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vom 29.01.2017, aktuelle Version,

Wasserspiele Hellbrunn

Das Theatrum der Wasserspiele Hellbrunn

Die Wasserspiele Hellbrunn befinden sich im Schlosspark von Hellbrunn am südlichen Stadtrand der Stadt Salzburg. Sie sind die weltweit besterhaltenen Wasserspiele der Zeit der späten Renaissance bzw. des Manierismus. Sie wurden um 1613 von Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems in Auftrag gegeben.

Die Grotten und Teichbauten der Renaissance im Allgemeinen und von Schloss Hellbrunn im Besonderen sind in ihrem Ursprung dem Palast von Kaiser Nero („Domus aurea“) nachempfunden, der teilweise schon in der frühen Renaissance bekannt war. Einige (teils unterirdische) Teile des Palastes („Grotten“) waren dort mit Gemmen und Muscheln geschmückt. Im Park des Palastes waren große geometrisch gestaltete Teichanlagen angelegt. Auch die Villa d’Este in Tivoli, errichtet für Kardinal Ippolito d’Este, war ein Vorbild für Hellbrunn. Höhepunkt der kunstvollen Wassergärten ist der (nur teilweise erhaltene) von Francesco de Medici erbaute Garten des Pratolino. Die technisch immer aufwändigeren Renaissancespiele mit und durch das Wasser sollten eine göttliche Kunst darstellen, eine Krönung der Nachahmung der Natur.

Ganz im Stil einer Villa urbana italienischer Prägung ließ der Bauherr Markus Sittikus in Anlehnung an diese italienischen Wasserspiele 1613 im Schlosspark von Hellbrunn neben anderen Bauten seine aufwändigen Wasserspiele errichten. Diese Wasserspiele sollten schon bald nach ihrer Errichtung weit über Salzburg hinaus Berühmtheit erlangen und wurden öfter mit den berühmtesten Anlagen Italiens verglichen.

Es ist heute nicht einfach, sich in die Sicht eines Besuchers früherer Jahrhunderte zu versetzen. So kann die früher von den Wasserautomaten ausgehende Magie oft nicht in gleichem Maß nachvollzogen werden. Trotzdem sind heute die Wasserspiele eine vielbestaunte Attraktion Salzburgs, die in ihrer Originalität viele Besucher Salzburgs verzaubert.

Vom Theatrum zum Sternweiher

Theatrum und Fürstentisch
Schloss Hellbrunn Wasserspiele
Die Orpheusgrotte
  • Theatrum (sog. Römisches Theater). Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde in Italien der Typ des „Teatro delle acque“ immer beliebter, der aus randlichen Schauwänden und künstlichen Teichanlagen bestand. So wurde auch in Hellbrunn eine derartige Anlage errichtet. Der bogenförmige Wandaufbau ist mit Kieselmosaik geschmückt und auch durch Figurennischen gegliedert. In der Mitte des Theatrums thront über dem Prunkwappen von Markus Sittikus die „Roma victrix“, die römische Siegesgöttin. Darunter steht mittig in einer Nische der römische Kaiser Marc Aurel, in den beiderseitigen Randnischen von gefangenen Germanenfürsten umgeben, neben denen sitzend offensichtlich deren trauernde Frauen dargestellt sind. Die Statuen von Marc Aurel und der Roma victrix werden dem bekannten Salzburger Bildhauer Hans Waldburger zugeschrieben.
  • Fürstentisch: Dieser Marmortisch wird mit den bekannten Wappentieren Löwe und Steinbock sowie einem Schnurrelief mit Früchten geschmückt. Die Sitzplätze und der Tisch selbst sind Teil von verspielten Wasserscherzen, bei denen nur der Gastgeber trocken blieb. Den flüchtenden Tischgästen wurde dabei durch eine aufsteigende Wasserwand aus Bodendüsen die Flucht erschwert.
  • Zwei rechteckige und dazwischen ein lang ovaler Teich liegen südlich des Theatrum. In den Teichen tummeln sich insgesamt vier Triton-Skulpturen, die alle aus je einer Tritonschnecke Wasser speien. Ein halb liegender Flussgott ruht im Norden der Teiche. Auf einer rechteckigen Insel in der Mitte der Anlage sitzt eine Wassergöttin, die in der erhobenen linken Hand eine schlanke Muschel hält. Im Süden steht auf einem hohen Sockel die Statue des Bacchus.
  • Der Weinkeller wurde 1659 von Guidobald von Thun errichtet. Das Kellergewölbe ist innen aus rohem Kalkstein gearbeitet. Es besitzt ein schmiedeeisernes Tor mit dem Prunkwappen des Erbauers Guidobald von Thun sowie zwei sitzende Hundeskulpturen seitlich neben dem Eingang.
  • Die Orpheusgrotte ist ein Pavillon mit verschiedenen Marmorskulpturen, der innen fast vollständig mit tropfsteinartigem Tuff verkleidet ist. Das Portal des Grottenhauses besteht aus Konglomeratstein. Orpheus spielt der in der Grotte schlafenden Eurydike auf der Geige vor und befreit sie mit den Klängen aus der Unterwelt. Die sie umgebenden wilden Tiere, darunter der Löwe als Sinnbild des Landes Salzburg und der Steinbock als Wappentier des Erzbischofs, lauschen zahm geworden dem Geigenklang. Die Grotte ist zum Erhalt der meditativen Stimmung frei von Wasserspielen. Nur das gleichmäßige Rauschen des Wassers der Brunnquelle in der Grotte ist zu hören. Eurydike trägt als Medaillon um den Hals das Porträt von Markus Sittikus. Das Gerücht, dass diese Figur dadurch auf die angebliche Geliebte des Erzbischofs, Freifrau Katharina von Mabon, anspielt, besitzt wenig Realitätsbezug. Diese Grotte mit ihren kunstvoll gearbeiteten Skulpturen ist in ihrer Gesamtheit ein recht eigenständiges Werk, in dem Vorbilder deutlich weiter entwickelt und verfeinert werden.
  • Neben der Orpheusgrotte befindet sich erhöht ein kleiner Platz mit zwei knienden Narrenstatuen, deren ursprüngliche Gestaltung (mit Narrenkind und Hund) nur teilweise erhalten ist.

