwerks an der Donau nahe Hainburg in Niederösterreich.[15] Diese führte zu einer breiten öffentlichen Debatte über die Folgen für die Umwelt und schließlich zur Besetzung der Hainburger Au.[16] Später erwirkte der WWF Österreich einen Beschluss des Obersten Gerichtshofs, den Beobachter als Grundstein zur Errichtung des Nationalparks Donau-Auen einstuften.[17]

Im Juni 1989 begann der WWF Österreich mit der Ansiedlung von Braunbären in österreichischen Wäldern, zunächst in der Region um den Ötscher in Niederösterreich.[18] Dort war der letzte Bär 1842 getötet worden. Nachdem das Projekt in den ersten Jahren positiv beurteilt wurde, regte sich ab Mitte der 1990er Jahre Kritik.[19] Dieser begegnete der WWF Österreich mit einer Aufklärungskampagne, für die umgerechnet fast zwei Millionen Deutsche Mark aufgewendet wurden.[20] Bis Ende 2002 stieg die Zahl der vom WWF angesiedelten Braunbären auf 25 bis 30 Tiere,[21] womit sie zu den größten angesiedelten Beständen in der Europäischen Union zählten.[22] 2007 wurde schließlich bekannt, dass die Tiere aber zwischenzeitlich verschwunden waren. Beobachter spekulierten über illegale Jagden auf die Bären, natürliche Ursachen und eine Abwanderung wurden weitgehend ausgeschlossen.[23] Der WWF Österreich kündigte daraufhin an, sich für eine erneute Wiederansiedlung einzusetzen,[24] was allerdings auf breite Kritik in den Ländern stieß.[25]

Im Jahr 2007 startete der Umweltverband die „WWF Climate Group“.[26] Im Rahmen dieser Initiative verpflichteten sich österreichische Unternehmen, ihren CO2-Ausstoß innerhalb von drei Jahren um 15 % zu senken.[27] Als ersten Partner für das Projekt wurde das Unternehmen IKEA gewonnen,[28] welches anschließend zum Beispiel einen Teil seiner Fahrzeugflotte auf alternative Antriebe umstellte.[27] 2009 schloss sich die Telekom Austria der WWF Climate Group an,[29] später unter anderem auch die Allianz, dm-drogerie markt, Erste Group, Fronius International, Hermann Pfanner Getränke und Spar.[30]:19 2017 feierte das Unternehmensnetzwerk sein 10-jähriges Jubiläum: 630.000 Tonnen Treibhausgasemissionen konnten seit der Gründung eingespart werden, wie der WWF im entsprechenden Jahresbericht schreibt. Dies entspräche den Treibhausgasemissionen des jährlichen Stromverbrauchs aller Haushalte in der Steiermark.[31] Im Dezember 2019 appellierten mehrere Climate-Group-Unternehmen an die Politik, ein „ambitioniertes, wirksames und naturverträgliches Klimaschutz-Programm ins Zentrum der künftigen Regierungsarbeit zu stellen“.[32]

Alle zwei Jahre veröffentlicht der WWF weltweit den Living-Planet-Report, der auf Basis wissenschaftlicher Erhebungen den menschlichen Raubbau an der Natur dokumentiert. Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) hat der WWF Österreich 2018 erstmals auch einen "Living-Planet-Index" für die Alpenrepublik erarbeitet. Dieser Index basiert auf rund 880 Datensätzen aus den neun Bundesländern für alle Wirbeltierklassen und zeigt, dass die heimischen Wirbeltierbestände in einem sehr schlechten Zustand sind. Im Untersuchungszeitraum kam es bei den untersuchten Arten zu einem Rückgang von im Schnitt 70 Prozent. In einer Reaktion forderten WWF-Artenschutzexperten mehr Rückzugsorte und Naturschutzgebiete. Zudem müssten umweltschädliche Subventionen gestoppt werden. Parallel dazu brauche es mehr Forschung und Monitoring, um negative Trends überhaupt erkennen zu könne. Denn nur 18 Prozent der europarechtlich geschützten Arten und nur 44 Prozent der europarechtlich gemäß FFH-Richtlinie geschützten Lebensräume würden in einem österreichweit einheitlichen Monitoring untersucht.[33]

