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Neidhartfresken#

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"Heimatlexikon - Unser Österreich"
Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Die Wandmalereien des Neidhart Festsaals, Wien 1, Tuchlauben 19 sind die ältesten erhaltenen säkularen Raumdekorationen Wiens. Um 1400 beautragte der Tuchhändler Michel Menschein die mehr als 15 Meter lange Bemalung in Seccotechnik. Sie erzählt Geschichten in der Tradition des Hofsängers Neidhart (ca. 1180-1240) im Wandel der Jahreszeiten. Das Haus aus dem 13. Jahrhundert wurde 1979 renoviert und dabei die Malereien entdeckt. Nach 40 Jahren hat das Wien Museum seine Außenstelle umgestaltet. Die neue Ausstellung umfasst multimediale Angebote wie AV-Stationen als Zeitreise ins Mittelalter, Musik und Exponate der Alltagskultur.

Die Bilder illustrieren in der Abfolge der Jahreszeiten Szenen aus der Schwankliteratur, wie sie Neidhart von Reuental (um 1180-1240) dichtete. Der Minnesänger, der am österreichischen Herzogshof gewirkt haben dürfte, war der wirkmächtigste Lyriker des deutschen Mittelalters. Seine bauernfeindlichen Figuren hatten ein langes Nachleben.

Die zehn Darstellungen, die für den Auftraggeber individuell zusammengestellt wurden, zeigen:

  • Dörperkampf - ein allgemeines Thema Neidhart'scher Bauernpersiflage
  • Ballspiel und Liebespaar - eine literarische Sommersymbolik
  • Spiegelraub - das freizügige Fresko zeigt eine liegende Frau und einen Burschen, der ihr mit dem "kühnen Griff" zudringlich wird
  • Schneeballschlacht und Rauferei - die Darstellung winterlicher Raufhändel, die Neidhart beschreibt, findet sich noch 1566 in Holzschnitten
  • Schlittenfahrt - das Fragment lässt einen Kastenschlitten und einen Pferdekopf erkennen
  • Blattmotiv - das Blattmotiv auf dem Pfeiler mit Palmwedeln unterbricht den figürlichen Zyklus
  • Veilchenschwank - die Darstellung der populärsten Neidhartüberlieferung spielt in einer Frühlingslandschaft bei einer Burg
  • Reigen - die älteste Wiener Tanz-Musik-Darstellung zeigt einen Vortänzer mit Tanzstab, Paare, die einen Rundtanz aufführen und einen Schalmeienspieler
  • Festmahl - das Bild illustriert die herbstlichen Trink- und Schlemmerlieder
  • Herbstlandschaft - vermutlich befand sich hier eine Jagdzene, die durch einen barocken Türdurchbruch verloren ging.

Quelle#

  • Katalog Neidhart-Fresken Wien 1987

Redaktion: hmw