Sternweiher und Altemsbrunnen

Die Exedra
  • Die Exedra: Diese randliche aus Konglomeratsteinen gefertigte Flügelmauer besitzt mittig ein flaches Grottenbauwerk mit einer Statue eines jugendlichen Helden bzw. eines Jünglings mit römischem Harnisch. Über der Grotte steht hinter einer Konglomeratbalustrade und ihren hier aufsitzenden Steinvasen bekrönend die Statue des Perseus. Am Rand der nach außen immer niedrigeren Flügelmauer stehen die personifizierten Statuen der vier Jahreszeiten.
  • Der Sternweiher ist ein flaches Wasserbecken mit sieben sternartig ausgreifenden Zacken, aus deren Spitzen das Wasser der „Sternweiherquelle“ in den Weiher sprudelt. Von dort fließt es über eine Stufenkaskade mit Steinmosaik erst in ein rechteckiges Becken und danach über eine höhere Mosaikstufe und vier weitere Stufen in ein großes quadratisches Becken, in dem zwei Tritone wasserspeiend miteinander ringen. Ein Wasserstrahl hebt hier eine Kugel hoch. Die obere Wasserkaskade wird von zwei Steinböcken, die das Wappen des Erzbischofs halten, bewacht, die untere Kaskade von zwei wasserspeienden Löwen. Ursprünglich befanden sich im unteren Weiher zwei sich langsam im Kreis drehende Figuren, ein Triton, der durch die blasende Muschel einen dumpfen Ton von sich gab, und eine Schildkröte.

