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vom 31.12.2016, aktuelle Version,

Wiedersperger von Wiedersperg

Wappen der Freiherrn von Wiedersperg 1760

Die Freiherren Wiedersperger von Wiedersperg, eines Stammes mit denen von Geilsdorff und denen von Mühlen, gehören dem vogtländischen Uradel mit Wurzeln im 12. Jahrhundert an. Die Familie zog nach Böhmen, wo sie zuerst in den böhmischen, später in den österreichischen Freiherrenstand erhoben wurde.

Burgruine Wiedersberg

Geschichte

Das Stammhaus Burg Wiedersberg unweit Ölsnitz bei Hof wurde bereits 1117 erbaut. Das Geschlecht tritt urkundlich erstmals am 18. September 1309 mit dem Ritter (miles) Eberhardus de Widersberch auf.[1] Die ordentliche Stammreihe beginnt mit Lorenz, dem Sohn Burkhards Wiedersperger, der noch im 15. Jahrhundert die Burg innehatte, sich jedoch in Böhmen sesshaft machte und dort in erster Ehe mit Magdalena von Reitzenstein verheiratet war, in zweiter Katharina Kawka von Rczizan heiratete, mit der er zahlreiche Kinder zeugte und so für die weite Verzweigung der Adelsfamilie sorgte. Seine zwei Söhne aus der Verbindung mit Katharina, Moritz und Georg, gründeten zwei Hauptstämme, den Pteniner (im Mannesstamm erloschen) und den Muttersdorfer.

Zu Anfang des 15. Jahrhunderts besaßen die Herren von Pernartitz, sodann Nikolaus von Seeberg die Herrschaft Wasserau mit Muttersdorf. Durch die Ehe mit Margaretha Henninger von Eberg, einer Nachfahrin, erheiratete Georg Wiedersperger Wasserau mit den Bauernhöfen und dem Kirchenpatronat sowie Schloss und Herrschaft Muttersdorf im Klattauer Kreis des Königreichs Böhmen. Johann der Ältere, der 1561 dem Prager Landtag beigewohnt hatte, besaß in jener Zeit bereits das Gut Muttersdorf, das bis in die Zeit des k. k. Kämmerers Johann Franz Friedrich im Jahr 1857 im Familienbesitz blieb.[2][3][4]

Johann Wiedersperger der Jüngere, wurde im Jahr 1598 mit dem Prädikat "von Wiedersperg" in den böhmischen Ritterstand erhoben.[5]

1620 wurde Martin Wiedersperger von Wiedersperg Herr über Drachkau (Drahkov). Er wurde allerdings 1623 wegen seiner Beteiligung am Ständeaufstand mit dem Verfall der Herrschaft Drahkov und Verlust seines halben Vermögens bestraft.

Aus der von Johann Jacob († 1683) und seiner Gemahlin Maria Justina von Hochholdingen stammenden Linie, erwarb Georgs Urenkel, der k. k. Kämmerer und Pilsener Kreiskommissär Johann Friedrich (* 26. Juni 1733; † 1. Juli 1811), ein Sohn von Christoph Wenzel und der Dorothea Kunasch von Machowitz, m 5. Mai 1760 zu Wien den erbländisch-böhmischen Freiherrenstand, welcher 1872 und 1881 auch zwei Mitgliedern der jüngeren Linie zuteilwurde. Er war in erster Ehe seit 1754 vermählt mit Maria Caroline (* 26. August 1732; † 26. Mai 1799), Tochter des Feldmarschalleutnants Christoph Freiherrn Hinderer von Steinhausen (mit Rang vom 13. Juli 1752) und der Maria Anna Stieler von Roseneck, sodann, am 20. Januar 1807 in zweiter Ehe mit Kunigunde Freiin von Wrede. Aus seiner Ehe mit Maria Caroline entsprossen sechs Kinder, drei Töchter, Walpurgis (* 17. April 1765), Johanna (* 21. Mai 1766) und Theresia (* 1. April 1771) sowie die Söhne Vinzenz Peter (* 4. Februar 1759; + 15. Dezember 1815), Christoph Karl (* 11. Juni 1761) und Karl Joseph Kajetan (* 7. August 1762), von denen der älteste und der jüngste den Muttersdorfer Stamm fortpflanzten. Ein Sohn des Vinzenz, Johann (* 1799) war Domherr von Olmütz und Abt zu St. Heinrich in Ungarn.[6]

