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Rhesusaffen werden gegen Covid-19 immun#

Studie aus China: Keine Mehrfachinfektion. Ergebnisse auch auf Menschen umlegbar.#


Von der Wiener Zeitung (18. März 2020) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Eva Stanzl


Zumindest in Rhesusaffen wurde Sars-CoV-2 nicht zwei Mal nachgewiesen
Zumindest in Rhesusaffen wurde Sars-CoV-2 nicht zwei Mal nachgewiesen.
Foto: Mieciu K2. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0

Kann man sich nach einer überstandenen Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 binnen kurzer Zeit noch einmal oder sogar immer wieder anstecken? Oder wird man, ähnlich wie bei Grippe, für geraume Zeit immun? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft, seit Ende Februar in Japan eine Frau, die als genesen gegolten hatte, erneut positiv getestet wurde. Sie blieb kein Einzelfall. 14 Prozent der aus dem Krankenhaus entlassenen Covid-19-Patienten in der Provinz Guangdong wurden allein im Februar erneut positiv auf das Coronavirus getestet.

All dies könnte entweder bedeuten, dass das Virus permanent die Runde macht, oder dass es länger im Körper verbleibt als angenommen. Wie gefährlich das ist, hängt davon ab, wie lange der Erreger ansteckend ist. „Noch verstehen wir den Umgang des Immunsystems mit Coronaviren zu wenig“, betonte kürzlich der Immunologe Josel Penninger bei einem Vortrag in Wien. „Ich hoffe aber sehr, dass wir bald eine Impfung haben werden.“

Eine neue Studie aus China bringt gute Nachrichten. „Keine Neuansteckung mit Sars-CoV-2 in Rhesus-Affen“ ist der Titel der am Dienstag im Fachmagazin „bioRxiv“ publik gemachten Analyse. Rhesusaffen, die an dem neuartigen Coronavirus erkrankt waren, sind demzufolge immun gegen eine erneute Ansteckung.

Da laut den Forschern des Key Laboratory für Tiermodelle bei neuartigen Erkrankungen in Peking die Antikörper von Menschen gegen Sars-CoV-2 mit jenen von Rhesusaffen vergleichbar sind, ließen sich die Ergebnisse auch auf den Homo sapiens übertragen. Das würde dagegensprechen, dass der Erreger den Körper innerhalb von kurzer Zeit immer wieder befällt, und bezeugen, dass man immun wird.

Das Team hat vier Rhesusaffen im Alter von drei bis fünf Jahren einer infektiösen Menge des Coronavirus Sars-CoV-2 ausgesetzt. Drei verloren an Gewicht, der vierte bekam Lungenentzündung. Die Forschenden konnten das Virus im gesamten Rachenraum, in der Nase, der Lunge, im Darm und in den Nieren nachweisen.

Nachdem die Tiere die Infektion überstanden hatten, fanden sich in ihrem Blut Antikörper gegen Sars-CoV-2. Die Affen zeigten keine Symptome mehr. Zwei Tests fielen negativ aus. 28 Tage später wurden zwei der tierischen Probanden erneut der gleichen Dosis des Erregers ausgesetzt, entwickelten aber keine Symptome. Das Virus konnte weder im Nasen-Rachenraum, noch in der Lunge, noch in Stuhl- oder Gewebeproben nachgewiesen werden. Die Forscher schließen daraus, dass eine überstandene Covid-19-Infektion immunisiert.

Impfstudie freigegeben#

Wie aber lassen sich die Fälle erklären, bei denen scheinbar geheilte Patienten erneut positiv auf das Coronavirus getestet wurden? Die chinesischen Forscher stellen mehrere Vermutungen an. Etwa könnten die Betroffenen zu früh als geheilt aus dem Spital entlassen worden sein. Möglicherweise würde der Erreger, der in jedes Organ gelangen kann, weil er überall über den gleichen Rezeptor ins Zellinnere bahnt, unbemerkt im Körper weiterleben. Irgendwann gelange er wieder in die Lunge und verschlechtere den Zustand der Patienten erneut. Eine dritte Erklärung wären falsch positive Tests.

Wenn wir Menschen nach einer überstandenen Infektion mit Covid-19 nicht immun würden, wäre die Sars-CoV-2-Pandemie nur schwer unter Kontrolle zu bringen. Auch eine Impfung würde nicht funktionieren. Denn zur passiven Immunisierung werden Personen Antikörper gespritzt, die sie immun gegen den Erreger machen. China gab am Dienstag einen Impfstoff gegen das Coronavirus für klinische Studien frei. Das berichteten staatliche Medien, hielten sich jedoch zu den Details bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe bedeckt.

Wiener Zeitung, 18. März 2020