Die Grotten im Untergeschoss des Schlosses

Die Ruinengrotte
Die Spiegelgrotte
Die Vogelsanggrotte
  • Die Neptun- oder Regengrotte ist die größte und höchste Grotte im Schlossbau. Sie zeigt innen an der Stirnseite Neptun auf zwei Seepferden, einen Dreizack tragend. Seitlich zeigen sich in der Grotte geflügelte Tritonputten-Reliefs und zwei Nereidenskulpturen. Eine Besonderheit in der Grotte ist das „Germaul“, eine skurrile, aus Kupfer getriebene Fratze mit übergroßen Ohren, die stets wiederkehrend die Augen verdreht und dabei die Zunge herausstreckt. Der Schmuck der Grotte ist reichhaltig. Neben verschiedenen Stuckarbeiten sind hier aufwändig gestaltete muschelbesetzte Ornamente zu sehen. Der Name „Regengrotte“ leitet sich von den in der Decke angebrachten Wasserdüsen ab, die regenartig Wasser versprühen können. Auch die Geweihe der Hirsche über dem Eingangsportal der Grotte können die aus der Grotte vor dem plötzlichen Regen flüchtenden Besucher bespritzen. An der Fassade beiderseits des Einganges zur Regengrotte sind manieristische Figuren angebracht, von denen nur die Füße und der Kopf zu sehen sind, während der sehr langgestreckte Körper nur mittels vorstehenden Konglomeratsteinen angedeutet wird. An die Regengrotte schließen symmetrisch angeordnet und niedriger gestaltet im Norden die Muschelgrotte und die Ruinengrotte sowie im Süden die Spiegelgrotte und die Vogelsanggrotte an.
  • Die Muschelgrotte führt in ihrer Stuckgestaltung das Motiv der Neptungrotte mit ihrem Muschel- und Steinchendekor weiter. Felder mit Rankenwerk, Steinbockköpfen und Obstdekor wechseln mit Tuffflächen. Die Deckenfresken haben durch Feuchtigkeit in ihrer langen Geschichte gelitten und sind heute nur teilweise erkennbar.
  • Die Ruinengrotte verzichtet wie die nahe Spiegelgrotte auf jede Art von Wasserkünsten. Hier wirken Stuckaturen, Wandornamente und Fresken. Die Grotte scheint dabei jeden Augenblick in sich zusammenzubrechen, Efeuranken aus Bronze, ursprünglich naturnah bemalt, dringen scheinbar in das Mauerwerk ein. Als Deckenfresko ist, illusionistisch hinter dem "bröckelnden" Ziegelgewölbe angedeutet, ein Ausblick auf den Himmel zu sehen. Die Darstellung von Ruinen war in der Renaissance ein Rückgriff auf bekannte römische Baureste, aber auch spielerische Mahnung an die Vergänglichkeit der Dinge.
  • In der Spiegelgrotte sind zahllose konvexe Spiegel in die vielfältigen Wandornamente eingefügt, die dadurch spielerisch die in der Zeit des Manierismus verbreiteten optischen Effekte darstellen. In den Deckenfresken sind verschiedene musizierende Figuren zu sehen.
  • Die Vogelsanggrotte ist ebenfalls mit tropfsteinartigem Tuffstein ausgekleidet. Hier sind verschiedene Vogelstimmen zu hören, die durch hydraulische Künste hervorgebracht werden. Die Spiegelgrotte ist ganz auf das Sehen ausgerichtet, im Gegensatz dazu ist die Vogelsanggrotte ein Raum des Hörens. Es wird deshalb im Gegensatz zu Vorbildern aus Italien (Villa d’Este Tivoli und Pratolino) auf eine bildliche Darstellung der Vögel verzichtet. Einst war in dieser Grotte ein mit Wasserkraft bewegter Drache zu sehen und heute drehen sich hier bemalte keramische Figuren (Drache, Delphin, Triton und Najade) im Wasser, um dann wieder in ihrer winzigen Höhle zu verschwinden.

Von der Neptungrotte zum Mechanischen Theater

Die Venusgrotte
Die Wildschweinnische
Der Dianabrunnen

Nach den Grotten im Schloss und der Venusgrotte folgen am Weg nach Süden fünf kleine Wasserautomaten, die jenseits des Baches verschiedene Szenen zeigen. Einst verspritzten unter den Automaten zwei Schildkröten und zwei Schnecken Wasser, Figuren, die heute verloren sind.

Die fünf kleinen Tuffsteingrotten stellen dar:

  • Ein Hafnermeister (Töpfer) in seiner Werkstatt
  • Perseus befreit Andromeda, indem er den Meeresdrachen besiegt,
  • Ein Müllermeister in der Mahlstube,
  • Apollo schindet Marsyas (ursprünglich befand sich hier neben einer Eule eine trompetenspielende Fama)
  • Ein Scherenschleifer bei der Arbeit

Die Venusgrotte zeigt in einer obeliskengeschmückten, mit Tuff ausgekleideten Grotte eine Venusskulptur in antikem Gewand. Sie stützt sich mit der Hand an einen Delphin, dem ein Wasserbogen aus dem Mund schießt, der wiederum einen darunter befindlichen Blumenstrauß ganz umschließt. Vor der Grotte steht in einem kleinen Becken ein kleiner Amor (siehe nebenstehendes Bild). Direkt neben dem Weg begegnen sich zwei Schildkröten mit ihren scharfen Wasserstrahlen.