Laut Erlass vom 23. Mai 1921 bewilligte die politischen Landesverwaltung in Prag, den Namen „Wiedersperg“ anstatt „Wiedersperger“ zu führen.[7]

Die Ehefrau Ludwig von Leonrods, Monika, geborene Freiin von Twickel, heiratete 1948 Johann Freiherrn von Wiedersperg. Seit 1950 sind die Nachkommen aus dieser Verbindung berechtigt, den Namen „Freiherr von Wiedersperg-Leonrod“ in Erinnerung an Ludwig von Leonrod zu tragen. Die Familie lebt heute in Schmiechen.[8]

Persönlichkeiten

  • Vinzenz Freiherr Wiedersperger von Wiedersperg (* 4. Februar 1759; † 15. Dezember 1815), Sohn des Johann Friedrich, war k.k. Kämmerer und Appellationsrat in Prag, vermählt mit Josepha Freiin von Eben zu Brunn.
  • Johann Kasimir Wiedersperger von Wiedersperg (* 1740) war 1798 Oberstleutnant und Kommandant des Kroatisch-Slawonischen Grenz-Husaren-Regiments.
  • Eduard Heinrich Wiedersperger von Wiedersperg (* 5. Mai 1835 in Prag; † 30. September 1882 in Payerbach), Großgrundbesitzer, k.k. Rittmeister a. D., gleichfalls von der Muttersdorfer Linie, – wurde, in Anerkennung seines vielfach verdienstvollen Wirkens, mit Allerhöchster Entschließung Kaisers Franz Joseph I. mit Ernennung zu Bad Ischl am 24. Juli 1872 und Diplom zu Wien am 7. November des Jahres unter dem Namen „Wiedersperger Freiherr von Wiedersperg“ in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. Er war seit 1862 vermählt mit Gisela Gräfin Kálnoky von Kőröspatak (5. September 1840 in Lettowitz; † 23. November 1925 in Graz).[9]
  • Gustav Wiedersperger Ritter von Wiedersperg (* 10. März 1839 in Wodicz, Böhmen; † 8. Mai 1898 in Wien) war promovierter Arzt („Doctorwürde“ am 22. Dezember 1862),[10] Gutsbesitzer und Bezirksobmann, sowie ab 1885 (in den Legislaturperioden VII.,[11] VIII.[12] und IX.[13]) bis zu seinem Tod Abgeordneter des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrats.
  • Ferdinand Wiedersperger von Wiedersperg (* 11. Mai 1860 in Prag; † 21. Februar 1941 in Teplice-Šanov) war k.u.k. Oberst und Kommandant des Gebirgsartillerieregiments Nr. 11 (1914)
Wappen der Wiedersperger von Wiedersperg 1598

Wappen

  • 15. Jh.: Das Stammwappen zeigt bei Siebmacher in Rot einen springenden Wolf mit einem silbernen Lamm im Rachen. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Wolf mit dem Lamm wachsend.
  • 1598:Schild gespalten. Rechts in Gold ein rechtsgekehrter, aufgerichteter, roter Wolf mit einem silbernen Lamm im Rachen. Links in Blau ein roter Querbalken. Auf dem geschlossenen, gekrönten Helm der rote Wolf des Schildes. Die Decken sind rot-golden und blau-goldenen.
  • 1760: Schild gespalten. Rechts in Gold ein rechtsgekehrter, aufgerichteter, natürlicher Wolf, mit aufgerichtetem Schweif, ein natürliches Lamm (nach anderen: einen weißen Widder) mit rechts und vorwärts gewandtem Kopfe im Rachen haltend. Links in Blau ein roter Querbalken. Auf dem Schild ruht die Freiherrnkrone. Darüber schwebt ein offener gekrönter Helm mit rechts rot-goldenen, links blau-goldenen Decken. Kleinod: Der Wolf mit dem Lamme des Schildes aus der Krone wachsend. Schildhalter sind zwei auf einer unter dem Schilde sich verbreitenden bronzenen Arabeskenverzierung stehende, auswärtssehende natürliche Wölfe mit zwischen den Hinterbeinen durchgezogenen Schwänzen.[5]

