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vom 12.05.2017, aktuelle Version,

Werner Maleczek

Werner Maleczek (* 23. Juli 1944 in Goisern) ist ein österreichischer Historiker.

Der Sohn eines Gymnasialprofessors und einer Textilzeichnerin wuchs in Innsbruck auf und absolvierte dort die Schule. Er studierte von 1962 bis 1968 die Fächer Geschichte und romanische Philologie an den Universitäten Innsbruck, Wien, Paris. Besonders beeindruckt wurde er von den akademischen Lehrenden Michel Mollat, Bernard Guenée und Robert Delort. 1969 wurde er promoviert bei Karl Pivec sub auspiciis praesidentis rei publicae in Innsbruck über Die diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich in der Zeit von 1430 bis 1474. Von 1968 bis 1971 war er Stipendiat am Österreichischen Kulturinstitut in Rom. Dort widmete er sich der Erforschung des hochmittelalterlichen Papsttums und seiner Quellen, insbesondere über Papst Innocenz III. Von 1971 bis 1989 war er Universitätsassistent bei seinem Doktorvater Pivec an der Universität Innsbruck. Die Beschäftigung mit Innocenz III. verleitete Maleczek zu Forschungen über das Funktionieren der päpstlichen Herrschaft, die ohne qualifizierte Mitarbeiter an der Kurie nicht möglich wäre. In Innsbruck erfolgte 1978 auch seine Habilitation über die Kardinäle unter Coelestin III. und Innocenz III. und die Erteilung der Lehrbefugnis für die Geschichte des Mittelalters. 1989 wurde er als Nachfolger von Friedrich Hausmann Professor für die Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Graz. In Graz beschäftigte er sich mit Themen der steiermärkischen Landesgeschichte. Seit den 1990er Jahren intensivierte er die Erforschung der Ursprünge des Franziskanerordens und seiner Zweige sowie deren prägende Personen. Von 1995 bis zu seiner Emeritierung 2012 lehrte er als Nachfolger von Othmar Hageneder als Professor für mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften am Institut für Österreichische Geschichtsforschung der Universität Wien. In zweiter Ehe ist er mit der Historikerin Bettina Pferschy-Maleczek verheiratet. Er ist Vater von zwei Kindern.

Maleczek ist seit 1995 Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte. Für den Konstanzer Arbeitskreis organisierte und leitete er im Herbst 2002 und im Frühjahr 2003 zwei Tagungen zum Thema der politischen Integration im Mittelalter. Im Frühjahr 2014 organisierte er eine Tagung des Konstanzer Arbeitskreise zum Thema Die römische Kurie und das Geld. Von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum frühen 14. Jahrhundert. Bis dahin mangelte es an Untersuchungen zur Geschichte des Papsttums im Mittelalter, die auch die wirtschaftliche Seite und die Finanzierung der Zentrale der lateinischen Christenheit gebührend berücksichtigten. Seit 1996 ist er Mitglied der Monumenta Germaniae Historica, seit 1997 Mitglied der Società internazionale di studi francescani und seit 2007 Mitglied des Pontificio Comitato di Scienze Storiche. Seine Darstellung über Petrus Capuanus brachte ihm die Ehrenmitgliedschaft beim Centro di cultura e storia Amalfitana ein. Seine Forschungsschwerpunkte sind das Hoch- und Spätmittelalter, die Verfassungsgeschichte, die Kirchengeschichte und die Diplomatik.

Schriften

Monografien

  • Petrus Capuanus. Kardinal, Legat am 4. Kreuzzug, Theologe (= Publikationen des Historischen Institutes beim Österreichischen Kulturforum in Rom. Band 8). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1308-0.
  • Papst und Kardinalskolleg von 1191 bis 1216. Die Kardinäle unter Coelestin III. und Innocenz III. (= Publikationen des Historischen Institutes beim Österreichischen Kulturforum in Rom. Band 6). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1984, ISBN 3-7001-0660-2.

Herausgeberschaften

  • Urkunden und ihre Erforschung. Zum Gedenken an Heinrich Appelt (= Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 62). Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-78949-9.
  • Fragen der politischen Integration im mittelalterlichen Europa (= Vorträge und Forschungen. Band 63). Thorbecke, Ostfildern 2005, ISBN 3-7995-6863-8.

Literatur

  • Johannes Gießauf (Hrsg.): Päpste, Privilegien, Provinzen. Beiträge zur Kirchen-, Rechts- und Landesgeschichte. Festschrift für Werner Maleczek zum 65. Geburtstag. Böhlau, Wien u.a. 2010, ISBN 978-3-205-78577-4.
  • Eintrag Werner Maleczek. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation (= Veröffentlichungen des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte aus Anlass seines fünfzigjährigen Bestehens 1951–2001. Bd. 2). Thorbecke, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-6906-5, S. 257–260 (Digitalisat).
  • Maleczek, Werner. In: Fritz Fellner, Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Band 99). Böhlau, Wien 2006, ISBN 3-205-77476-0, S. 267 f.