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vom 30.01.2016, aktuelle Version,

Wahlbezirk Böhmen 11

Wahlbezirk Böhmen 11
Land Österreich-Ungarn
Kronland Böhmen
Wahlkreisnummer 11
Typ Städtewahlkreis
Region Königliche Weinberge
Wahlberechtigte 8.632  (1911)
Abgeordnete
  • Josef Herold (1907–1908)
  • Josef Sláma (1908–1911)
  • Otakar Hübschmann (1911–1918)

Der Wahlbezirk Böhmen 11 war ein Wahlkreis für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im österreichischen Kronland Böhmen. Der Wahlbezirk wurde 1907 mit der Einführung der Reichsratswahlordnung geschaffen und bestand bis zum Zusammenbruch der Habsburgermonarchie.

Geschichte

Nachdem der Reichsrat im Herbst 1906 das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht beschlossen hatte, wurde mit 26. Jänner 1907 die große Wahlrechtsreform durch Sanktionierung von Kaiser Franz Joseph I. gültig. Mit der neuen Reichsratswahlordnung schuf man insgesamt 516 Wahlbezirke, wobei mit Ausnahme Galiziens in jedem Wahlbezirk ein Abgeordneter im Zuge der Reichsratswahl gewählt wurde. Der Abgeordnete musste sich dabei im ersten Wahlgang oder in einer Stichwahl mit absoluter Mehrheit durchsetzen. Der Wahlkreis Böhmen 11 umfasste die Stadt Königliche Weinberge (Vinohrady) ohne den zum Wahlbezirk 10 gehörenden Teil.[1]

Aus der Reichsratswahl 1907 ging Josef Herold (Jungtschechen) als Sieger hervor. Er gewann die Stichwahl gegen den national-sozialen Kandidaten Josef Sláma. Herold verstarb jedoch bereits im Mai 1908, woraufhin Ersatzwahlen durchgeführt werden mussten. Bei diesen setzte sich Sláma in der Stichwahl mit 62 Prozent gegen den Jungtschechen Körner durch. Bei der Reichsratswahl 1911 konnte sein Parteikollege Otakar Hübschmann im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen.

Wahlergebnisse

Reichsratswahl 1907

Die Reichsratswahl 1907 wurde am 14. Mai 1907 (erster Wahlgang)[2] sowie am 23. Mai 1907 (Stichwahl)[3] durchgeführt.

Erster Wahlgang

Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent
Josef Herold Jungtschechen 1992 37,1 %
Josef Sláma Tschechische national-soziale Partei 1424 26,5 %
František Václav Krejčí Tschechische Sozialdemokratische Partei 1331 21,1 %
deutsche Zählkandidaten[4] 502 9,4 %
Agrarier 67 1,2 %
Sonstige Parteien 52 1,0 %
Wahlberechtigte: 6646, Ungültige/Leere Stimmen: 16, Wahlbeteiligung: 81,0 %

Stichwahl

Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent
Josef Herold Jungtschechen 2602 58,0 %
Josef Sláma Tschechische national-soziale Partei 1883 42,0 %
Wahlberechtigte: 6646, Ungültige/Leere Stimmen: 19, Wahlbeteiligung: 67,8 %

Reichsratsergänzungswahl 1908

Nach dem Tod von Herold am 4. Mai 1908 wurde am 12. November 1908 (erster Wahlgang)[5] und am 20. November 1907 (Stichwahl)[6] die Ersatzwahl durchgeführt.

Erster Wahlgang

Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent
Josef Sláma Tschechische national-soziale Partei 2054 48,8 %
Körner Jungtschechen 1280 30,4 %
Josef Havránek Tschechische Sozialdemokratische Partei 775 18,4 %
Ladislaus Kunte Realist 60 1,4 %
Anton Drapalik Tschechische Christlichsoziale Partei 49 1,2 %
Sonstige Parteien 6 0,1 %
Wahlberechtigte: 7000, Ungültige/Leere Stimmen: 11, Wahlbeteiligung: 60,3 %

Stichwahl

Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent
Josef Sláma Tschechische national-soziale Partei 2488 61,8 %
Körner Jungtschechen 1535 38,2 %
Wahlberechtigte: 700, Ungültige/Leere Stimmen: 16, Wahlbeteiligung: 57,7 %

Reichsratswahl 1911

Die Reichsratswahl 1911 wurde am 13. Juni 1911[7] durchgeführt. Die Stichwahl entfiel auf Grund des absoluten Mehrheit für Choc im ersten Wahlgang.

Kandidat Partei Wahlkreisstimmen Prozent
Otokar Hübschmann Tschechische national-soziale Partei 3363 63,2 %
František Václav Krejčí Tschechische Sozialdemokratische Partei 1240 23,3 %
Alexander Richter deutschfortschrittlicher Kandidat 314 5,9 %
Antonín Novotný Tschechische staatsrechtlich-fortschrittliche Partei 261 4,9 %
Antonín Kobes Tschechische Christlichsoziale Partei 121 2,3 %
Sonstige 25 0,5 %
Wahlberechtigte: 8632, Ungültige Stimmen: 16, Wahlbeteiligung: 661,9 %

Einzelnachweise

  1. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder. 1907, IX. Stück, Nr. 17: „Gesetz vom 26. Jänner 1907 betreffend die Wahl der Mitglieder des Abgeordnetenhauses des Reichsrates“
  2. Die Wahlergebnisse in Böhmen. In: Prager Abendblatt. Beilage zur Prager Zeitung / Prager Abendblatt, 15. Mai 1907, S. 2 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pab
  3. Die Stichwahlen in Böhmen.. In: Prager Abendblatt. Beilage zur Prager Zeitung / Prager Abendblatt, 24. Mai 1907, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pab
  4. Darunter laut Zeitungsberichten 414 Stimmen für Alexander Richter.
  5. Die Nachwahlen. Eine vernichtende Niederlage der Jungtschechen.. In: Arbeiter-Zeitung, 13. November 1908, S. 4 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/aze
    Reichsratsergänzungswahl in Weinberge.. In: Prager Tagblatt, 13. November 1908, S. 5 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ptb
  6. Eine Niederlage.. In: Prager Tagblatt, 21. November 1908, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ptb
  7. Die Reichsratswahlen.. In: Prager Abendblatt. Beilage zur Prager Zeitung / Prager Abendblatt, 14. Juni 1911, S. 1 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pab

Literatur