Um dem Artensterben in den Gewässern auf den Grund zu gehen, wertete der WWF Österreich im Jahr 2019 laut eigenen Angaben mehr als 500 Datensätze aus Bundesländer-Berichten an die EU-Kommission aus. Demnach weisen über 90 Prozent der 62 bewerteten Arten keinen günstigen Erhaltungszustand auf. Hauptsächliche Ursachen dafür seien Flussbegradigungen, Uferverbauungen, Wasserkraft- und Querbauwerke sowie Transport- und Verkehrsinfrastruktur, dazu komme die Verschmutzung durch landwirtschaftlichen Pestizideinsatz und Nährstoffeintrag.[34] In einer Reaktion forderte die Umweltschutzorganisation von der Politik eine Sanierungsoffensive und den Stopp schädlicher Subventionen.[35]

Immer wieder engagiert sich der WWF Österreich gegen umstrittene Großprojekte im Alpenraum. Ein Beispiel dafür ist die umstrittene Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal, für die laut Projektunterlagen insgesamt 750.000 Kubikmeter Gestein, Erde und Eis ausgehoben werden müssten. Für besonderen Wirbel sorgte, dass für eine Bergstation sogar ein Berggrat um 120.000 Kubikmeter abgetragen werden müsste. Gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen forderte der WWF daher "den Stopp des geplanten Megaprojekts sowie rechtlich verbindliche Ausbaugrenzen für Skigebiete und einen Gletscherschutz ohne Ausnahmen". Die entsprechende Petition einer Tiroler Bürgerinitiative wurde 2019 von über 150.000 Menschen unterzeichnet.[36][37]

Finanzen

Im Zeitraum von Juli 2018 bis Juni 2019 erzielte der WWF Österreich Einnahmen in Höhe von 17,073 Millionen Euro. Davon entfiel der größte Teil auf zweckgebundene und nicht zweckgebundene Spenden, die zusammen 49 % ausmachten. Öffentliche Mittel waren für 27 % der Einnahmen verantwortlich, wobei es sich dabei laut Jahresbericht ausschließlich um zweckgebundene Projektgelder handelt. 9 % der Einnahmen stammten aus Unternehmenskooperationen, von Stiftungen kamen 2 %, von anderen WWF-Organisationen 5 %, aus Mitgliedsbeiträgen 3 %. Der Posten Mittelverwendung belief sich ebenfalls auf 17,073 Millionen Euro. 43 % davon unterstützten internationale Projekte, 23 % nationale Projekte, 14 % wurden in Spendenwerbung investiert, die Verwaltungsausgaben lagen bei 5 %.[38] In die Bilanz des Vereins wird die WWF Panda Ges.m.b.H. mit Sitz in Wien einbezogen, deren Zweck der „Handel mit Spielwaren, Souvenirs und Naturschutzprodukten“ unter dem Logo des WWF ist.[39]

