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Gregor Auenhammer: Auf den Spuren von Gustav Klimt#

Bild 'Auenhammer'

Gregor Auenhammer: Auf den Spuren von Gustav Klimt. Mit Fotografien von Gerhard Trumler. Verlag Styria Wien 2017. 128 S., ill., € 16,90

"Spurensuche" als Titel von Dokumentationen hat Konjunktur. Wenn sich Gregor Auenhammer, seines Zeichens Leiter der Produktionsplanung der Tageszeitung „Der Standard“, Autor und Rezensent, "auf den Spuren von Gustav Klimt" bewegt, sucht er nicht nur, sondern findet Unbekanntes, Verborgenes, Exotisches und (viel) Erotisches. Das Buch, mit Fotos von Gerhard Trumler erscheint gerade recht vor dem 100. Todestag Klimts am 6. Februar 2018. Zu diesem Anlass ist noch einiges an Neuerscheinungen zu erwarten. Man kann jetzt schon sagen, dass sich dieses Buch davon unterscheiden wird. Da ist einmal das handliche Format, das die Publikation zum idealen Reisebegleiter bei den Spaziergängen durch Wien macht. Vor allem aber der Mix aus Sachkenntnis, assoziativen und intuitiven Annäherungen, Informationen und Kommentaren. Mit dem Medienprofi und studierten Historiker, Philosophen und Psychologen ist ein unterhaltsamer Spaziergang garantiert, auf dem man nebenbei viel lernen kann.

Zum Einstieg erfährt man, dass es in Wien kein Klimt-Denkmal gibt, nur einige Gedenktafeln - für den Autor zu wenige. Folgt man den von ihm aufgezeigten Spuren, ist man erstaunt, wie viele Stätten an den "Ausnahmekünstler" erinnern. Das Geburtshaus stand im ehemaligen Vorort Baumgarten (Wien 14). Das Biedermeierensemble musste einem Gemeindebau weichen, dieser trägt wenigstens eine Gedenktafel. Klimts Vater war ein Goldgraveur. Er übersiedelte mit seiner Frau und vier Kindern auf den Brillantengrund (Wien 7). Ab der Volksschulzeit wurde die Gegend um die Ulrichskirche - der übel beleumundete Spittelberg - zum Revier seines ersten Sohnes. Unweit davon erhebt sich am Beginn der Mariahilfer Straße das Gründerzeithaus "Casa Piccola". Hier führten die Schwestern Flöge Wiens ersten Haute-Couture-Salon, in dem die Damen der Gesellschaft ein und aus gingen. Emilie Flöge war Klimts Lebensmensch. Gegenüber befindet sich das 2002 eröffnete MuseumsQuartier mit dem Leopold-Museum. Es beinhaltet eine der bedeutendsten Sammlungen österreichischer Kunst und die weltweit größte Kollektion von Werken Egon Schieles und Gustav Klimts. Wieder nur wenige Schritte weiter, findet man im Kunsthistorischen Museum Deckenfresken von Klimts Künstler-Compagnie (mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch). Ebenfalls noch in Gehdistanz bieten die Albertina und das Theatermuseum Jugendstil-Kunstgenuss. Es ist wirklich nicht übertrieben, wenn der Autor diese Gegend eine Kunstmeile nennt. Danach lädt er zur "Nachtmeerfahrt" mit den vier Stationen Cabaret und Theater "Fledermaus", Kärntner (Loos-) Bar und Centralbad (Kaiserbründl). Es zeichnet seine Spaziergänge aus, auch über Gebäude zu erzählen, die am Weg liegen und indirekt mit dem Meister der goldenen Bilder zu tun haben.

Nach intensiver Beschäftigung mit der Innenstadt folgt eine Exkursion in die westlichen Vororte: Lainz mit der Hermesvilla, an deren Innenausstattung der junge Absolvent der Kunstgewerbeschule beteiligt war, die Meidlinger Café-Konditorei Tivoli, Schönbrunn mit Schlosspark und Café Dommayer, sowie Hermann Bahrs Hietzinger Domizil. Besondere Bedeutung kommt in dieser Region der Klimt-Villa in Unter St. Veit zu. Ihre wechselvolle Geschichte hätte 1999 fast mit dem Abbruch geendet. Eine Bürgerinitiative konnte das verhindern. Das letzte Atelier wurde rekonstruiert und öffentlich zugänglich gemacht. "Seit 2009 steht die Klimt-Villa unter Denkmalschutz, seit 2014 zählt sie zum EU-Kulturerbe. Das ist würdig und recht. Ehre, wem Ehre gebührt!"

Ganz anders präsentiert sich das Atelier der Künstler-Compagnie in Gumpendorf, nämlich "unauffällig". Hier erinnert nichts an die Werkstätte der berühmten Maler. An Otto Wagners Wienzeilenhäusern vorbei, erreicht man die Secession, deren Mitbegründer und erster Präsident Gustav Klimt war. Ihr wird zu Recht breiter Raum gewidmet, weniger dem Künstlerhaus, aus dem die Nonkonformisten seinerzeit auszogen. Wien Museum und Belvedere bewahren ihre Hauptwerke.

Gegen Ende seines Lebens kehrte Gustav Klimt in die Gegend seiner Kindheit zurück. Er wohnte in der Westbahnstraße. In der Josefstadt hatte er zwei Ateliers gehabt. Sein einziges Selbstportrait befindet sich im Burgtheater. Noch im Stil des Historismus malte er dort um 1888 vier von zehn Deckengemälden. Etwa gleichzeitig entstand ein Bild des Interieurs des alten Burgtheaters. Es "war Türöffner in die feine Gesellschaft, jeder, der auf sich hielt, wollte repräsentativ porträtiert sein." Damals war der Künstler 26 Jahre alt, als er starb, 56. Wenige Monate vor dem Ende des Ersten Weltkriegs war an eine Totenmaske nicht zu denken. Sein Freund Egon Schiele fertigte eine Zeichnung an, die im Leopold-Museum zu sehen ist. Klimts Ehrengrab auf dem Hietzinger Friedhof trägt einen schlichten grauen Stein. Souvenirläden hingegen huldigen dem "Klimbim-Klimtizismus". Im Prater steht die Wachsfigur des Provokateurs in der Kulturabteilung von Madame Tussauds Kabinett, in Gesellschaft von Beethoven, Hundertwasser, Conchita Wurst und Hansi Hinterseer.