Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast

Juri ANDRUCHOWYTSCH, Dragan VELIKIC, Noemi KISS, Michal HVORECKY: Donau#

Juri ANDRUCHOWYTSCH, Dragan VELIKIC, Noemi KISS, Michal HVORECKY: Donau / Sonderpublikation im Rahmen der Ausstellung Donau - Menschen, Schätze & Kulturen auf der Schallaburg, Aramo, 2020 / Rezension von Guenther Johann

Juri ANDRUCHOWYTSCH, Dragan VELIKIC, Noemi KISS, Michal HVORECKY: Donau
Juri ANDRUCHOWYTSCH, Dragan VELIKIC, Noemi KISS, Michal HVORECKY: Donau

ANDRUCHOWYTSCH, Juri; VELIKIC, Dragan; KISS, Noemi; HVORECKY, Michal: „Donau“, Wien 2020 Dieses kleine Buch ist zur Ausstellung „Donau – Menschen, Schätze & Kulturen“ auf der Schallaburg erschienen. Vier Autoren aus Ländern, die an die Donau grenzen haben einen Beitrag geschrieben. Es beginnt mit Andruchowytschs „Die Dekodierung des Flusses“. Ein historischer Beitrag, der Bezug nimmt auf die Besetzung der Tschechoslowakei im Jahr 1968. Der Autor war damals acht Jahre alt, als in seinem Ort Panzer auf Zugwaggons verladen wurden. Die Einwohner dachten an Krieg. Die Panzer wurden aber in die Tschechoslowakei geschickt um das, sich vom Kommunismus lossagende Land und deren Regierung wieder gefügig zu machen. Eine Besetzung durch den Warschauer Pakt. Truppen in der Stärke einer Viertel Million Mann aus der UdSSR, Polen, der DDR, Ungarns und Bulgariens marschierten ein und übernahmen alle wichtigen Einrichtungen. Das Besondere und der Grund, warum dieses Ereignis in einem Buch mit dem Titel „Donau“ vorkommt liegt daran, dass diese militärische Operation „Donau“ genannt wurde. Man wollte den östlichen Teil Europas vom Westen abgrenzen. Die Donau steht dafür, dass sie mehrere Sprachfamilien miteinander vereint: Germanisch, Slawisch, Urgo-Finnisch und Romanisch. Die Donau quert Europa vom Westen nach Osten. Die Militäraktion sollte „Mitteleuropa“ zerstören und eine klare Trennung zwischen „West“ und „Ost“ bringen. Die zweite Geschichte – von Dragan Velikic – mit dem Titel „Die Donau und ich“ stammt aus Belgrader Sicht. Sie beginnt mit dem Untergang des Schiffs „Nis“ im Jahr 1952 (kurz vor der Geburt des Autors) und endet mit einer Fahrt auf der wieder gehobenen, renovierten und mit neuem Namen versehen „Nis“, die jetzt als Ausflugsschiff „Kovin“ heißt. Als Kind war der Autor vom Wasser der Donau fasziniert und dachte, dass ihre Wellen Zeichen einer Schrift seien. Die Wellen schreiben etwas auf, dass dann auf den Grund versinkt und dort archiviert wird. „Es gibt so etwas wie ein Gedächtnis des Wassers. Eine Unzerstörbarkeit des unendlichen Wasserarchivs.“ (Seite 16) Dieser Ansicht hing auch der Fotograf Günter Schön nach, der Wasser einfror und mit dem Elektronenmikroskop fotografierte. Bunte und unterschiedliche Bilder entstanden. Auch für die Autorin Ingrid Bergner lässt in ihrem Roman „Der Rollatormann“ ihren Protagonisten daran glauben, dass Flüsse verschiedene Sprachen sprechen. Da der Autor aus Serbien kommt auch ein serbisches Sprichwort: „Die Donau ist ein Weg ohne Staub“ (Seite 18). Ja, die Donau war in seinem Land Jahrhunderte die Grenze des osmanischen und des Habsburger Reiches. Kulturen, die noch heute ihre Spuren sichtbar machen. Die Ungarin Noemi Kiss erzählt von einem Spaziergang am Silvestertag auf einer Donauinsel. Dabei erinnert sie an die, durch den Kraftwerksbau beim Eisernen Tor, untergegangene Insel Ada Kaleh. Sie war ein (umstrittenes) türkisches Hoheitsgebiet, das noch aus der osmanischen Zeit geblieben ist. Mit ihr ging ein Teil der orientalischen Kultur unter. Sehr schön die Geschichte des Slowaken Michal Hvorecky, der aus der Sicht eines 199 Jahre alten Fisches die Veränderungen der Donau erzählt. „Ich stamme aus dem Schwarzen Meer. Vor einhundertneunzig Jahren bin ich das erste Mal in die Donau gekommen um mich fortzupflanzen, ein starkes Verlangen hat mich hierhergetrieben.“ (Seite 29/30) Bedingt durch den Kraftwerksbau wurde ihm der Weg zwischen Schwarzem Meer und dem Oberlauf der Donau abgeschnitten. Er war zur Zeit der Absperrung in der Wachau und konnte nicht mehr zurück. Als er dann im hohen Alter gefangen und in ein Aquarium gesteckt wird glaubt er, das sei sein Lebensende. Die Wissenschaft aber verwendet ihn dazu, dass er jungen Fischen den Weg zum Schwarzen Meer zeigt. Die Kraftwerke haben jetzt Durchgänge, die auch für ihn neu sind. Neu, wie so vieles: „Viele Stellen an der weiteren Strecke erkannte ich nicht wieder, so sehr hat sich die Natur unter dem Einfluss der steigenden Temperaturen verändert.“ (Seite 41) Jede der Geschichten ist anders. Jede aber ist schön. Leider werden im Buch die Autoren nicht vorgestellt. Zumindest deren Herkunft wäre für das bessere Verstehen der Geschichten von Vorteil. Das tut aber der Qualität der Beiträge keinen Abbruch. Das Buch kann von beiden Seiten gelesen werde: von der einen Seite in Deutsch und von der anderen in der jeweiligen Sprache des Autors.