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Manfried Welan - Peter Wiltsche: Das grüne Juwel - Der Türkenschanzpark und seine Denkmäler#

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Manfried Welan - Peter Wiltsche: Das grüne Juwel - Der Türkenschanzpark und seine Denkmäler. Mit einem Essay von Lilli Lička und einem Nachwort von Peter Diem. Plattform Verlag Perchtoldsdorf 2016. 114 S., ill., € 22,-

"Wie alle gestalteten Grünflächen ist auch der Türkenschanzpark ein Spiegel seiner Zeit. Die Gestaltung entstammt einem romantischen Naturverständnis, das sich bereits ein Jahrhundert zuvor in den vorbildhaften englischen Anlagen niedergeschlagen hat und in der Gesamtanlage und seiner Einrichtung ausdrückt," schreibt die Landschaftsarchitektin Lilli Lička im einleitenden Essay und Manfried Welan beginnt seinen Textteil mit der Feststellung "Der Türkenschanzpark ist etwas Besonderes."

In der Folge widmet er sich nicht nur diesem besonderen Park und seinen Denkmälern, sondern auch der Umgebung. Man erfährt Wissenswertes über die Namensgeber der Straßen und Plätze, die den Park umgeben und von denen etliche an Naturforscher erinnern: Peter Jordan (1751-1827) begründete die höheren landwirtschaftlichen Studien in Wien. Rudolf von Feistmantel (1805-1871) leitete die österreichische Staatsforstverwaltung. Der Ordensmann Gregor Mendel (1822-1884) entdeckte die Gesetze der Vererbungslehre. Auf Carl von Linné geht die Nomenklatur in der Botanik und Zoologie zurück. Ab 1894 eroberte die Universität für Bodenkultur (gegründet 1872 als k. u. k. Hochschule für Bodencultur) die Türkenschanze. Dem Haupthaus folgten eine Reihe von Erweiterungsbauten, zuletzt 1984 der historische "Türkenwirt". Die jüngsten Kontroversen um den Abriss des repräsentativen Gründerzeithauses, mitten in der Schutzzone Cottageviertel, finden im Buch aber (noch) keine Erwähnung. Hingegen verhinderte Anfang der 1970er Jahre eine Bürgerinitiative die Verbauung des unberührten Sternwarteparks, der seit 2013 teilweise tagsüber zugänglich ist.

Der Türkenschanzpark neben dem Cottageviertel geht auf eine Anregung des Architekten Heinrich von Ferstel zurück. Die idyllische Anlage ersetzte weitreichende Sandgruben und Steinbrüche. Während der Ersten und Zweiten osmanischen Belagerung (1529, 1683) hatte die Anhöhe als Gefechtsstand gedient - daher der Name. 1888 wurde der Türkenschanzpark in Anwesenheit des Kaisers mit einem Volksfest eröffnet, zehn Jahre später von der Gemeinde Wien übernommen und wieder ein Jahrzehnt später auf 15 ha erweitert. Hier wachsen 400 verschiedene Gehölzarten aus allen Klimazonen, zahlreiche Bäume sind mit Namen versehen. Ein Dutzend Denkmäler, entstanden zwischen 1911 und 2007, bewahren Erinnerungen, begonnen vom Pianisten Theodor Hermann von Leschetitzky (1830-1915) bis zum Schauspieler und Regisseur Leon Askin (1907-2005), dessen Büste der Bildhauer Hubert Wilfan schuf.

Die Beschreibung der Denkmäler bildet das Herzstück der Publikation, die auch weitere Bauwerke, wie den 1991 im türkisch-osmanischen Stil errichteten Yunus-Emre-Brunnen, die Paulinenwarte und die historistischen Sanitäranlagen beschreibt. Die Paulinenwarte trägt ihren Namen nach Pauline von Metternich (1836-1921). Die Grande Dame der Wiener Gesellschaft unterstützte den Türkenschanzpark durch die Spende wertvoller Pflanzen. Sie kümmerte sich auch um die Finanzierung des 25 m hohen Aussichtsturms auf der höchsten Erhebung, der zugleich als Wasserspeicher diente. Eine Gedenktafel daran verzeichnet Eröffnungsworte Kaiser Franz Josephs, der sich für die Eingemeindung der Vororte aussprach. Sie erfolgte zwei Jahre später, 1890. Nach langer Sperre ist die Paulinenwarte seit 2010 wieder geöffnet. Ein Anhang handelt von ihren Architekten, Anton Krones sen. und Wilhelm Stiassny. Im zweiten Anhang, der Park-Dokumentation von Cordula Loidl-Reisch, erfährt man u.a. Interessantes über die Park-Möblierung zur Entstehungszeit. Pavillons, Parapluies und ein elegantes Restaurant vermittelten Kurpark-Atmosphäre. Die Ökologin nennt den Türkenschanzpark einen "Park der Superlative" und zählt auf: 154.000 m² Fläche, davon 48.000 m² Rasen, 2.311 - bestens dokumentierte - Bäume, 565 Altstadtbänke (neben anderen Sitzgelegenheiten), 3.100 Meter Zaun, 30.000 m² befestigte Wege. Der Herausgeber Peter Diem stimmt im Nachwort in das Lob des Parks ein, der für viele der schönste Wiens ist. Er nennt ihn "Gesamtkunstwerk" und "zu jeder Jahreszeit eine Attraktion".