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vom 16.11.2016, aktuelle Version,

Walther Soyka

Walther Soyka (* 17. August 1926 in Wien; † 25. Juli 2006 in Bremen) war ein Publizist und Atomkraftgegner.

Leben

Soyka wuchs als ältester Sohn des Diplomingenieurs und Schriftstellers Richard Soyka (1895–1975) in Wien auf. Laut eigenen Angaben legte er 1943 am Realgymnasium in Wien sein Abitur ab und wurde 1944 mit 17 Jahren zu einem Kriegseinsatz in Jugoslawien eingezogen. Soyka war Mitglied der SS und KZ-Aufseher.[1] Er arbeitete im Konzentrationslager Hallein bei Salzburg, einem Außenlager des KZ Dachau.[2]

Nach dem Krieg studierte Soyka in Wien bis zum 17. Oktober 1961 Politikwissenschaften. Später gab er als Abschluss „Staatswissenschaften“ (absolv. rer. pol.) an,[3] weshalb er auch als „gelernter Staatswissenschaftler“ bezeichnet wurde.[4]

Soyka war in erster Ehe mit Wilma Gertrud Soyka verheiratet. Beide hatten acht Kinder, darunter der Komponist Ulf-Diether Soyka. In zweiter Ehe war er mit Nicoll de Bruin verheiratet. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor.

Wirken

Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre beteiligte sich Soyka aktiv am Volksbegehren gegen Atomkraftwerke in Österreich, welches 1969 unter Führung seines Vaters Richard Soyka und des „Bundes für Volksgesundheit“ eingeleitet wurde.[5] Er gründete 1970 eine „Gesellschaft für biologische Sicherheit“,[3] mittels der er das Volksbegehren gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf initiierte. In diesem Zusammenhang wurde er 1972 beim Baubewilligungsverfahren in Zwentendorf von Polizisten aus dem Saal entfernt, als er – mit den Vollmachten von Anrainern ausgestattet – gegen die Errichtung des Atomkraftwerks Einspruch erheben wollte.[6]

Von 1972 bis 1981 war Soyka als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen tätig. Er gehörte dort mit Jens Scheer, Inge Schmitz-Feuerhake und weiteren Physikern zum Projekt SAIU („Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz und in der Industrieregion Unterweser“), das sich hauptsächlich mit den Risiken der Atomenergie befasste.[7] Soyka hielt keine eigenen Lehrveranstaltungen ab, sondern war Mitglied der Arbeitsgruppe, die ein vonseiten der Atomindustrie verteiltes Reklameheft („Zum besseren Verständnis der Kernenergie – 66 Fragen - 66 Antworten“) analysierte. Die Ergebnisse wurden 1975 in einem Buch veröffentlicht, das sich bei Umweltschützern schnell zu einem Standardwerk der Atomenergiekritik entwickelte.[7] Soyka gehörte während dieser Zeit in der Anti-Atom-Bewegung zu den führenden Köpfen. 1981 war er einer der prominentesten Bürger der Republik Freies Wendland. Robert Jungk war durch Soyka zum Gegner der sogenannten „friedlichen Nutzung“ von Atomspaltungstechnologie geworden.[8]

Soyka gehörte zum Umfeld des rechtsextremen Bundes für Gotterkenntnis der Ludendorff-Bewegung.[9] Im Februar 1976 gründete Soyka zusammen mit dem Rechtsextremisten und Ludendorffer Roland Bohlinger das „Institut für biologische Sicherheit“ in Bremen.[10] Mitglied im Institut-Kuratorium waren Manfred Roeder und der Ludendorffer Propagandist Eberhard Engelhardt.[11] Mittels des umstrittenen Instituts gelang den Ludendorffern, so Florian Mildenberger, zeitweise ein Einbruch in die deutsche und vor allem österreichische Ökologiebewegung.[12]

