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Nicholas Mailänder: Er ging voraus nach Lhasa#

Nicholas Mailänder: Er ging voraus nach Lhasa / Peter Aufschnaiter. Die Biographie, TYROLIA, 2019 / Rezension von Guenther Johann

Nicholas Mailänder: Er ging voraus nach Lhasa
Nicholas Mailänder: Er ging voraus nach Lhasa

Heinrich Harrer wurde mit seinem Buch „Sieben Jahre Tibet“ weltbekannt. Ohne den bescheidenen und zurückgezogen wirkenden Kollegen (Freunde waren sie nie) Peter Aufschnaiter, wäre die Flucht aus einem britischen Gefängnis in Indien nach Tibet und in die Hauptstadt Lhasa nie gelungen. Diese Biografie nimmt Bezug auf die Lebensgeschichte Aufschnaiters und seine vielen Tagebuchaufzeichnungen.

Es ist wissenschaftlich geschrieben und vor allem für Bergsteiger eine tolle Beschreibung von Bergtouren, Gipfelbesteigungen und Wanderungen im Himalaya. Aber es geht auch eine gewisse Spannung beim Lesen nicht verloren. Vor allem die Flucht ist ebenso spannend beschrieben, wie in Harrers Buch. Aufschnaiter hatte immer gearbeitet und kam nie dazu selbst ein Buch zu schreiben. Jetzt nach seinem Tod haben es andere – Mailänder und Kompatscher – gemacht.

Aufschnaiter sagte selbst in einem Brief: „Ich weiss, dass es bei früheren Reiseberichten vorgekommen ist, dass zwei Teilnehmer je ein Buch schrieben. In diesem Fall ist es anders, seit Jahren ist das Publikum in verschiedenen Ländern darauf vorbereitet, und was immer für ein Buch als erstes herauskommt, so wird dieses Absatz finden und keine weitere Variante zu dem Thema mehr.“ (Seite 311) Negativ hat sich Aufschnaiter über Harrer aber nur in engstem Kreis geäußert, obwohl dieser bereits auf der Flucht immer wieder egoistisch vorgegangen war.

Dieses Buch ist mehr als nur eine Fluchtbeschreibung. Es erzählt den gesamten Werdegang Aufschnaiters, der in Tirol geboren wurde (1899) und dann in München Agraringenieurwesen studierte. Diese Ausbildung half ihm dann später in Tibet, wo er Wasser- und Brückenprojekte realisierte. Als Harrer dann heimkehrte und seiner Berühmtheit als Buchautor nachging blieb Aufschnaiter im Gebiet. Zuerst in Nepal und dann in Indien. Er hat zahlreiche Karten über das Himalaygebiet verfasst und für verschiedene Organisationen Wasser- und Straßenprojekte realisiert. Aufschnaiter war angestellt in Nepal und in Indien und verbrachte so sein ganzes Leben in dieser Region und ging dort auch in Pension.

Seine danach gewonnene Zeit verwendete er zu ausgedehnten Wanderungen und Erforschungen und erst jetzt kehrte er jedes Jahr für einige Monate nach Europa zurück. Manchmal absolvierte er eine unruhige und kraftraubende Reisetätigkeit: von Delhi nach Beirut – Damaskus – Jerusalem – Haifa – Athen – Rom – München – Kitzbühl - Zürich – München – Kitzbühl – Hamburg – London – New York – San Francisco – Los Angeles – Las Vegas – Los Angelos – Hawaii – Tokyo – Hongkong – Kalkutta – Kathmandu. So wie bei seinen Bergtouren reizte er auch diese internationalen Reisen aus.

In Nepal hat er die nepalesische Staatsbürgerschaft angenommen und die österreichische zurückgegeben. Im Alter bemühte er sich wieder um die österreichische, verwendete seinen Pass aber nie. Alle Visaanträge liefen auf den nepalesischen Pass.

Der jahrelange Fluchtweg durch die Eiswelt des Himalayas von Indien bis Lhasa ist für heutige Verhältnisse unvorstellbar. Aufschnaiter ist dann fast sein ganzes Leben „auf der Flucht“ geblieben und kehrte erst ganz am Ende seines Lebens in seine Heimat Tirol – leider nur ins Krankenhaus nach Innsbruck - zum Sterben zurück. Dort besuchte ihn auch Heinrich Harrer. Er brachte dem Kranken Blumen, die dieser in eine Ecke schmiss und sich vom Besucher wegdrehte. „Vielleicht saß der Stachel noch immer tief, dass Harrer ihm beim Veröffentlichen der gemeinsamen Tibet-Erlebnisse den Rang abgelaufen hatte.“ (Seite 374) Bis zu seinem Tod arbeitete Aufschneider an einem eigenen Buch, aber er erlebte es nicht mehr. Mit der vorliegenden Biografie wird dem jetzt Rechnung getragen. Von Kitzbühl ist er ausgezogen in die weite Welt. Als Toter kam er wieder nach Kitzbühl, wo er begraben ist.

Persönliche Ergänzung: Obwohl ich das Auto schon in die Garage gestellt hatte, musste man es wieder herausholen um den kranken Felix zu holen. Auch Markus war krank. Ich hoffe nur (und bete darum), dass ich nicht angesteckt werde und meine Radreise (zum Nordkap) so unmöglich wird. Zu viel habe ich da schon investiert. Eine Verschiebung ist praktisch nicht möglich.