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James Hogg, Karl Thir (Hg.) : Kartäusergärten#

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James Hogg, Karl Thir (Hg.) : Kartäusergärten. Orte der Gottesnähe und der Selbsterfahrung. Mit Beiträgen von Alfred R. Benesch, James Hogg, Gerald Knobloch, Meta Niederkorn, Simone Schüllner, Karl Thir; Übersetzung: Thomas Baumgartner, Karl Thir, Margit Thir-Lameraner, Barbara Trimmel. Living Edition, Pöllauberg. 350 S., ill., € 24,00

Bis heute ist der aus 130 Kräutern destillierte Chartreuselikör als "Elixier für ein langes Leben" weltbekannt. Die Kartäuser sind ein kleiner Orden. Weltweit leben 370 Priestermönche und Laienbrüder in 17 Kartausen, und 75 Kartäuserinnen in fünf Häusern. Die Niederlassungen befinden sich in Europa (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Portugal, Schweiz, Slowenien, Spanien), den USA, Südamerika (Argentinien, Brasilien) und Südkorea. Die Ordensregeln sind strikt kontemplativ. Die Mönche leben streng vegetarisch und dürfen nur am Sonntag einige Stunden mitsammen reden. Ihre besonders langen Gebetszeiten sprachen im Mittelalter Wohltäter an, die sich durch Spenden an eine Kartause ihr "Seelgerät" (eine Stiftung, die ihrem Seelenheil zum Wohl gerät) errichteten.

Der Ordensgründer, Bruno, wurde um 1030 in Köln geboren, studierte und lehrte in Reims Theologie und Philosophie. Er war wohlhabend und sollte Erzbischof werden, doch fühlte er sich vom eremitischen Leben angezogen. Mit einigen Gleichgesinnten zog er sich zunächst in eine Einsiedelei in einem Wald zurück. 1084 errichteten sie bei Grenoble in Frankreich die "Große Kartause" (Notre Dame de casalibus). Die Gründung des Ordens erfolgte 1140, in einer Zeit großer kirchlicher Spannungen, 40 Jahre nach Brunos Tod. 1165 besiedelten Mönche der Großen Kartause die Kartause Seitz im heutigen Slowenien. Von dort kamen Einsiedler nach Mauerbach, wo der Habsburger Kaiser Friedrich I. 1314 die "Kartause Allerheiligenthal" gestiftet hatte. Mönche aus Mauerbach besiedelten 1330 die Doppelkartause Maria Thron in Gaming, gestiftet von Herzog Albrecht II. von Habsburg. Die zweite Filiale von Mauerbach, die "Marienpforte" in Aggsbach, entstand 1380. Es ist charakteristisch für die Anlage der Einsiedlerklöster, dass jeder der (maximal 13) Zellenmönche in einem kleinen, einstöckigen Haus mit Gärtchen (ca. 120 m) betet und arbeitet. Kirche, Kapitelsaal und Speisesaal dienen dem Gemeinschaftsleben, dazu kommen Wirtschaftsgebäude und Werkstätten.

Die drei österreichischen Kartausen bestehen zwar nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion, wurden aber zwei Jahrhunderte nach ihrer Aufhebung vorbildlich revitalisiert. Mauerbach war das erste, das als kontemplatives Kloster bei den Josephinischen Reformen aufgelöst wurde. Das Bundesdenkmalamt richtete darin Restaurierwerkstätten und sein Ausbildungszentrum für Baudenkmalpflege ein. Die Instandsetzung der Anlage erfolgte durch die praktische Arbeit der Teilnehmer. Ein Architekt erwarb die Kartause Gaming, in der er eine Universität, ein 4-Sterne-Hotel mit Restaurants und Wohnungen unterbrachte. Er ließ auch die Kirche mit den Gräbern Herzog Albrechts und seiner Familie wieder herstellen. Die Kartause Aggsbach, der das vorliegende Buch zum Großteil gewidmet ist, erhielt auf Basis der alten Zellenstruktur einen einzigartigen Meditationsgarten.

Ab 1649 war die Baumschule des Pariser Kartäuserklosters Vauvert als Zentrum europäischer Obstkultur berühmt. Es machte die Kartäuser zu Pionieren der Pomologie. 1704 schrieb der dortige Mönch Dom Francois le Gentil das Buch "Der einsiedlerische Gärtner" über seine 30-jährigen Erfahrungen mit Anlage und Pflege von Obst- und Gemüsegärten. Nach mehr als drei Jahrhunderten gab es den Anstoß zur Entstehung des vielseitigen, reich illustrierten Werks "Kartäusergärten". Dieses informiert über Kartäusergärten als "Orte der Gottesnähe und Selbsterfahrung". Prägend sind die beiden Herausgeber, James Hogg und Karl Thir, die mit großer Sachkenntnis und Engagement geschrieben und weitere Expertenbeiträge versammelt haben. Der Doyen der internationalen Kartäuserforschung, James Hogg, war selbst Eremit. Er entschied sich jedoch für die wissenschaftliche Laufbahn und wirkte als Universitätsprofessor am Institut für Anglistik der Universität Salzburg. Der Psychologe Karl Thir leitet den Verein der Freunde der Kartause Aggsbach, unterrichtete am Stiftsgymnasium Melk und lehrt am Viktor-Frankl-Zentrum Wien. Daher sind auch Grundsätze von Frankls Logotherapie, der 3. Wiener Schule der Psychotherapie, in die spirituelle Botschaft des Meditationsgartens Aggsbach eingeflossen. Weitere Beiträge stammen u. a. von der Mediävistin Meta Niederkorn ("Streiflichter aus der Geschichte"), dem Kartäuserprior Dom Marcellin Theeuwes (über die Berufung der Mönche) und dem Landschaftsarchitekten Alfred R. Benesch, der den Meditationsgarten in Aggsbach konzipierte.

Im Zuge der Josephinischen Klosteraufhebungen wurde das gesamte Eremitorium - Zellen und Gärten der Mönche, verbunden mit dem großen Kreuzgang, rund um eine zentrale Friedhofs- und Gartenfläche - sbach abgebrochen und das Baumaterial in der Umgebung wieder verwendet. Die Belebung der Aggsbacher Kartäuserlandschaft begann in den 1980er Jahren mit der Errichtung eines Museums, das die Rekonstruktion einer Zelle, mit Originalmobiliar aus einer französischen Kartause, enthält. 1990 organisierte eine private Initiative die Revitalisierung der zugehörigen Hammerschmiede. Anfang des 21 Jahrhunderts lieferten archäologische Untersuchungen die Basis für die Anlage des Meditationsgartens. Er sollte weder rekonstruiert, noch völlig neu angelegt werden. Vielmehr dienten Fundamente von sieben Zellen als Struktur, die mit zeitgemäßen Mitteln den genius loci der Kartause spürbar machen soll. Die Ahnen der Obstbäume stammen aus der berühmten Pariser Baumschule. Christliche Zier- und Symbolpflanzen für den Blumenschmuck, sowie traditionelle Heil- und Gewürzkräuter wurden mit Bedacht ausgewählt. Farbfotos stellen sie ebenso detailliert vor, wie die Kletterpflanzen. Sie bilden die "grüne Architektur" auf den Metallstangen, welche die Zellen begrenzen. Deren Türen fungieren als Informationstafeln, u .a. mit Texten aus der Ordensregel und von Viktor Frankl.

Das barocke Gartenbuch "Der einsiedlerische Gärtner" bildet den Anhang. Es ist erstaunlich aktuell und kann auch heutigen Bio-Gartenliebhabern Anregungen geben. Nebenbei ist interessant zu lesen, dass der Autor Aussaat, Veredeln oder Baumschnitt zu gewissen Mondphasen 1704 als Aberglauben der alten Gärtner bezeichnet. Er beruft sich dabei auf jahrzehntelange eigene Beobachtungen und den Schöpfer des berühmten königlichen Küchengartens in Versailles, Jean-Baptiste de La Quintinie (1626-1688), der schrieb: "Dieses Gerede war nichts anderes als Unsinn: und tatsächlich können Sie in jeder Phase des Mondes veredeln, vorausgesetzt, dass Sie es richtig machen. der erste Tag des Mondes oder der letzte sind gleich günstig."