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Franz Ferdinand von Österreich, Frank Gerbert: Tagebuch meiner Reise um die Erde 1892-1893#

Franz Ferdinand von Österreich, Frank Gerbert: Tagebuch meiner Reise um die Erde 1892-1893 / Die Eingebornenen machten keinen besonders günstigen Eindruck, Kremayr-Scheriau, 2013 / Rezension von Hermann Maurer

Franz Ferdinand von Österreich, Frank Gerbert: Tagebuch meiner Reise um die Erde 1892-1893
Franz Ferdinand von Österreich, Frank Gerbert: Tagebuch meiner Reise um die Erde 1892-1893

In dem Buch wird auszugsweise (weniger als ein Drittel) aus dem Tagesbuch des Erzherzogs berichtet, der unbedingt der erste Habsburger sein wollte, der einmal um die Welt reist …den größten Teil der Reise in einen 400 Mann Panzerkreuzer.

Das einjährige Abenteuer führt FF 1892-1893 von Triest nach Port Said, von dort durch den ja schon 1869 eröffneten Suez Kanal Richtung Indien, wo er zunächst Colombo in Ceylon (heute Sri Lanka) anläuft, dann viele der berühmten am Städte Indiens wo er (wie eigentlich überall) als österreichscher Thronfolger verwöhnt wird. Über Singapur und Teile des heutigen Indonesien geht es nach Australien, wobei er Sydney überschwänglich lobt, ganz im Gegensatz zu der meist deftigen Kritik vieler anderer Gegenden. Dann geht es u.a. nach Neukaledonien (von 1864 bis etwa 1922 französische Strafkolonie) und in die pazifische Inselwelt, nach Malaysia , dann Japan, von dort nach Vancouver in Kanada, aber auch der Yellowstone Park (der erste 1872 eröffnete Nationalpark der USA) wird nicht ausgelassen (wobei nur der Yellowstone Canyon mit seinen Wasserfällen als bemerkenswert erwähnt wird, die Geysire nur eher nebenbei) , dann per Bahn („langweilig“) nach Osten nach Chicago und New York und schließlich über den Atlantik nach Le Havre und über Paris und Stuttgart (wo er seine Schwester besucht) zurück nach Wien.

Das Buch hat mich insofern sehr fasziniert, als ich fast alle Punkte, auch die entlegenen Südseeinseln die FF besucht, ca. 100 Jahre später selbst sah. Verwundert hat mich, dass China selbst kaum erwähnt wird (die Chinesen aber insgesamt sehr negativ) und dass FF Tonga ignoriert, das eine noch heute existierende 1000 Jahre alte Monarchie ist, mit einem Freundschaftsvertrag mit Deutschland 1876, der bis heute gilt (er wurde 1977 erneuert und erlaubt Deutschen eine Niederlassung ohne Formalitäten; die nördlichste der drei großen Inselgruppen Tongas, Vavau, ist wohl heute eines der schönsten Segelreviere im Südpazifik).

Trotz der natürlichen großen Veränderungen seit dieser Zeit ist es klar, dass FF die Welt stets mit einer unglaublichen Voreingenommenheit (gut, böse, schön, nicht bemerkenswert) betrachtet und seine Ansichten auch durch gegenteilige Erlebnisse nicht ändert.

Auch unter Berücksichtigung der damaligen Gepflogenheiten wird FF aus meiner Sicht sehr unsympathisch, nicht nur weil er aus fahrenden Zügen Tiere zu Tausenden abschießt, ohne sich je um die erlegte „Beute“ zu kümmern. Dass er in seinen Leben 274.899 Stück Wild erlegte sagt wohl viel. Alle Eingeborene die er sieht bezeichnet er immer als hässlich, und ist zu ihnen aber auch seinen Untergebenen konstant unfreundlich. Der Herausgeber Franz Gerbert (der das Buch aus Auszügen des Tagebuchs bzw. auf der Basis eines früheren Buchs erstellte) beginnt es mit „Ein Grantler auf großer Fahrt“!

Wenn man seine vielen negativen Urteile über schöne Gegenden der Welt und freundliche Menschen liest, dass er Tiere, auch trächtige oder Koalas mit einem jungen im Beutel, abknallte, und sich durch besonder Unfreundlichkeit auszeichente, dann tut es einem Leid, dass seine Ermordung in Sarajewo wohl den ersten Weltkrieg mit auslöste, aber ein großes Mitgefühl kann zumindest ich nicht verspüren.