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Mirko Jelusich: CAESAR#

Mirko Jelusich: CAESAR / Roman, Speidelsche Verlagsbuchhandlung, 1929 / Rezension von Guenther Johann

Mirko Jelusich: CAESAR
Mirko Jelusich: CAESAR

JELUSICH, Mirko: „Caesar“, Wien 1929 Jelusich war ein engagierter österreichischer Nationalsozialist und damals anerkannter Schriftsteller. Die sowjetische Besatzung stellte ihn mehrmals unter Anklage. Es kam aber zu keiner Verurteilung. Seine Bücher hatten eine hohe Auflage und Beliebtheit bei den Lesern. So ist es interessant im Nachhinein in diese Welt eintauchen zu können. Bei historischen Themen, wie dem über den römischen Imperator, hat so eine politische Ausrichtung aber keine Auswirkung. Aus dieser Zeit bleibt aber der romantisierende, ausgeschmückte und langatmige Romanstil. Umgekehrt ist es aber doch ein Thema, das dem nationalsozialistischen System genehm war: ein Diktator, der Krieg führt … Das Leben Cäsars wird in 72 Kapitel beschrieben. Es sind Momentaufnahmen. Mit diesen Blitzlichtern muss der Leser, wie bei einem Puzzle, alles zusammensetzen. Diese einzelnen Geschichten sind aber sehr detailliert und verständlich beschrieben. Es beginnt mit dem Buben Caius, den seine Mutter sucht. Er rauft unerlaubt mit den Straßenbuben. Der Vater hatte Angst, dass er ein Stubenhocker wird. Schon im nächsten Kapitel tritt dem Leser der Jüngling Caius entgegen. Dieser erlebt den Regenten Sulla und beginnt sich politisch zu engagieren. In einem reichen Kaufmann findet er einen Förderer. In der Politik engagiert er sich als Vermittler zwischen verfeindeten Parteien und bringt sich zunehmend selbst ins Gespräch. Er steht auf der konservativen Seite, obwohl er ein Revolutionär war und ist. „Die Konservativen berufen sich auf ihre Tradition. Tradition ist der Rechtstitel, unter dem sie sich ihre Würden anmaßen, Tradition der Vorwand, unter dem sie sich knechten, Tradition ihr zweites Wort. Jawohl, auch ich bin ein Anhänger der Tradition: ich achte sie, ich ehre sie, ich liebe sie. Aber, das ist ja eben das Unglück, dass die Konservativen keine Tradition haben.“ (Seite 100/101) Er versucht die egozentrische Parteienwirtschaft aufzubrechen und stellt sich gegen etablierte und herrschende Politiker. Die Beschreibung des Lebens wird vom Autor in drei Abschnitte geteilt: • Caius Julius • Caesar • Imperator Im ersten ist die Jugend und das Werden des Mannes Cäsar in Schlaglichtern beschrieben. Cäsar wird durch geschickte, diplomatische Vorbereitung Konsul. Viele Menschen setzen viel Hoffnung ihn in. Er soll die Republik mit ihren sinkenden Werten wieder verbessern. Mehrmals beleuchtet der Autor auch den privaten Bereich. So etwa seine Heirat mit einer um vieles jüngeren Frau, die seine Tochter sein könnte. Sie aber hat Angst vor ihm und verweigert ihm die Hochzeitsnacht. Seine Frau stirbt und später heiratet er wieder eine junge Frau. Mit einer Freundin hat er aber einen Sohn, der ihn am Ende ermorden wird. Nach Ablauf seiner Jahre als Konsul zieht er für das römische Reich in den Krieg, aus dem viele Kriege werden. Hochs und Tiefs durchwandert er. Siege und Niederlagen. Freunde und Feinde begleiten sein Leben. Kriege in Gallien und gegen die Germanen halten ihn mehrere Jahre von der Heimat fern. Im weit entfernten Rom sitzen viele Neider, die ihm Schwierigkeiten machen wollen. Er pariert sie genauso, wie er im Kriegsführen seinen Gegnern Parole bietet. Er kämpft gegen Germanen, fällt zwei Mal in England ein und schlägt sich in Spanien und Ägypten. In Ägypten verliebt er sich in Kleopatra und verbringt zwei Jahre mit ihr. Zwei Jahre, die vielleicht seine schönsten waren und an die er sich oft erinnert. Mit einem Krieg und der Besetzung Alexandrias beendet er seinen Ägyptenaufenthalt. Sein Herz aber bleibt bei Kleopatra. Manche seiner Kriege sind brutal. So lautet etwa ein Befehl: „Alles Leben wird vernichtet, kein Weib, kein Kind geschont – nicht einmal das Vieh auf der Weide. Sengt, brennt, mordet nach Herzenslust! Mit Eisen und Feuer will ich diesen Schandfleck aus dem Angesicht der Erde tilgen!“ (Seite 300) Am Höhepunkt seiner Macht ist er sich derer auch bewusst: „Ich bin der Herr der Welt! Ich! Ich! Wenn es mir beliebt, halte ich den Erdball und hebe ihn zu den Sternen empor; wenn es mir beliebt, lasse ich ihn aus meiner Hand fallen, unbesorgt darum, ob er zerschellt oder nicht! Das hat mich allein zu kümmern und niemanden sonst! Denn von heute an gibt es nur noch einen Willen: Caesars Willen!“ (Seite 400) Am Ende wird der alternde Imperator vorgestellt. Wie er müde und zweifelnd ist. Wie er sieht, dass er zwar Dinge verändert hat, aber diese nicht wirklich angenommen wurden. Letztlich findet er, dass er dem Volk „Freiheit“ gegeben hat. Einen Besucher fragt er, was dieser unter Freiheit versteht. Der antwortet „Tun und lassen können, was man will.“ (Seite 454) Cäsar aber verbessert ihn „Tun und lassen können, was man darf.“ (Seite 455) Cäsar ist im Alter einsam und allein. In schlaflosen Nächten fragt er sich „Was will ich eigentlich?“ So detailgenau manche Szenen des Lebens beschrieben werden, so wenig wird über den Tod und die Ermordung Cäsars durch Brutus erzählt. Dass sein Leben dem Ende zu geht wird anhand eines Alptraums erzählt. Noch einmal zieht sein Leben an ihm vorbei. Er sieht, dass es dem Ende zu geht. Auch seine Frau tritt noch auf und will ihren Gatten vor dem Gang zum Senat warnen. Sie hatte einen Traum, in dem sie ihren Mann am Markt blutend sah und wie sich die Leute ihre Hände in diesem Blut wuschen.