Dianastatue: Unweit des Merkurbrunnens steht auf einer hohen Säule eine Statue der Jagdgöttin Diana, die gemeinsam mit dem fernen Schloss Goldenstein am anderen Ufer der Salzach die Achse des Schlossgartens Hellbrunn bildet. Die Statue nimmt damit Bezug auf den hinter dem kunstvollen Garten des Wasserparterre liegenden großen Jagdgarten. Auf dem Haupt der Göttin befindet sich eine Mondsichel. Der frühere Bogen in der linken Hand der Jagdgöttin ist nicht erhalten.

Die Wildschweinnische zeigt ein kunstvoll gestaltetes und offensichtlich glückliches Mutterschwein (Bache) samt ihren zwei Frischlingen.

Die niedrige "Steinbock"-Grotte ist nicht nur innen, sondern auch an der Vorderseite mit Tuff ausgekleidet. Sie beherbergt einen wasserspeienden Meerbock mit Vorderflossen und Delphinschwanz, der einen Steinbockkopf besitzt. Das Wasser fließt hier in Rinnen über einen marmornen Boden, die ein Kettenornament nachbilden.

Dianabrunnen: Die Statue hinter dem Brunnen stand ursprünglich in der Mitte des Fasangartens. Heute steht Diana in einer Mauernische vor einem kleinen Wasserbecken, das von Flügelmauern umrahmt wird. Als Begleiter besitzt sie einen Jagdhund.

Das Mechanische Theater

Das mechanische Theater
Gesamtansicht des Bühnenwerkes
Inschrift

Den Auftrag, ein mechanisches Theater zu errichten, erteilte Erzbischof Andreas Jakob am 26. Oktober 1748. An gleicher Stelle war vorher eine Schmiedegrotte gewesen, die Brunnenmeister Karl Wenzeisen errichtet hatte. Der „fürsterzbischöfliche Lustgarteninspektor“ Franz Anton Danreiter berichtete aber 1741, dass diese Grotte unbegehbar geworden wäre. An ihrer statt sollte Lorenz Rosenegger ab 1748 ein mechanisches Theater mit über 100 Spielfiguren und einem Horn[werk], das zehn Stücke hätte spielen können sollen, installieren. Die Errichtungskosten stiegen allerdings stark an, Rosenegger musste zuletzt unter militärischer Aufsicht weiterarbeiten[1] und konnte das Werk erst am 28. Oktober 1752 fertigstellen.[2] Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Werkes waren von den zehn vorgesehenen Tonspuren nur drei auf der Walze der Orgel gestiftet. Die Orgel hatte 140 Pfeifen (=35 Töne auf vier Registern), und konnte einerseits auf einem Manual bespielt werden, andererseits mit der Stiftwalze, deren drei Stücke Johann Ernst Eberlin gesetzt oder komponiert hatte. Sowohl Walze als auch die beiden Bälge wurden von einem Wasserrad angetrieben. Rochus Egedacher, den Rosenegger schon bei der Errichtung der Orgel beiziehen musste, überarbeitete 1770 das Werk, wobei er viele Pfeifen austauschte. Ludwig Mooser, der das Werk 1840 schon einmal hergerichtet hatte, entwarf 1850 einen Plan, die Walzen-Orgel umzubauen. Als er den Auftrag erhalten hatte, sanierte Mooser das Instrument nach seinen Vorstellungen und baute unter anderem eine neue Schleiflade mit 6 Registern ein (Copel 8', Principal 4', Flöte 4', Quinte 22/3', Octave 2', Trompete 8') außerdem veränderte er die Melodien auf der Walze. Am 8. August 1853 kollaudierten mehrere Männer seine Arbeit, unter ihnen Matthias Kracher (1795–1858),[3] Alois Taux, Dr. Hillebrandt, Franz Jelinek (1818–1880),[4] und Pater Peter Singer. Die Kollaudierungskommission bemerkte im Schlusssatz, „daß die geleistete Arbeit in technischer Beziehung […] solide und den zu stellenden künstlerischen Anforderungen entsprechend ausgeführt, befunden wurde“.[5]

Im Laufe der darauffolgenden Zeit war die Orgel verändert und auch ramponiert worden, daher entschied die Schlossverwaltung im Jahre 2010, das Instrument auf den Zustand von 1853 rekonstruieren und restaurieren zu lassen, die Arbeiten führte Orgelbaumeister Wolfgang Bodem aus Leopoldsdorf bei Wien bis 2012 durch.[6] Seither ist die Walzenorgel, die in den Sommermonaten täglich ca. 40-mal die Bewegungen des Mechanischen Theaters musikalisch untermalt, mit folgenden Melodien zu hören: „Alter Choral“,[7] gesetzt von Eberlin, „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus der Oper Don Giovanni von Mozart und das Handwerkerlied „Ohne Rast, angepackt“, aus der Oper Le maçon von Daniel-François-Esprit Auber.

Das mechanische Theater veranschaulicht das vielfältige Treiben einer Kleinstadt. 107 starre und 138 sich auf drehenden Scheiben fortbewegende Holzfiguren, die zudem Arme und Beine rühren, „verrichten“ Tätigkeiten; sie stellen so verschiedene Handwerksarbeiten dar, auf die auch die kunstvollen Zunftzeichen hinweisen. Im Weiteren musiziert vor Stadthäusern eine kleine Blaskapelle, Soldaten marschieren im Gleichschritt auf und ab und Zirkusleute tanzen mit einem abgerichteten Bären. Alle diese Bewegungen der sehr fein gearbeiteten Figuren werden durch ein kunstvolles Holzräderwerk ausgeführt, das vom Wasser des Baches angetrieben wird. Die kleinen Plastiken wurden von den Bildhauern Bartholomäus Pföll, Josef Georg Frieß, Johann Georg Roß und Josef Strasser geschaffen.

Die Mydasgrotte (Kronengrotte)

Wasserspiel in der Kronengrotte

Das größte pavillonartige Gebäude der Wasserspiele beherbergt die Mydas-Grotte. Außen ist der Bau durch vier Eckrisalite und pyramidengedeckte Ecktürmchen mit Statuennischen gestaltet, der Pavillon selbst ist mit einem Schindelwalmdach gedeckt. Vor dem Häuschen sind zahllose Röhrchen in den Boden eingelassen, die Wasser spalierartig in die Höhe spritzen können. Das Eingangstor, das in eine Tuffgrotte führt, ist ebenfalls mit Tuff gestaltet. Mittig besitzt der Raum einen mit Amphibien und Reptilien verzierten Marmorpodest, der als Basis eines Springbrunnens dient. Eine leichte Metallkrone kann dabei durch den Strahl des Springbrunnens höher oder weniger hoch emporgehoben werden. Hufeisenförmig gelangt der Besucher um den zentralen Kronenraum herum. Auch hier überwiegt Tuffstein als Gestaltungselement, in das rechteckige Wandfelder mit Würfelmuster und vielfarbigen Fayenceblättchen eingearbeitet sind. In der Mitte der nördlichen Wand stehen in einer Nische auf Konglomeratfelsen zwei überlebensgroße Statuen aus weißlichem Untersberger Marmor, einem Kalkstein aus Österreich. Apollo, mit einer kurzen Tunika bekleidet, ist hier im Begriff, dem an einen Baum gefesselten Marsyas die Haut abzuziehen.

Von der Mydasgrotte zur Brunnenstube

Der Eurydikebrunnen
Der Forstteufel
  • Die Statue der Minerva steht auf einem hohen Sockel und weist sich mit ihrem Helm, ihrem Speer und ihrer Ägis aus.
  • der Merkurbrunnen befindet sich gleich daneben. Die weiße Marmorstatue besitzt typische Kennzeichnen des Gottes, den geflügelten Helm und die Flügel an den Füßen. Vor dem Brunnen befindet sich wasserspeiend eine kleine Darstellung eines Aktäons (Hirschmenschen) von sechs Hunden umgeben.
  • Der Eurydikebrunnen wurde erst um 1700 errichtet. Zuvor befand sich hier ein viel zierlicherer Dianabrunnen. Der heutige Brunnen mit seinen breiten Flügelmauern beansprucht dabei deutlich mehr Raum als die übrigen Figurengruppen. Die Statue der Euridike selbst stand früher in der früheren Dianagrotte, die sich gegenüber dem heutigen mechanischen Theater befand.
  • Die Grotte des Forstteufels: Eine Legende besagt, dass 1531 im Wald des Haunsberges ein Forstteufel, also ein Waldmensch, gefangen wurde. Die Statue in den Wasserspielen lehnt sich dabei eng an die Vorlage dieses „Monstrums“ in Gesners „Thierbuch“ (1563) an und zeigt dabei einen vierbeinig auf Knien und Ellbogen laufenden bärtigen Waldmenschen, der einen bärtigen Menschenkopf mit Hahnenkamm besitzt, sowie löwenartige Vorderfüßen, Hinterfüße in der Art von Vogelfüßen und einen buschigen Schwanz.
  • Der Neptun-Brunnen: Die letzte Skulptur der Wasserspiele ist die Neptunbrunnen, der als Statue den Gott Neptun auf einem Delphin sitzend zeigt. Vorne am Felsstück ist eine groteske Marmormaske angebracht, aus deren Mund Wasser läuft.
  • Die Brunnenstube ist heute nicht mehr Teil der historischen Wasserspiel-Führungen. Die Brunnenstube, manchmal auch Oktogon genannt, ist ein achteckiges dachloses Bauwerk, das fast zur Gänze ein Brunnenbecken umfasst. Im Inneren finden sich drei Wandnischen. Das Portal der Brunnstube besteht aus Konglomeratstein und besitzt einen waagrechten Abschluss.

Literatur

  • Wolfgang Bodem / Franz Eisenhut / Florian Leitner: Die Walzenorgel des Mechanischen Theaters Hellbrunn. Orgeldokumentarische Beiträge (Restaurierbericht der Orgelbau Bodem GmbH 2012), Eigenverlag, Leopoldsdorf bei Wien 2013.
  • Friedrich Breitinger: Bericht 31: Der Schöpfer fürstlicher Phantasterei. Lorenz Roseneggers Mechanisches Theater in Hellbrunn. In: Demokratisches Volksblatt, 9. April 1949. Zitiert nach: Friedrich Breitinger / Kurt Weinkammer / Gerda Dohle: Handwerker, Brauer, Wirte und Händler. Salzburgs gewerbliche Wirtschaft zur Mozartzeit, hg. von der „Franz Triendl-Stiftung“ der Wirtschaftskammer Salzburg und der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, zugleich: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 27. Ergänzungsband, Salzburg 2009.
  • Friedrich Breitinger / Kurt Weinkamer / Gerda Dohle: Handwerker, Brauer, Wirte und Händler. Salzburgs gewerbliche Wirtschaft zur Mozartzeit, hg. von der „Franz Triendl-Stiftung“ der Wirtschaftskammer Salzburg und der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, zugleich: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 27. Ergänzungsband, Salzburg 2009.
  • Wilfried Schaber: Hellbrunn – Schloss, Park und Wasserspiele. Salzburg 2004, ISBN 3-200-00075-9.
  • Bernd Euler, Ronald Gobiet, Horst Huber: Dehio Salzburg – Stadt und Land. Schroll & Co, Wien 1986, ISBN 3-7031-0599-2.
  • Robert R. Bigler: Schloss Hellbrunn – Wunderkammer der Gartenarchitektur. Böhlau, Wien 1996, ISBN 3-205-98517-6.
  • Wolfgang Bauer, Sergius Golowin, Clemens Zerling: Heilige Quellen Heilende Brunnen. Neue Erde, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-89060-275-2, S.18–28.
  Commons: Wasserspiele Hellbrunn  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Wilfried Schaber: Hellbrunn. Schloss, Park und Wasserspiele, Salzburg 2004, S. 96.
  2. Friedrich Breitinger: Bericht 31: Der Schöpfer fürstlicher Phantasterei. Lorenz Roseneggers Mechanisches Theater in Hellbrunn, Salzburg 1949. Zitiert nach: Breitinger / Weinkamer / Dohle: Handwerker, Brauer, Wirte und Händler, Salzburg 2009, S. 278.
  3. seit 1832 Domorganist am Salzburger Dom und Orgellehrer am Mozarteum
  4. Lehrer am Mozarteum für Oboe und Gesang und Gründungsmitglied der Salzburger Liedertafel
  5. Collaudirungs Protocoll 1853. Zitiert nach: Wolfgang Bodem: Die Walzenorgel des Mechanischen Theaters Hellbrunn, Leopoldsdorf bei Wien 2013, S. 15f.
  6. Wolfgang Bodem: Die Walzenorgel des Mechanischen Theaters Hellbrunn, Leopoldsdorf bei Wien 2013.
  7. Der Alte Choral stammt vielleicht aus der Feder von Augustin Ebler; er war um 1502 für das Hornwerk Salzburger Stier auf der Festung komponiert worden. Siehe: Gerhard Walterskirchen: Das Hornwerk der Festung Hohensalzburg, abgerufen am 16. November 2014.