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Jakob Mitterhöfer: Mit 14 Jahren im KZ – Das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung#

Jakob Mitterhöfer: Mit 14 Jahren im KZ – Das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung / Aus den Erinnerungen des letzten Überlebenden im Konzentrationslager Hinterbrüh, Kral Verlag, 2020 / Rezension von Guenther Johann

Jakob Mitterhöfer: Mit 14 Jahren im KZ – Das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung
Jakob Mitterhöfer: Mit 14 Jahren im KZ – Das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung

MITTERHÖFER, Jakob: „Mit 14 Jahren im KZ – Das Leben des Marcello Martini: Vom Todesmarsch zur Versöhnung. Aus den Erinnerungen des letzten Überlebenden im Konzentrationslager Hinterbrühl“, Mödling 2020 In der Seegrotte, einem Schaubergwerk, wurden ab 1944 Flugzeuge für die Deutsche Armee gefertigt. Ursprünglich in Wiener Neustadt produziert, verlegte man die Fertigung in das unterirdische Bergwerk, um so vor den Bombenangriffen der alliierten Truppen sicher zu sein. Ein See im Bergwerk wurde ausgepumpt und das ergab Werkshallen. Die Firma Henkel bekam für ihre Arbeit KZ-Häftlinge zur Verfügung gestellt. Das Lager befand sich oberhalb des Bergwerks und war eine Außenstelle des KZs Mauthausen. Nachdem im Jahr 1945 die sowjetischen Truppen näher kamen wurde das Lager geräumt. Die nicht gehfähigen Häftlinge ermordet und die anderen zu Fuß nach Mauthausen geschickt. Alle 1000 Meter wurde einer erschossen. Wer nicht mehr mitkam wurde ermordet. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts begann ein Mittelschullehrer aus Baden mit seinen Schülern zu recherchieren und die Geschichte aufzuarbeiten. Die Hinterbrühler Bevölkerung wusste „von Nichts“ und war über diese Kampagne nicht sehr erfreut. Der Hinterbrühler Pfarrer Franz Jantsch unterstützte diese Kampagne. Er gründete ein Komitee mit namhaften Persönlichkeiten und Menschen, die ihm behilflich waren. Ich gehörte zu dieser Gruppe. Wir engagierten uns und erwarben jenen Teil des Grundstücks, auf dem sich das Krankenlager und das Massengrab befanden. Mit Spenden und dem Verkauf einer Lithographie des Malers Rudolf Hausner wurde der Ankauf finanziert und damit eine Gedenkstätte geschaffen. Sie wurde mehrmals geschändet, aber inzwischen besucht die Bevölkerung den Ort mehrmals im Jahr, um der Geschehnisse zu gedenken. Zu diesen Gedenkfeiern kam auch ein einstiger Häftling: Marcello Martini aus Italien. Der damalige Pfarrer Pater Jakob Mitterhöfer lernte ihn kennen. Seine Italienischkenntnisse – er studierte in Rom – halfen ihm eine Freundschaft aufzubauen. 2019 verstarb Herr Martini und Pater Jakob begann seine Geschichte aufzuschreiben. Ein wichtiges Zeitzeugnis. Der damals 14-jährige Marcello wurde in der Nähe von Florenz gefangen genommen. Sein Vater war Kommandant einer Untergrundorganisation gegen die deutschen Besatzer. Der Bub Marcello bediente eine Funkstation, die die amerikanischen Truppen informierte. Bei der Gefangennahme der Familie konnte der Vater fliehen. Der Sohn kam ins Konzentrationslager Mauthausen. Später in das Flugzeugwerk Wiener Neustadt und letztlich 1944 in das Untergrundwerk in der Hinterbrühl. Anschaulich werden die Behandlung und das Leben der Häftlinge beschrieben, die Pater Jakob – der Autor des Buches – von Martini noch zu Lebzeiten bekam. Am Ostersonntag, den 1. April 1945 wurde das Lager geräumt und die Häftlinge marschierten in einem 7-tägigen Marsch ohne Verpflegung von der Hinterbrühl bei Mödling nach Mauthausen – über 200 Kilometer. Marcello überlebte das, Dank des solidarischen Zusammenhalts der italienischen Flüchtlinge. Nach der Befreiung durch die Amerikaner dauerte es noch länger, bis der Bub wieder in normales Leben zurückkehren konnte. Traumatisiert brauchte er lange, um das Erlebte zu verkraften und zu verarbeiten. Er wird auf Intervention der Mutter wieder in die Schule aufgenommen, maturiert, studiert und wird ein anerkannter Flugzeugbauer. Er schwieg aber über diese seine Erlebnisse. Seine Schwester überredete ihn später Mauthausen und die Hinterbrühl zu besuchen. Nun begann er über diese Zeit zu reden. Er hielt Vorträge in Schulen und besuchte regelmäßig die KZ-Gedenkstätte in der Hinterbrühl. Als letzten Willen verfügte er, dass ein Teil seiner Asche am Gedenkplatz, den er „Sacrario“ nannte, beigesetzt werde. Die Marktgemeinde Hinterbrühl ernannte ihn posthum zum Ehrenbürger und Pater Jakob Mitterhöfer schrieb dieses Buch. Es ist keine leichte Literatur, aber es ist wichtig, dass diese Geschehnisse nicht vergessen werden.