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Anselm Grün OSB: Engel #

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Anselm Grün OSB: Engel . 50 himmlische Begegnungen. Verlag Herder Freiburg im Breisgau. 128 S., ill., € 25,80

Alle Religionen haben ihre Engel. Der Buddhismus kennt eine Schar dienender Geister. In der griechischen Antike nannte man die Zwischenwesen "Angelos". Darstellungen der geflügelten Begleiterinnen der Göttin Pallas Athene ähneln den Bildern der christlichen Kunst. Esoterische Kreise sind der Faszination der Engel erlegen. Der Ursprung der Engelsvorstellung liegt wohl im Iran. Juden, Christen und Muslime haben sie ausgeformt. Die monotheistischen Religionen sehen die Boten Gottes als geschaffene geistige Wesen. Sie glauben daran, dass der unsichtbare Gott den Menschen durch seine Engel nahe kommt. Die Theologie hat sie lange vernachlässigt. Die Wiederentdeckung ist biblisch fundiert, an vielen Stellen ist im Alten und Neuen Testament von Engeln die Rede. Im vorliegenden Buch widmet sich ein großes Kapitel den Gabriel, Michael, Rafael, den Engeln der Geburt und Auferstehung Jesu, der Apokalypse und den namenlosen Boten Gottes.

Wenn sich bald, wie alle Jahre wieder, die Schaufenster der Buchhandlungen mit Publikationen über die Himmelsboten füllen, wird dieses Werk besonders hervorstechen. Sein Verfasser, der Benediktinerpater Dr. theol. Anselm Grün, gilt derzeit als weltweit populärster christlicher Autor. Seit mehr als einem halben Jahrhundert Mitglied der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg, wirkt er als spiritueller Berater, Vortragender und geistlicher Begleiter. In seinen zahlreichen Veröffentlichungen hat er sich mehrfach mit den Engeln beschäftigt. Jetzt legt er den ersten Bildband zum Thema vor, der sich durch ein erlesenes Layout auszeichnet. Den Grafikern der Münchener Werbeagentur Zero ist eine ebenso abwechslungsreiche wie meditative Gestaltung gelungen. Schade, dass es nur einen Bildnachweis ohne Kurzbeschreibung der gezeigten Kunstwerke gibt. Sie reichen von frühchristlichen Mosaiken bis zu modernen Meisterwerken.

Anselm Grün lädt zu "50 himmlischen Begegnungen" ein. "Engel in der Kunst" ist eine der ersten. "In den mittelalterlichen Buchmalereien ist vor allem der Weihnachtsengel wunderbar dargestellt. Frau Angelico, der selbst den Namen des Engels trägt, hat wunderbare Engel gemalt, die sich durch besondere Schönheit und Zärtlichkeit auszeichnen. In ihnen wird für uns etwas vom Glanz Gottes erfahrbar. Viele Barockkirchen sind voll von Putten, von Kinderengeln, die den Menschen das Gefühl von Leichtigkeit vermitteln. Im 20. Jahrhundert haben Maler wie Paul Klee und Marc Chagall das Thema Engel neu aufgegriffen." Gerne haben Künstler musizierende Engel dargestellt und zahlreiche Komponisten Engellieder geschrieben. Auch die Literatur ist voll von Engeln. Aus der Lyrik von Else Lasker-Schüler, Rose Ausländer und Nelly Sachs wird beispielhaft zitiert.

In seinen konzentrierten Texten zeigt Anselm Grün die Welt der Engel. Schutzengel, Engel der Liebe, der Stille, der Heilung, des Trostes schenken Zuwendung, Hoffnung und Geborgenheit. "Engel gibt es immer wieder", möchte man angesichts dessen in Abwandlung eines Eurovisions-Songs sagen, "wenn sie dir begegnen, mußt du sie auch sehn ". Man erinnert sich an rettende Engel in Menschengestalt. "Auch Menschen, die nicht perfekt sind, können für andere zum Engel werden, wenn sie einfach anpacken, wenn der Augenblick es von ihnen verlangt", ermutigt der Mönch und Meditationslehrer. Man geht mit offenen Augen durch die Stadt oder die Landschaft und entdeckt Darstellungen nicht nur in Kirchen: Weihnachtsengel, Brückenengel, Friedhofsengel … Man meditiert ein wenig und entdeckt bisher unbeachtete Lichtgestalten, wie Engel der Ruhe, des Schlafs, der Zeit, der Freundschaft, der Dankbarkeit, der Geduld, der Gelassenheit, der Zuversicht…

"Wir sind von Engeln umgeben" , ist Anselm Grün überzeugt. Sein Buch regt zu ihrer meditativen Betrachtung an. Vom Verlag als wertvoller Geschenkband konzipiert, richtet es sich in erster Linie an einen spirituell aufgeschlossenen Leserkreis. Doch auch, wer sich nicht zu diesem zählt, kann sich von den weisen Texten und himmlischen Bildern angesprochen fühlen. Neue Einsichten sind vorprogrammiert.