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Sebastian HEILMANN: Die Seidenstrassen-Illusion.#

Sebastian HEILMANN: Die Seidenstrassen-Illusion. / Mythen und Realitäten eines eurasischen Superkontinents unter chinesischer Vorherrschaft, Vontobel Stiftung, 2020 / Rezension von Guenther Johann

HEILMANN, Sebastian: „Die Seidenstrassen-Illusion. Mythen und Realitäten eines eurasischen Superkontinents unter chinesischer Vorherrschaft“, Zürich 2020 Der Titel klingt kritisch und typisch europäisches mit dem Hinweis „das böse China“. Der Autor der in der Vontobel Stiftung erschienen Publikation ist aber ein ausgewiesener Chinaexperte. An der Universität Trier hat er einen Lehrstuhl für „Politik und Wirtschaft Chinas“ inne. Von 2013 bis 2018 war er Gründungsrektor eines der angesehensten Chinaforschungsinstitute, dem MERCIS (Mercator Institute for China Studies) in Berlin. Das zog mich an die Studie zu lesen und ich wurde überrascht. Sie ist einerseits kritisch, wägt aber alle Alternativen ab und gibt so einen informativen Überblick über Chinas Expansionspolitik. Es beginnt mit einem historischen Rückblick. China verwendet den Begriff „Seidenstraße“. Dieser wurde 1838 von einem deutschen Geographen geprägt. Chinas Präsident Xi Jinping griff den alten Begriff wieder auf. Erstmals erwähnte er ihn bei einer Rede in Kasachstan. Die alte Handelsstraße – die nie eine durchgehende war – soll mit modernen Mitteln wiederbelebt werden. Der Name verbindet viele Projekte unter einem Umbrella. Von der Definition gibt es mehrere „Seidenstraßen“: • die landbasierte Seidenstraße, • eine maritime Seidenstraße, • eine digitale Seidenstraße und • eine Weltraum-Seidenstraße mit einem chinesischen Satellitennetz. Dabei geht es nicht nur um den Handel und Transport von Gütern, sondern auch um Kooperationen, Förderungen der Wohlfahrt der Staaten entlang der Seidenstraße. Dazu bedient sich China verschiedener Instrumente: ungehinderter Handel, Finanzkooperationen, Vernetzung, Infrastrukturausbau. Dieses Projekt erhielt 2017 durch die Aufnahme in die Parteiverfassung höchste Priorität. Der Studienautor kommt zu dem Schluss, dass es sich primär um eine wirtschaftliche Aktivität handelt. Die außenpolitischen Organisationen Chinas sind nicht beteiligt und das Militär würde nur im Fall von Spannungsfällen zugezogen. Typisch auch die Vorgehensweise für China: das Projekt ist nicht detailliert im Voraus definiert. Dadurch hat es die Möglichkeit laufenden Änderungen angepasst zu werden. Eine Vorgangsweise, wie sie auch innerhalb Chinas oft angewendet wird. Man behält sich Flexibilität in der Hinterhand. Klar ist aber, dass China damit seine Vormachtstellung auf der Welt dokumentieren will. Man will auf Augenhöhe der USA agieren und dies mit einer intensiven Industrie- und Handelspolitik. Daher gibt es viel Gegenpropaganda speziell aus den USA, die von einer Schuldenfalle Chinas spricht. Heilmann kann dem aber nicht folgen, da das Risiko mehr auf chinesischer Seite liegt, weil die Hauptinvestitionen in ärmeren Staaten passiert. Da chinesische Betriebe diese Aktivitäten auch für ihre Geschäfte nützt und ihre interne Situation aufbessert wird der Umweltgedanke vorerst noch unterbelichtet behandelt. China hat landesintern strenge Umweltauflagen verordnet unter denen viele Technologien nicht mehr verwendet werden dürfen. Firmen exportieren diese jetzt in arme Länder. So wie in China selbst Kohlekraftwerke stillgelegt werden, baute man neue in Ländern wie Pakistan. Klar ist aber auch, dass durch eine Hebung des Lebensstandards in Entwicklungsländern die Abgaswerte unserer Erde steigen. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas, der in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts begann ist einzigartig. Dieses Modell versucht man auch auf andere Entwicklungsländer umzulegen. Dabei ist die Umwelt – so wie landesintern –zweite Priorität. China rollt seinen Einflussbereich über Eurasien auf. Dabei geht sie um wirtschaftliche Komplementarität unter Wahrung des gegenseitigen Respekts. Bedingt durch den Konflikt mit den USA kam es zunehmend zu mehr Kooperationen mit Russland. Bei der Uneinigkeit der EU werden individuelle Verträge mit einzelnen Staaten wie Portugal, Griechenland und Italien abgeschlossen. Alles in allem eine sehr ausgewogene und faktenbezogene Darstellung der Situation.