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Stefanie Grüssl: Höhenflüge#

Bild 'Grüssl'

Stefanie Grüssl: Höhenflüge. Österreichs Kulturerbe in Luftaufnahmen. Hg. Burghauptmannschaft Österreich. Amalthea Verlag Wien. 160 S., ill., € 26,-

Golden prägt der Doppeladler das Cover des neuesten Bildbandes. Gerade richtig zum EU-Vorsitz ist das Buch über Österreichs Kulturerbe in deutscher und englischer Sprache erschienen. Es zeigt, so Burghauptmann Reinhold Sahl im Vorwort, "die großartige Vielfalt unseres Landes und präsentiert Österreich als traditionsreiches Kulturland im Herzen der Europäischen Union". Ermöglicht wurde das ebenso schöne wie informative Buch durch eine Kooperation der Burghauptmannschaft und der Flugpolizei des Innenministeriums. Diese verfügt über sieben Einsatzstellen und eine Außenstelle in Wien-Schwechat. Drei Hubschrauber führen jährlich 5000 Einsätze durch. Die Autorin Stefanie Grüssl hat viele begleitet. Die Fotografin und Designerin arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten im Wirtschaftsministerium, für das sie kulturhistorisch bedeutende Gebäude dokumentiert. In den vergangenen drei Jahren hat Stefanie Grüssl an Bord der BMI-Hubschrauber Schlossanlagen, Klöster, öffentliche Gebäude, Einzelobjekte und Landschaften in allen neun Bundesländern und zu jeder Jahreszeit abgelichtet.

Besondere Bedeutung kommt den UNESCO-Weltkulturerbestätten zu: Kulturlandschaft Wachau, Semmeringbahn, Hallstatt, historische Zentren der Städte Salzburg, Graz und Wien, Schloss Eggenberg (Graz), Schloss und Park Schönbrunn (Wien). Die Fotodokumentation zeigt aber nicht nur die besonders schönen Motive. Auch Bahnhöfe, Kasernen, Industrieanlagen und Neubauviertel gelangten in die Auswahl. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es gewesen sein muss, die aussagekräftigsten Aufnahmen auszusuchen. Gleiches gilt für die Texte, die in Kürzestfassung alles Wichtige enthalten. Der Aufbau folgt den neun Bundesländern. Jedes Kapitel beginnt mit einem "Wahrzeichen" und einer Charakteristik des Landes. Das klare Layout verzichtet auf grafische Spielereien. Die Schauseite nimmt jeweils ein ganzseitiges Foto ein, während sich eine größere und zwei kleinere Ansichten sowie die Bildtexte die gegenüber liegende Seite teilen.

Den Einstieg bildet Wien - "Bundeshauptstadt und lebenswerteste Stadt des Planeten" - mit dem Stephansdom als Wahrzeichen. Es folgen die City, charakteristische Gebäudekomplexe, der Kultur gewidmete Anlagen wie Schönbrunn und Belvedere. Erst der Blick von oben macht, durch den Vergleich mit der Umgebung, deren Ausmaß deutlich, ebenso wie die Größe von Parkanlagen oder etwa der Rosssauer Kaserne. Die Gegenwart kommt mit Hauptbahnhof und UNO-City nicht zu kurz.

Als Wahrzeichen Niederösterreichs wählte die Autorin das barocke Rathaus der jüngsten Landeshauptstadt, St. Pölten. Im Kontrast dazu steht das neue Regierungsviertel mit dem 1992 errichteten Klangturm. Die Stifte Göttweig und Melk repräsentieren die Kulturlandschaft Wachau. Der Blick auf Ziegelteiche und verschiedenfarbige Felder wirkt grafisch-abstrakt. Auch Donau und Marchfeldschlösser charakterisieren das größte Bundesland, das mit der Semmeringbahn eine weitere Weltkulturerbestätte besitzt.

Der Pöstlingberg in Linz repräsentiert Oberösterreich, das wie das Land unter der Enns aus fünf Vierteln besteht. Auf sie eröffnen sich faszinierende Blicke, ob es sich um die Industrieanlagen der VÖEST oder die romantischen Salzkammergutseen handelt. Die Festung Hohensalzburg steht für Salzburg mit seinen Schlössern. In Tirol bildet das 500-jährige Goldene Dachl den charakteristischen Mittelpunkt der Hauptstadt. Ein neues Highlight, die Bergiselschanze von Zaha Hadid aus dem Jahr 2003, Berge und Gletscher zeichnen dieses Bundesland aus. Für Vorarlberg gibt der Martinsturm in Bregenz das typische Bild ab. Ganz aktuell ist der Blick auf die weltweit größte Seebühne mit der Inszenierung von "Carmen".

Vom äußersten Westen fliegt man in den Osten. Schloss Esterházy repräsentiert das Burgenland, dessen Vogelschau sich auf Eisenstadt konzentriert. Der Uhrturm auf dem Schlossberg lenkt die Aufmerksamkeit auf die Steiermark. In Graz sind die Kulturerbestätten Altstadt und Schloss Eggenberg besonders einladend. Der Erzberg trägt seit Jahrhunderten Narben der Industrialisierung, dagegen wirkt der schneebedeckte 2351 m hohe Grimming unberührt. Der fiktive Österreichrundflug endet in Kärnten. Der Lindwurm auf dem Brunnen aus dem 16. Jahrhundert schreckt nicht davon ab, die Landeshauptstadt und ihre nähere und weitere Umgebung zu betrachten. Die Aussichtswarte auf dem Pyramidenkogel, eine 100 m hohe Holz-Stahl-Konstruktion aus dem Jahr 2013 darf für sich in Anspruch nehmen, die höchste geschlossene Rutsche Europas zu sein. Das Buch, das man stundenlang studieren oder meditieren kann, endet wie es begonnen hat: mit einem "Nationalsymbol". Der 3798 m hohe Großglockner setzt den Schlusspunkt.