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Stefan SLUPETZKY: Der letzte grosse Trost#

Stefan SLUPETZKY: Der letzte grosse Trost / Roman, rowohlt, 2016 / Rezension von Guenther Johann

Stefan SLUPETZKY: Der letzte grosse Trost
Stefan SLUPETZKY: Der letzte grosse Trost

SLUPETZKY, Stefan: „Der letzte grosse Trost“, Hamburg 2016 Der Großvater war im Dritten Reich groß geworden. Mit seiner Fabrik hatte er Gas für die Konzentrationslager produziert. Nach dem Krieg wurde er zwar verurteilt, aber bald wieder freigelassen. Mit dieser Erbsünde haderten der Vater und der Sohn. Der Großvater ist verschwunden. Bei einer Bergwanderung hat er sich allein von der Hütte, wo er mit Freunden nächtigte, aus aufgemacht und wurde nie mehr gefunden. Der Vater starb an einem Herzinfarkt. Der Sohn kann das nicht glauben und denkt, der Vater lebt noch. Er habe den Tod nur vorgetäuscht. Die Geschichte ist aus Sicht von Daniel, einem der beiden Söhne des Vaters, erzählt. In seiner Jugend hatte er viele Frauen. Der Tod des Vaters hat ihn aber verändert. Als dann noch seine Mutter in eine Nervenheilanstalt kam brach sein Vertrauen in die Welt weiter zusammen. Sein Bruder war der stärkere. Er hatte sich nach Amerika abgesetzt. Das Leben verändert dann eine Krankenschwester, die seine Mutter betreute. Zuerst nahm sie ihn nur in ihrem Auto am Heimweg mit, bis sie schließlich zusammenzogen. Sie brachte ihn wieder auf den Boden der Realität zurück. Dabei war sie als Frau nicht sein Typ. „Obwohl er früher einen androgynen Frauentyp bevorzugt hatte, fand er ihre Rundungen, die mit Erfolg der Altersschwerkraft trotzten, wunderschön. Als wäre sein Geschmack mit ihrem Körper mitgewachsen.“ (Seite 227) Auch ihre Vergangenheiten waren unterschiedlich. Als sie von ihm schwanger wird ziehen sie zusammen. Sie entscheidet, dass sie in die Wohnung der Mutter ziehen und sie übernahm die Pflege der Mutter. Es sei die Pflicht der Kinder die Eltern bei Bedarf zu pflegen. Erst nach der Geburt von Zwillingen willigt auch sie ein, die Mutter in ein Heim zu geben. Das Leben verändert ein Brief, der aus Israel kam. Seine Tante, die Schwester seines Vaters, hatte sich als Jüdin mit ihrem Mann abgesetzt. Sie hatte die Vergangenheit der Familie abzuschütteln versucht. Einzig das Elternhaus verband sie. Der Bruder bewohnte es mit seiner Familie und zahlte für die zweite Hälfte, die der Schwester gehörte, Miete. Aber auch das wollte sie nicht mehr und die Familie musste aus der schönen Villa. Sie übersiedelten in eine Stadtwohnung. Im genannten Brief wird von der Tante mitgeteilt, dass ihr Mann gestorben sei und das Haus, das inzwischen schon viele Jahre leer stand, verkauft würde. Im Keller seien noch Dinge seiner Familie, die er sich holen möge. Nach einem Besuch bei der Mutter im Heim bleibt er eine Nacht im alten Haus. Mit drei Weinflaschen betrinkt er sich und liest in einem aufgefundenen Tagebuch des Vaters. Nochmals zieht die Vergangenheit mit dem Vater vorbei. Mit seinen Buben fuhr er, als diese großjährig wurden, einige Tage weg. Mit dem Bruder ging es nach London und mit ihm nach Venedig. Erstmals kam er dem Vater näher. Wenige Tage, nachdem sie nach Hause kamen starb der Vater an einem Herzinfarkt. Eine Welt brach für Daniel, so hieß der Sohn, zusammen. Aus dem Tagebuch erfährt er, dass sich das Leben des Vaters nach einer Geschäftsreise nach Venedig veränderte. Er hatte wegen einer Fischvergiftung den Zug nach Wien versäumt. Einen Zug, der am Heimweg einen Unfall hatte, der viele Tote und Verletzte nach sich zog. Das Schicksal – beziehungsweise der faule Fisch – hatten ihn bewahrt. Daniel kann aber nicht glauben, dass der Vater gestorben ist. Er schmiedet Pläne ihn zu suchen. Er bereitet alles genau vor. Seine Kinder sollen selbstständig sein. Als sein Vater starb war er 22. Jahre alt. So alt sollen auch seine Kinder sein, wenn er verschwindet. Alles ist gut vorbereitet. Ein falscher Pass, eine berufliche (er ist Fotograf) Dienstreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Mit seiner Frau reist er einige Tage vorher in Venedig, wo das Schiff ablegt. Ein geheimes Abschiednehmen. Alles hat er vorbereitet. Die Frau wird mit dem Zug nach Wien zurückfahren, um am nächsten Tag ihren Dienst im Krankenhaus anzutreten. Er wird mit dem Kreuzfahrtschiff unterwegs sein und dann verschwinden. So, als wäre er ins Meer gefallen und vermisst. Es kommt aber anders. Marion – so der Name der Frau – findet in seinem Reisegepäck das Tagebuch des Vaters, in dem er alles notiert hatte. Schon in der Kabine am Schiff registriert er, dass das Tagebuch fehlt. Rasend verlässt er das Schiff und findet seine Frau, die ihm einen Faustschlag versetzt. Es kommt zur Aussprache. Er bricht zusammen und weint. „Das Weinen ist ein Akt der Reinigung, ein Akt der Anteilnahme an sich selbst.“ (Seite 250)