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Heike Kottmann: Fisch verliebt#

Heike Kottmann: Fisch verliebt / Was ich beim Angeln über das Leben gelernt habe, Benevento, 2019 / Rezension von Maurer Hermann

Heike Kottmann: Fisch verliebt
Heike Kottmann: Fisch verliebt

Die Handlung des Buches kann man eigentlich in einigen Sätzen erzählen:

Die in Ich-Form schreibende Autorin Heike Kottmann schreibt über eine junge Frau, ihr Name im Buch ist Haike (und sie hat wohl viel mit der Autorin und deren Leben gemein). Sie arbeitet als Journalistin in München. Sie liebt es nicht, in den großen Geschäften der üblichen Ketten einzukaufen, sondern ist lieber am Bauernmarkt und in kleinen Geschäften. Sie kocht gerne, insbesondere auch Fisch, und geht so oft in ein kleines Fischgeschäft, wo ein schweigsames Männerpaar, Vater und Sohn, frische Fische verkaufen, auch solche die man sich - während sie noch im Bottich schwimmen - aussuchen kann, und die dann fachmännisch getötet und ausgenommen werden.

Das Geschäft ist sehr beliebt. Nach einem Gespräch ergibt es sich, dass Haike das unausgesprochene Angebot, an Samstagen im Geschäft mitzuhelfen, annimmt. So lernt die Journalistin zur Verblüffung ihrer Kolleginnen und Kollegen mit Fischen umzugehen und wird von dem Männerpaar freudig aufgenommen. Alexis, ihr liebster Journalistenkollege, schlägt vor, dass sie beide die Prüfung für einen Angelschein machen. Haike gefällt die Idee, nicht nur Fische zu zerteilen, zur verkaufen, zu essen, sondern sie auch zu fangen. So machen sie also den in Deutschland recht anspruchsvollen Fischkurs: Nur mit dem Prüfschein kann man in Deutschland auch dort, wo es private Fischteiche gibt, angeln, in den meisten anderen Gewässern nur, wenn man einem Fischverein beitritt (oft mit jahrelangen Wartezeiten), bzw. eine Tageskarte kauft, die man da und dort bekommen kann.

(Hier sei eine persönliche Abweichung erlaubt: Ich bin als Kind schon mit meinem Vater Forellenfischen gegangen, denn in Österreich braucht man dafür keine Prüfung, obwohl man sich auch in privaten Gewässern an ein „Mindestmaß“, je nach Fischart, halten muss. Die 1960 er Jahre lebte ich in Westkanada: da braucht man auch keine Prüfung, kann um $ 5.- das ganze Jahr (mit ein paar Ausnahmen wie Schonzeiten) überall fischen und es gibt nur wenige Regeln: pro Kopf und Tag darf man nur 10 Forellen fangen; jeden Fisch, den man fängt, auch wenn er ganz klein ist, muss man mitnehmen und er zählt zu dem Zehnerkontingent, weil – so die Begründung – Fische durch die Haken meist so verletzt sind, dass sie kaum überleben, wenn man sie ins Wasser zurcü wirft. Man kann sich vorstellen, dass mich die Erzählungen über die 90 Fischarten in Bayern und die vielen Regeln recht amüsiert haben.)

Zurück zur Rezension: Nach bestandener Prüfung werden Haike und Alexis ein gutes Fischerteam, das immer mehr über Fische lernt. Das wird nur in netten Häppchen fallweise den Lesern weitergegeben. Ihr Angeln beginnt in mit Fischen versorgten Privatteichen, wird aber immer abenteuerfreudiger: Sie kampieren wild an einem Bach, um früh anfangen zu können, besuchen immer wieder neue Wässer, werden auch im Meer aktiv, usw. Haike liebt das Angeln an sich, aber fast noch mehr die Kombination von Spannung und Ruhe, die schönen Gegenden, das Wasser in jeder Form, und die immer wieder neuen Abenteuer, liebevoll erzählt.

Und hier ist das richtige Stichwort: liebevoll. Jede Seite des Buches strahlt Lebensfreude aus. Es ist unglaublich, wie gut es der Autorin gelingt, das Glück von Haike, immer Neues erleben zu dürfen, so zu schildern, dass man es als Leser mitempfinden muss. Ich kenne wenige Bücher, die es so gut schaffen, die positiven Emotionen der Autorin auf den Leser zu übertragen, wie es in diesem Buch der Fall ist.

Um ehrlich zu sein: Als ich den Titel sah, war ich unsicher, ob ich das Buch überhaupt aufschlagen sollte. Ich bin froh, dass ich es tat: ich habe es an zwei Abenden mit Vergnügen, nein: Freude, ausgelesen. Ich kann es nur 100% empfehlen außer jenen, die noch nie von der Schönheit der Natur und des Wassers und von kleinen Abenteuern geträumt haben.

Ich gratuliere der Autorin zu dem Buch, und das habe ich noch bei keiner meiner Rezensionen bisher getan.