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Peter TURRINI: Die Minderleister#

Peter TURRINI: Die Minderleister / Drama, Suhrkamp, 2011 / Rezension von Guenther Johann

Peter TURRINI: Die Minderleister
Peter TURRINI: Die Minderleister

TURRINI, Peter: „Die Minderleister“, Berlin 2011 Turrini schrieb das Drama „Die Minderleister“ im Jahr 1987. Das war der Höhepunkt einer Krise in der Stahlindustrie. Stahlwerke im Ruhrgebiet wurden geschlossen und die österreichische VOEST führte Massenentlassungen durch. Turrini lässt sein Stück in und um ein Stahlwerk spielen. Ein sogenannter „Ordner“ geht durchs Werk und schreibt Arbeiter, die Minderleister sind, auf eine Liste. Dazu gehören jene, die zu lange am Klo sitzen, oft fehlen oder langsam arbeiten. Diese Listen sind die Basis für Kündigungen. Die Zeit ist hart und die Arbeiter trinken viel Alkohol. Die Hauptperson Hans ist ein vorbildlicher Arbeiter. Er baut mit seiner Frau Anna ein Einfamilienhaus. Sie will ein Kind und kauft eine Kinderzimmereinrichtung. Dann kam die Katastrophe: sie, eine Arbeiterin in einer Waschmaschinenfabrik, die geschlossen wird, wird gekündigt. Die Produktionsstätte wird nach Spanien verlagert, wo Arbeitskräfte dort billiger sind. Aber auch Hans muss gehen. Sieht das nicht ein, weil er ja gute Arbeit leistet. Er diskutiert mit der Personalchefin. Sie bietet ihm Geld an, das er ablehnt. So muss auch er die Firma verlassen. Das Haus wird versteigert, weil die Kredite nicht mehr bedient werden können und sie ziehen in eine Baracke für Arme. Aus Geldnot heraus stellt sich Anna für einen Pornofilm zur Verfügung. Als dies aufkommt, üben Hans und seine Kollegen an dem Produzenten, einem Jugoslawen, Rache. Sie stecken ihm ein Stahlrohr über den Penis und erhitzen dieses mit einem Schweißbrenner. Hans fährt nach Wien und sucht den zuständigen Minister auf. Er bittet ihn um Arbeit. Die Beiden finden sich sympathisch und der Minister interveniert im Stahlwerk, sodass Hans wieder eingestellt wird. Diesmal als Ordner. Nun muss er die Listen schreiben. Das fällt ihm sehr schwer. Er bekam aber auch eine billige Werkswohnung und seine Anna ist schwanger. Auf Grund des neuen Jobs meiden ihn alle. Er lädt seine ehemaligen Kollegen zum Abendessen ein. Keiner kommt. Nur Shakespeare, der Werkbibliothekar kommt. Er spricht zwischen den einzelnen Szenen des Stücks immer wieder geistige Sprüche. Er ist der Intellektuelle. Hans ist verzweifelt und er schreibt sich selbst auf die Liste, um gekündigt zu werden. Er feiert den Abschied mit allen und am Ende stürzt er sich in den Stahlkessel und verbrennt im flüssigen Eisen. Shakespeare philosophiert, was aus Hans geworden ist: „Eine kunstvolle Lampe über dem Bett eines Reichen? Ein Zaun, aus Maschendraht zwischen zerstrittenen Nachbarn? Eine Zange, ein Waggon? Ist er ein Türschild mit fremdem Namen? Ein Brückenpfeiler im reißenden Fluss?“ (Seite 124) Turrini hat selbst einmal in einem Stahlwerk gearbeitet und kennt die Szene und das Milieu. Er selbst sieht sich auf der Seite der Arbeiter. Er ist ein überzeugter Linker. Auch, wenn es diese immer weniger gibt. „Sollte ich einer der wenigen übriggebliebenen Linken sein, werde ich diese Position auch weiterhin mit mir teilen. Die Frage nach der Gerechtigkeit bleibt für mich das Entscheidende.“ (Seite 135)