So verbreiteten Soyka und Bohlinger 1978, dass in der Umgebung des Kernkraftwerks Lingen eine erhöhte Zahl von Leukämiefällen festzustellen sei, wie das Institut anhand von Befragungen ermittelt habe. Die Meldung wurde von der Deutschen Presse-Agentur aufgegriffen, woraufhin das Bundesinnenministerium und die niedersächsische Landesregierung die Zahlen als wissenschaftlich nicht zuverlässig bezeichneten.[13] Einen wissenschaftlichen Nachweis für seine Behauptungen konnte Soyka nicht erbringen.[14]

Soyka organisierte Tausende von Sammelklagen gegen Atomkraftwerke in der BRD, allerdings wurde ihm von verschiedenen Gerichten bescheinigt, er betreibe „die geschäftsmäßige Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten (...) ohne im Besitz einer hierfür erforderlichen Erlaubnis der zuständigen Behörde zu sein“. Hunderte Atomkraftgegner, die ihm eine Vollmacht erteilt hatten, fühlten sich über die anfallenden Gerichtskosten unzureichend informiert, blieben auf ihren Kosten sitzen und entzogen ihm daraufhin das Vertrauen.[15]

Soyka gab im Rahmen seines „Instituts für biologische Sicherheit“ zahlreiche Schriften heraus. Er kandidierte als Parteiloser auf der Liste der rechtsextremen Deutschen Volksunion zu den Bundestagswahlen 1998.[9]

Literatur

  • Rainer Alsheimer, Apocalypse now? : eschatologisches im Internet und anderswo, In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 95, Heft 1, 1999, S. 47-59, zu Soyka konkret S. 56-57

Einzelnachweise

  1. DER SPIEGEL 12/1987 vom 16. März 1987, S.272 Online einsehbar
  2. Das Ostpreußenblatt vom 28. März 1987, S. 4 Online einsehbar
  3. 1 2 Anton Handelsberger, Chronik der Marktgemeinde Zwentendorf von der Römerzeit bis ins Atomzeitalter, Gemeinde Zwentendorf 1994, S. 250
  4. so Der Spiegel Ausgaben 44/1978 S. 135 und 20/1981 S. 75; Der Standard, Ausgabe vom 4. August 2006
  5. Dieter Pesendorfer, Paradigmenwechsel in der Umweltpolitik: Von den Anfängen der Umwelt- zu einer Nachhaltigkeitspolitik: Modellfall Österreich?, Springer Verlag 2008, S. 89
  6. Anton Pelinka, Rupert Breitling, Populismus in Österreich, Junius Verlag 1987, S. 152
  7. 1 2 Inge Schmitz-Feuerhake, Ein Bote schlechter Nachrichten, In: Strahlentelex Nr. 374-375 vom 1. August 2002, S. 4 Online einsehbar
  8. Walther Soyka gestorben, In: Strahlentelex Nr. 472–473 vom 7. September 2006, S. 5f Online einsehbar
  9. 1 2 Gerhard Hertel, Die DVU – Gefahr von rechtsaußen, Akademie für Politik und Zeitgeschehen München, Band 12, Hanns-Seidel-Stiftung 1998, S. 26 Online einsehbar
  10. Richard Stöss, Parteien-Handbuch: die Parteien der Bundesrepublik Deutschland, 1945–1980, Band 2, Westdeutscher Verlag 1984, S. 1558
  11. Hartmut Herb, Jan Peters, Mathias Thesen, Der neue Rechtsextremismus: Fakten und Trends, Winddruck Verlag 1980, S. 157
  12. Florian Mildenberger, Erotik, Polygamie, Muttertum. Die Wandlungen der Mathilde Ludendorff, In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 54, 2006, H.7/8, S. 642
  13. H. Michaelis, Kernenergie, 2 Bände, 1979, Reihe dtv wissenschaft, Seite 682
  14. Wolfgang Köhnlein, Horst Kuni, Inge Schmitz-Feuerhake, Niedrigdosisstrahlung und Gesundheit: Medizinische, rechtliche und technische Aspekte mit dem Schwerpunkt Radon, Springer Verlag 2013, S. 130
  15. DER SPIEGEL 20/1981 vom 11. Mai 1981, S. 75