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Peter Rosei: Das Märchen vom Glück#

Peter Rosei: Das Märchen vom Glück / Roman, Residenz Verlag, 2021 / Rezension von Guenther Johann

Peter Rosei: Das Märchen vom Glück
Peter Rosei: Das Märchen vom Glück

ROSEI, Peter: „Das Märchen vom Glück“, Salzburg Wien 2021 Eine Geschichte, die angenehm und leicht zu lesen ist. Ein flüssiger Stil. Aber auch das Thema hat einen Tiefgang. Das Glück liegt woanders. Es liegt im Westen. Die beiden Menschen, die dem Märchen zum Glück nacheilen kommen aus Szombathely und Brünn. Beides sind Städte, die nicht weit von der österreichischen Grenze weg sind. Andras kommt aus Szombathely und Eva aus Brünn. Andras arbeitet in einem Supermarkt. Er sortiert und schlichtet Waren. Er macht einen guten Job und der Filialleiter schickt ihn zu einer Weiterbildung. Im Prater lernt er zwei Mädchen kennen. Mit einer – Lena – zieht er später zusammen. Es wird seine Liebe. Sie bekommt ein Kind, gesteht ihm aber, dass es nicht von ihm ist. Das Baby noch im Bauch, erkrankt sie an Krebs und stirbt. Aus Brünn kommt Eva. Sie ist Kellnerin im Zentrum der Stadt. Vor ihrem Arbeitsantritt betet sie in einer nahegelegenen Kirche um einen liebenden Mann. Viele hat sie. Bei einem, der sie nach Venedig einlädt, stellt sich heraus, dass er verheiratet ist. Ein anderer ist gewalttätig und droht sie umzubringen. Sie sucht einen Liebhaber und betet zu Gott, dass sie ihn findet. „Das Beste ist immer nur so lange das Beste, bis sich was Besseres findet.“ (Seite 117) Rosei stellt in diesem Buch mehrere skurrile Personen vor. Sie reihen sich wie eine Perlenschnur aneinander. Der Dichter hat sie genial beschrieben. Wie in einem Zirkus treten die einzelnen Personen auf. Den Reigen begann wie gesagt Andras, der aber bald aus dem Kreis der handelnden Personen abtritt. Eva wird ab diesem Zeitpunkt zur Leitfigur des Romans. Bei ihr und vor ihr treten weitere Verehrer und Liebhaber auf, die sich abwechseln. So kommt sie auch nach Wien, wo sie wieder ihrem Beruf als Kellnerin nachgeht. Einer ihrer Kontakte ist Andras. Er ist ein anderer Typ, als sie es sich erwartet, aber sie kommen zusammen. Letztlich muss sie sein Begräbnis organisieren. Ein weiteres Verhältnis ist ein Adeliger, der ihr ein Geschäft in der Wiener Innenstadt in bester Lage vermittelt und dann ein Galerist, der selbst gerne Künstler wäre. „Natürlich – wie jedes Kind war ich ein geborenes Genie. Das ist mir dann nach und nach abhanden gekommen.“ (Seite 111) Es ist eine Beziehung mit viel Abstand und unregelmäßigen Treffen. Langsam wird es aber mehr. Die handelnden Personen werden älter. Sie stellt ihm ihre Eltern vor. Bei der Rückfahrt im Zug trifft er seine Entscheidung. Offen bleibt es aber, ob es eine feste Beziehung oder eine Trennung wird. Der Leser muss es selbst entscheiden. Der Liebhaber definiert es in den letzten Zeilen des Buches so: „Er sah sozusagen Eva als Ganzes, als Mensch, wie man sagt – und da fühlte er etwas, das er – wie er es auch drehen und wenden wollte – das er, obwohl er jetzt doch wusste, was es war, unbenannt ließ, weil ihm beikam, und mit einem Mal ganz gewiss, dass es so sicherer, ja ganz sicher bewahrt war.“ (Seite 169) Hat Eva das Glück in Wien gefunden? Andras nicht.