Weitere Wappendarstellungen

Literatur

  Commons: Wiedersperger von Wiedersperg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Sächsisches Haupt-Staatsarchiv in Dresden, Urkunde 1879
  2. http://www.bischofteinitz.de/orte/muttersdorf.htm
  3. Josef František Jaroslav Schaller: „Topographie des Königreichs Böhmen“, Band 12, Klattauer Kreis, von Schönfeldsche Handlung, Prag und Wien 1789, S. 82
  4. Johann Gottfried Sommer: "Das Königreich Böhmen: statistisch-topographisch dargestellt", Band 7, Calve'sche Buchhandlung, Prag 1839, S. 148 ff.
  5. 1 2 Dr. Heinrich Kadich, & Pfarrer Conrad Blaźek: "Der mährische Adel", in Siebmacher's großes Wappenbuch, Bd. IV, 10. Abteilung, Bauer & Raspe, Nürnberg 1899. S. 69
  6. Genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1853, 3. Jahrgang, Verlag Julius Perthes, Gotha 1853, S. 537 ff.
  7. Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, Teil A, 92. Jg., Gotha 1942, S. 618 f
  8. http://www.schlossarchiv.de/herren/w/WI/Wiedersperger.htm
  9. Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 26. Jg., Verlag Julius Perthes, Gotha 1876, S. 893–895
  10. Wiedersperger Ritter von Wiedersperg, Gustav in: Constant von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaisertums Oesterreich. Sechsundfünfzigster Teil: Wiedemann - Windisch. k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1888, S. 8. (Digitalisat in: austrian literature online – alo). Zu W. Herkunft: „Welchem Zweige oder welcher Linie er angehört, läßt sich aus den uns zu Gebote stehenden Hilfsmitteln unmöglich herausfinden, denn das landgräfliche Gut Wodic, dessen Eigenthümer er ist, scheint erst in neuerer Zeit in den Besitz dieser Familie gelangt zu sein.“
  11. Wiedersperg Gustav, Ritter v., Dr. In: Stenographische Protokolle des Abgeordnetenhauses des Reichsrates. k.k. Hof- und Staatsdruckerei (Hrsg.), Wien 1861–1918, VII. Legislaturperiode, X. Session, September 1885-Jänner 1891: Namensverzeichnis der Mitglieder des Abgeordnetenhauses – Böhmen, S. 519 (Digitalisat in: ALEX).
  12. Wiedersperg Gustav, Ritter v., Dr. In: Stenographische Protokolle des Abgeordnetenhauses des Reichsrates. k.k. Hof- und Staatsdruckerei (Hrsg.), Wien 1861–1918, VII. Legislaturperiode, XI. Session, April 1891-Jänner 1897: Namensverzeichnis der Mitglieder des Abgeordnetenhauses – Böhmen, S. 998 (Digitalisat in: ALEX).
  13. Wiedersperg Gustav, Ritter v., Med. Dr. In: Stenographische Protokolle des Abgeordnetenhauses des Reichsrates. k.k. Hof- und Staatsdruckerei (Hrsg.), Wien 1861–1918, IX. Legislaturperiode, XIV. Session, März–Juli 1898: Veränderungen im Stande der Abgeordneten, S. 563 (Digitalisat in: ALEX).