unbekannter Gast

Susanne Wolfram (Hg.): Kulturvermittlung heute#

Bild 'NÖKU'

NÖKU-Gruppe, Susanne Wolfram (Hg.): Kulturvermittlung heute. Internationale Perspektiven. Transcript Verlag Bielefeld. 222 S., € 29,99

NÖKU steht für Niederösterreich-Kulturvermittlung - eine der erfolgreichsten Kulturmanagement-Organisationen Europas. Dieses Netzwerk umfasst zwölf Gesellschaften und rund 30 Ausstellungs- und Veranstaltungsbetriebe. Die NÖKU-Gruppe offeriert Angebote für Schulen und außerschulische DialogpartnerInnen und veranstaltet internationale Symposien. Bei den biennal stattfindenden Tagungen setzen sich mehr als 100 ExpertInnen in Theorie und Praxis mit ihrer - früher Museumspädagogik genannten - Tätigkeit auseinander. Etliche Referate der bisher zwei Tagungen liegen nun zum Nachlesen vor. Dazu kommen Interviews, die Susanne Wolfram, Organisatorin und Dramaturgin, mit KulturvermittlerInnen geführt hat.

Thomas Gludovatz, Geschäftsführer des Festspielhauses St Pölten, erklärt im Gespräch, "warum ein zeitgemäßer Kulturbetrieb die Waage halten muss zwischen schwarzen Zahlen und seiner Vision, welches Entwicklungspotenzial in der Kunstrezeption im ländlichen Raum noch liegt und was wir von London lernen können." Wenn er und die NÖKU-Gruppe von Kulturvermittlung spricht, meinen sie "Kunstvermittlung, Wissenschaftsvermittlung, Musikvermittlung, Architektur- und Geschichtsvermittlung, genreübergreifend, interdisziplinär, interkulturell und am besten international."

Friederike Lassy-Beelitz, die Präsidentin des Berufsverbandes für Kunst- und KulturvermittlerInnen in Österreich ist an der Albertina Wien tätig. Seit 2009 gilt die Vermittlung neben den klassischen Aufgaben - Sammeln, Bewahren und Forschung - als vierte Säule der Museumsarbeit. Die Kunsthistorikerin sagt: "KulturvermittlerInnen sind sehr gefragt!" Aber auch: "Wir sind ja keine Weltverbesserungsanstalt". Der Prozentsatz derer, die gerne Museen besuchen, liegt bei 3 % der Bevölkerung, und dieser Anteil ist trotz aller Bemühungen ziemlich gleich geblieben.

Die dritte Gesprächspartnerin war Romy Kolb. Die Tänzerin und Choreographin arbeitet seit Jahren mit Laien im Bereich Community Dance. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass man einer Gruppe sehr viel zutrauen und sie herausfordern kann, doch einschätzen können muss, dass man sie "gleichzeitig nicht zu sehr überfordert". Der Theatermacher und Kurator Airan Berg hat mehrere Orte auf ihrem Weg zur europäischen Kulturhauptstadt begleitet. Dabei wurde die ganze Stadt zur Bühne und er konnte bei den Bewohnern gesellschatliche Transformationsprozesse wecken. Der künstlerische Animateur ist überzeugt: "Jeder Mensch ist ein Kulturschaffender. Kultur kann jede Ausformung von zivilisiertem Zusammenleben sein."

Eines der wörtlich wiedergegebenen Gepräche fand zwischen der Kunstmanagerin Constanze Eiselt und dem Kulturminister von Paraiba (Brasilien), Chico César, statt. In bespielgebenden Projekten hat er dort versucht, "Klassik ins Hinterland" zu bringen. Dabei gelang es, Kindern Zugang zu klassischer Musik zu ermöglichen und ihnen zu vermitteln, mit europäischen Instrumenten brasilianische Musik zu spielen.

Bei der Planung der Symposien standen drei Schlagworte im Zentrum: "Soziale Inklusion", "Partizipation" und "Emotionale Intelligenz". Dementsprechend sind die drei großen Kapitel im Buch übertitelt: "Was heißt denn schon Kulturvermittlung ? Diskurs und Gesellschaft", "Wie soll man denn Kultur vermitteln ? Praxisfelder und Methoden" und "Für wen denn schon Kultur vermitteln ? Dialoggruppen und Forschung". Im Vorwort schreibt Susanne Wolfram: "Die vorliegende Publikation wendet sich an KulturvermittlerInnen, KulturmanagerInnen, Marketingfachleute, sowie an alle, die kulturwissenschaftlich forschen." Diese Feststellung verträgt eine Ergänzung: Alle, die sich für kulturelle Aktivitäten interessieren (die oben zitierten 3 Prozent) aber auch alle, die vom Beruf KulturvermittlerIn zum ersten Mal hören. Der Blick hinter die Kulissen ist auf jeden Fall interessant. Viel Neues lässt sich dabei entdecken.