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Tuppy, Hans#


* 22. 7. 1924, Wien


Chemiker
Bundesminister für Wissenschaft und Forschung a.D. (ÖVP)

Hans Tuppy. Foto, 1994, © Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
Hans Tuppy. Foto, 1994
© Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU

Hans Tuppy wurde am 22. Juli 1924 in Wien geboren und wuchs hier in einer gutbürgerlichen Juristenfamilie auf.
(Sein Vater, Dr. Karl Tuppy, führte 1934 als Staatsanwalt die Anklage gegen die nationalsozialistischen Dollfuß-Mörder und wurde 1939 im KZ ermordet.)

Im 2. Weltkrieg wurde er zum Arbeitsdienst eingezogen, war aufgrund einer Verletzung bald nicht mehr kriegsdienstfähig. Er begann ein Studium der Chemie (u.a. bei Ernst Späth und Friedrich Wessely) an der Universität Wien, das er 1948 mit dem Doktorat abschloss.

In seiner Studienzeit war er Mitbegründer der Katholischen Hochschulgemeinde und der "Freien österreichischen Studentenschaft", die später in die "Union Österreichischer Akademiker" überging.

Im Herbst 1949 ermöglichte die Vermittlung des späteren Nobelpreisträgers Max Perutz sowie ein Stipendium des British Council einen einjährigen Forschungsaufenthalt am Biochemischen Institut bei Fred Sanger in Cambridge. Dabei gelang es, die Aminosäuresequenz in der B-Kette des Insulins vollständig aufzuklären, eine Leistung, für die Sanger 1958 den Nobelpreis erhielt.

Nach Cambridge ging Hans Tuppy nach Kopenhagen (Dänemark) ans Carlsberg-Laboratorium und kehrte 1951 nach Wien zurück. Er wurde Assistent am II. Chemischen Institut der Universität Wien, habilitierte sich 1956, wurde 1958 außerordentlicher Professor und 1963 Ordinarius am am neu geschaffenen Institut für Biochemie an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Daneben hatte er Gastprofessuren an der Yale University und an der Medizinischen Fakultät in Montevideo inne.

Da Hans Tuppy nicht die Forschungsleitung des Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim in Biberach in Deutschland übernehmen wollte, richtete das Unternehmen 1961 das Institut für Arzneimittelforschung in Wien ein, das Hans Tuppy auch kurze Zeit neben seiner universitären Tätigkeit leitete und dessen inhaltliche Ausrichtung - etwa auf Interferone – er bestimmte.

Hans Tuppy - er wurde als "Tappy", also unter der englischen Aussprache seines Namens, in der internationalen Scientific Community bekannt - spezialisierte sich wissenschaftlich nie auf ein Thema, sondern bearbeitete meist mehrere Themen gleichzeitig, z.B. Nukleinsäuren, Kohlehydrate, Viren. Nach der Arbeit mit Sanger am Insulin entschlüsselte er in Wien die Struktur des als "Kuschelhormon" bezeichneten Oxytocin; es gelang ihm die enzymatische Umwandlung von Blutgruppensubstanzen (ein Resultat gemeinsamer Arbeit mit Helmut Schenkel-Brunner), die Entdeckung einer Gruppe von Neuraminsäurederivaten mit antiviraler Wirkung (Wirksamkeit ein Erfolg der Zusammenarbeit mit Peter Meindl).

In seinen Forschungsarbeiten beschäftigte sich Hans Tuppy vor allem mit der Zusammensetzung und Funktion von Eiweißen und Peptiden, den Organellen der Zellatmung, und Molekülen (Antigenen) an Zelloberflächen, welche die Blutgruppenzugehörigkeit und die Infektion durch Viren bestimmen.

In den 1960er Jahren engagierte sich Hans Tuppy wieder vermehrt in hochschulpolitischen Fragen. In der vom damaligen ÖVP-Bundesparteiobmann Josef Klaus initiierten Vordenkerorganisation "Aktion 20" leitete er den Bereich Bildung und Wissenschaft und galt schon damals als Ministerkandidat.

Von 1970 bis1972 war er Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien; 1974 wurde er zum Präsidenten des 1967 gegründeten Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gewählt, eine Funktion, die er bis 1982 innehatte. Von 1983 bis 1985 war Hany Tuppy Rektor der Universität Wien und stand gleichzeitig der Rektorenkonferenz vor. 1985 folgte die Wahl zum Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, eine Funktion, die er 1987 frühzeitig aufgab, um dem Ruf der ÖVP für den Posten des Wissenschaftsministers zu folgen.

In seine Amtszeit als Minister fiel die Eröffnung des Instituts für molekulare Pathologie (IMP) durch Boehringer Ingelheim - der Höhepunkt einer Entwicklung, an deren Anfängen Tuppys international ausgezeichneter Ruf als Wissenschaftler stand.

Im Zuge einer ÖVP-Regierungsumbildung wurde Erhard Busek Wissenschaftsminister und Hans Tuppy zog sich wieder in den universitären Alltag zurück, bis er im Alter von 70 Jahren emeritierte. Doch auch danach bot er weiterhin Vorlesungen und Prüfungen in Chemie und Biochemie an.

Von 2003 bis 2008 war er Vorsitzender des Universitätsrates der Universität für Bodenkultur Wien.

Em. O.Univ.Prof. Dr. Hans Tuppy, Vater von drei Töchtern, spielte seit den 1950er Jahren eine zentrale Rolle in der Wissenschaft und Wissenschaftspolitik Österreichs. Auch im hohen Alter ist er noch überaus aktiv, praktisch jeden Tag an seinem Institut und häufig Gast bei Diskussionen und Veranstaltungen.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • etliche Ehrendoktorate
  • korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1961
  • wirklichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1967
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1975
  • Wilhelm-Exner-Medaille, 1978
  • Wittgensteinpreis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft, 2002
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen mit Stern der Republik Österreich, 2014
  • Kardinal-Innitzer-Preis, 2014

Werke (Auswahl)#

  • Herstellung linearer Phosphor-32-Quellen hoher spezifischer Aktivität, 1953
  • Beiträge zur Konstitutionsermittlung biologisch aktiver Polypeptide und Proteine, 1956 (mit H. Neurath)
  • Proteins, 1960
  • Die Universität als autonomes Lehr- und Forschungsunternehmen, 1968

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl