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John IRWING: Laßt die Bären los!#

John IRWING: Laßt die Bären los! / Roman, Diogenes, 1987 / Rezension von Guenther Johann

John IRWING: Laßt die Bären los!
John IRWING: Laßt die Bären los!

IRVING, John: „Laßt die Bären los!“, Zürich 1987 Der Autor verbrachte 1962/1963, zwei Semester in Wien, wo er die Idee zu diesem Buch, seinem ersten Roman hatte. Den Hintergrund dazu verschaffte er sich durch viele Besuche im Tiergarten Schönbrunn und Cafés. Daneben fuhr er viel mit dem Motorrad. Auf diesen persönlichen Erfahrungen baut das vorliegende Buch auf. Der erste Teil des Buches handelt in den 60er Jahren in Wien. Zwei Studenten – einer war bei einer Prüfung durchgefallen – machen sich mit einem Motorrad auf den Weg nach Westen. Mit wenig Geld schlagen sie sich durch. Fischen und grillen die Beute. Stehlen und machen allerhand Unfug. Letztlich bekommen sie in Waidhofen an der Ybbs, wo sie in einem Hotel wohnen Probleme mit der Polizei. Einer von ihnen muss flüchten und fährt mit dem Motorrad nach Wien zurück. Der andere wird zur Zwangsarbeit – dem Transportieren von Bienenstöcken – verpflichtet. Der Freund aus Wien kommt zurück. Die Flucht wird aber zum Verhängnis. Im zweiten Teil – genannt Notizbuch – werden zwei Erzählungen ineinander verschachtelt. Einerseits plant der Motorradfahrende Kumpel die Freilassung von Tieren des Tiergartens Schönbrunn und andererseits erzählt er von seinem Vater, der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt und sich durch die Kriegsjahre mit verschiedensten Personalien durchschlug und letztlich im zerbombten Wien in einer leerstehenden Wohnung landete. Die Wohnungseigentümer kamen zurück und er wird mit der Tochter verheiratet. Das gemeinsame Produkt: der 1946 geborene Protagonist des Buches. Im Tiergarten verbringt er eine Nacht und fährt dann zurück zu seinem Freund nach Waidhofen, wo er auch sein – im ersten Teil beschriebenes – Lebensende findet. Dieser Teil verschachtelt die Kriegs- und Nachkriegszeit und die „Jetztzeit“ der 60er-Jahre dieser Erzählung. Irgendwie kommen die beiden Zeiten auch zusammen. Im dritten Teil des Buches erzählt sein überlebender Freund das Finale. Wie er nach dem Unfall gesund gepflegt wird und dann mit dem Zimmermädchen flieht. Sie hat das Motorrad sichergestellt und auch das Fahren der Maschine erlernt. Gemeinsam fahren sie quer durchs Land und wohnen im Freien. Ernähren sich von gefangenen Fischen. Als das Geld ausgeht fahren sie nach Wien. Sie verkauft einem Frisör ihren langen Haarzopf und sie sind wieder liquid. Sie fahren aber nicht ans Meer nach Italien – wo er hinwollte – und nicht in die Stadt hinein um einen Job zu suchen und ein gemeinsames Leben zu beginnen – wie sie es wollte -, sondern machen den Plan des verstorbenen Freundes zur Realität. Sie dringen in den Zoo ein, rächen sich an dem Nachtwächter und lassen viele Tiere frei. Es entstand ein unbeschreiblicher Aufstand, der dramatischer nicht beschrieben werden könnte, als es John Irving tut. Die weitere Zukunft des Pärchens, das getrennte Wege geht bleibt offen. Auch ein Happyend könnte möglich sein, wird aber nicht ausgedrückt. Es ist ein großartiger Roman, der in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, die Nachkriegsjahre und die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts führt und einen Teil Österreichs beschreibt. Das Buch ist aber auch eine Art Geschichtsbuch. Interessant nur, dass wir Österreicher uns unsere eigene Geschichte aus dem Krieg und nach dem Krieg von einem Amerikaner – dem Dichter John Irving -, der als Student nur zwei Semester in Wien war - erklären lassen.