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vom 27.10.2015, aktuelle Version,

Wahlbezirk Böhmen 70

Wahlbezirk Böhmen 70
Land Österreich-Ungarn
Kronland Böhmen
Wahlkreisnummer 70
Typ Landgemeindenwahlkreis
Region Přestitz, Taus, Neugedein
Anwesende Bevölkerung  63.074  (1910)
Umgangssprachen Böhmisch (97,8 %), Deutsch (2,2 %)
Wahlberechtigte 13.659  (1911)
Abgeordnete
  • Antonín Remeš (1907–1911)
  • Tomáš Janovec (1911–1918)

Der Wahlbezirk Böhmen 70 war ein Wahlkreis für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus im österreichischen Kronland Böhmen. Der Wahlbezirk wurde 1907 mit der Einführung der Reichsratswahlordnung geschaffen und bestand bis zum Zusammenbruch der Habsburgermonarchie.

Geschichte

Nachdem der Reichsrat im Herbst 1906 das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht beschlossen hatte, wurde mit 26. Jänner 1907 die große Wahlrechtsreform durch Sanktionierung von Kaiser Franz Joseph I. gültig. Mit der neuen Reichsratswahlordnung schuf man insgesamt 516 Wahlbezirke, wobei mit Ausnahme Galiziens in jedem Wahlbezirk ein Abgeordneter im Zuge der Reichsratswahl gewählt wurde. Der Abgeordnete musste sich dabei im ersten Wahlgang oder in einer Stichwahl mit absoluter Mehrheit durchsetzen. Der Wahlkreis Böhmen 70 umfasste die Gerichtsbezirke Přestitz, Taus (ohne die Gemeinden Haselbach, Prennet, Tannawa, Vollmau, Wassersuppen), Neugedein (ohne die Gemeinden Braunbusch, Donau, Hirschau, Kaltenbrunn, Marberg, Neumarkt, Schneiderhof, Viertl) sowie die Gemeinden Chotimiř, Elstin, Franowa, Kamenzen, Křenowa, Kwitschowitz, Lohowa, Lohowtschitz, Malonitz, Motscherad, Podiefuß, Putzlitz, Schekarschen, Stankau Markt, Tschirm, Wostratschin (alle Gerichtsbezirk Bischofteinitz). Vom Wahlbezirk waren jedoch die Städte Přestitz, Taus und Neugedein (alle Wahlbezirk 31) ausgenommen.[1]

Aus der Reichsratswahl 1907 ging der Sozialdemokrat Antonín Remeš als Sieger hervor. Bei der Reichsratswahl 1911 konnte sich der Tschechische Agrarier Tomáš Janovec durchsetzen.

Wahlergebnisse

Reichsratswahl 1907

Die Reichsratswahl 1907 wurde am 14. Mai 1907 (erster Wahlgang)[2] durchgeführt. Die Stichwahl entfiel auf Grund des absoluten Mehrheit für Antonín Remeš im ersten Wahlgang.

Kandidat Partei Wahlkreis-
stimmen
Stimmen-
anteil
Antonín Remeš Tschechische Sozialdemokratische Partei 5511 50,4 %
Tomáš Janovec Tschechische Agrarpartei 5189 47,4 %
Janda Tschechisch national-soziale Partei 200 1,8 %
Sonstige Parteien 38 0,3 %
Wahlberechtigte: 13.284, Ungültige/Leere Stimmen: 143, Wahlbeteiligung: 83,4 %

Reichsratswahl 1911

Die Reichsratswahl 1911 wurde am 13. Juni 1911[3] sowie am 20. Juni 1911 (Stichwahl)[4] durchgeführt.

Erster Wahlgang

Kandidat Partei Wahlkreis-
stimmen
Stimmen-
anteil
Tomáš Janovec Tschechische Agrarpartei 5142 48,2 %
Antonín Remeš Tschechische Sozialdemokratische Partei 4959 46,5 %
Josef Kolařík Christlichsoziale Partei 440 4,1 %
Selbständiger Kandidat 83 0,8 %
Sonstige Parteien 46 0,4 %
Wahlberechtigte: 13.659, Ungültige/Leere Stimmen: 195, Wahlbeteiligung: 79,5 %

Stichwahl

Kandidat Partei Wahlkreis-
stimmen
Stimmen-
anteil
Tomáš Janovec Tschechische Agrarpartei 6220 54,7 %
Antonín Remeš Tschechische Sozialdemokratische Partei 5142 45,3 %
Wahlberechtigte: 13.659, Ungültige/Leere Stimmen: 130, Wahlbeteiligung: 84,1 %

Einzelnachweise

  1. Reichsgesetzblatt für die im Reichsrath vertretenen Königreiche und Länder 1907, IX. Stück, Nr. 17: „Gesetz vom 26. Jänner 1907 betreffend die Wahl der Mitglieder des Abgeordnetenhauses des Reichsrates“
  2. Artikel in: Prager Abendblatt. Beilage zur Prager Zeitung / Prager Abendblatt, 15. Mai 1907, S. 3 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pab
  3. Artikel in: Prager Abendblatt. Beilage zur Prager Zeitung / Prager Abendblatt, 14. Juni 1911, S. 3 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pab
  4. Artikel in: Prager Abendblatt. Beilage zur Prager Zeitung / Prager Abendblatt, 21. Juni 1911, S. 2 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/pab

Literatur