Einzelnachweise

  1. 1 2 Bruno Streit: Was ist Biodiversität? Erforschung, Schutz und Wert biologischer Vielfalt. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53617-5.
  2. Jahresbericht 2014. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) WWF Österreich, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 25. März 2015 (1,7 MB).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wwf.at
  3. Statuten und Struktur. (JPG) WWF Österreich, abgerufen am 30. Oktober 2014 (1,3 MB).
  4. Vereinsstatuten. WWF Österreich, abgerufen am 28. Oktober 2014.
  5. WWF Österreich: Weltweit aktiv für den Naturschutz. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  6. WWF, Greenpeace, Global 2000 und weitere NGOs gründen Allianz. In: Der Standard. 2. Juli 2014, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  7. Mitgliedsorganisationen ÖKOBÜRO. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  8. Austria Presse Agentur: WWF Österreich kämpfte für Nationalpark Donauauen. 22. April 2011 („Chronik Österreich“).
  9. Dieter Pesendorfer: Paradigmenwechsel in der Umweltpolitik. Von den Anfängen der Umwelt- zu einer Nachhaltigkeitspolitik. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15649-1.
  10. 1 2 WWF Österreich: Am Anfang waren die Vögel. ORF, 23. Dezember 2013, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  11. Antal Festetics feiert seinen 75er. In: Der Standard. 10. Juli 2012, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  12. 1 2 3 Stellen Sie sich eine Abstinenzler-Versammlung vor, die vom … In: Die Presse. 30. Juni 2012, S. 62.
  13. Johannes Straubinger: Sehnsucht Natur. Ökologisierung des Denkens. Books on Demand, Norderstedt 2009, S. 123.
  14. Friedrich Kasy: Die Schmetterlingsfauna des WWF-Naturreservates „Hundsheimer Berge“ in Niederösterreich. (PDF) In: Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen. 1983, abgerufen am 30. Oktober 2014 (4,7 MB).
  15. 1984/85: Hainburg – Ein Kraftwerksbau erschüttert die Republik. (PDF) Abgerufen am 30. Oktober 2014 (Nationalrat: Debatte über Umweltschutz, Exekutiveinsatz, Rechtsstaat).
  16. Ingrid Monjencs, Herbert Rainer (Hrsg.): Hainburg – 5 Jahre danach. Kontrapunkt, Wien 1989.
  17. WWF Österreich: 50 Jahre Einsatz für die Tierwelt. In: Salzburger Nachrichten. 23. Dezember 2013, abgerufen am 27. Oktober 2014.
  18. Inge Santner: WWF gliedert Ursus arctos in Österreich wieder ein. Ein bärenstarkes Programm. In: Hamburger Abendblatt. 5. Juli 1999, S. 26.
  19. Der Braunbär ist in Österreich wieder heimisch. Umweltschutzorganisation WWF siedelte Tiere in den Alpen an – Skepsis in der Bevölkerung. In: Die Welt. 5. August 2003, S. 32.
  20. Inge Santner: WWF-Experiment: Auswilderung von Meister Petz nach anfänglichen Problemen erfolgreich. In Österreich ist seit zehn Jahren der Bär los. In: Berliner Morgenpost. 4. Juli 1999, S. 32.
  21. Gutes Jahr für Meister Petz. In: Wiener Zeitung. 19. Dezember 2002, S. 8.
  22. Ein Advokat für Meister Petz: Artenschutz in Österreich. In: Kurier. 23. März 2004, S. 12.
  23. Rudolf Gruber: Illegale Jagd auf Bären? In: Der Bund. 21. Juli 2007, S. 40 (In den österreichischen Ostalpen sind 20 Braunbären auf mysteriöse Weise verschwunden. Umweltschützer und Polizei vermuten illegale Abschüsse.).
  24. Rainer Nowak: Die armen Bären des WWF. In: Die Presse. 6. August 2008, S. 31.
  25. Markus Rohrhofer, Gudrun Springer: Als Bär stirbt man auch zweimal aus. In: Der Standard. 13. August 2008, S. 9.
  26. WWF und Ikea gründen eine Klimaplattform. In: Der Standard. 31. August 2007, S. 20.
  27. 1 2 Thomas Pressberger: Ikea und der WWF starten CO²-Initiative. Klimaschutz: WWF will Unternehmen zur Eigenverantwortung motivieren. In: WirtschaftsBlatt. 6. September 2007, S. 4.
  28. Ikea fühlt sich reif für den Klimaschutz. In: Salzburger Nachrichten. 31. August 2007, S. 14.
  29. Telekom Austria reduzierte CO2 Ausstoß um 40 Prozent in einem Jahr. In: Oekonews. 26. Juni 2010, abgerufen am 30. Oktober 2014.
  30. Jahresbericht 2012. (Nicht mehr online verfügbar.) WWF Österreich, S. 22, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 30. Oktober 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wwf.at
  31. WWF Österreich: Über uns. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  32. W. W. F. Österreich: Koalition: Unternehmen fordern ambitioniertes Klimaschutzprogramm. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  33. Raubbau an der Natur beschleunigt Artensterben – derStandard.at. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  34. WWF-Report: Artensterben in Österreichs Flüssen und Seen. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  35. W. W. F. Österreich: WWF-Report: Artensterben in Österreichs Gewässern ist menschengemacht. Abgerufen am 10. Dezember 2019.
  36. W. W. F. Österreich: WWF: Mehr als 150.000 Menschen sagen Nein zur Gletscher-Verbauung Pitztal-Ötztal. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  37. Nindler Peter: Pitztal/Ötztal: Protest gegen Gletscher-Ehe. 1. Dezember 2019, abgerufen am 24. Januar 2020.
  38. WWF Jahresbericht 2018 / 2019. WWF Österreich, abgerufen am 13. Dezember 2019.
  39. Firmenbuch der Republik Österreich. Abgerufen am 31. Oktober 2014 (WWF Panda Ges.m.b.H., Firmenbuchnummer 82220m).