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Andreas Jäger: 20 Wetterregeln, die man kennen muss.#

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Andreas Jäger: 20 Wetterregeln, die man kennen muss. Reihe „Das kleine Buch“. Servus Verlag. Wals 2018. 64 S., ill., € 7,-

Wenn man nicht weiss, worüber man mit jemandem reden soll, bietet sich immer noch das Wetter als Thema an. Ganz anders bei diesem "kleinen Buch". Mit einem bekannten Experten als Autor ist der Servus-Edition wieder etwas Erfreuliches gelungen. Wie schon beim kürzlich erschienenen Bändchen über "Stille Nacht" ist kaum zu glauben, wie viel Wissenswertes man auf 64 postkartengroßen Seiten unterbringen kann, dazu noch Fotos und Grafiken.

Andreas Jäger ist ein ausgewiesener Fachmann, studierter Meteorologe und Geophysiker, Moderator und Autor. Er versteht es hervorragend, Expertenwissen leicht verständlich zu vermitteln. Der gebürtige Vorarlberger weiss, wie wichtig es ist, im Gebirge die Wetterregeln zu kennen. Zudem hat er sich mit dem Bergführer Herbert Raffalt zusammengetan, denn "Von diesen Profis, die täglich draußen sind, kann man viel lernen". Die beiden Wetterleser haben 20 charakteristische Zeichen ausgewählt, aus denen man seine Schlüsse ziehen kann (und muss). Wolkentürme zum Beispiel sollte man als Warnung betrachten. Sie können sich innerhalb kürzester Zeit zu heftigen Gewittern entwickeln. Hingegen sind Federwolken ein gutes Zeichen. Die in mehr als 5000 m befindlichen Zirruswolken verheißen ausgezeichnetes Berg- und Fotowetter. Außerdem lassen sie Schlüsse auf das Wetter der nächsten Tage zu.

Halos entstehen, wenn Licht auf Eiskristalle trifft. Meist sind die hellen Ringe um Sonne und Mond Vorboten von Schlechtwetter. Höfe um Mond oder Sterne bilden sich hingegen durch die Beugung des Lichts an den Wassertröpfchen der Wolken. Schon die Assyrer beobachteten vor 2700 Jahren den Mond mit Hof und hielten dies in Keilschrifttafeln fest. Traditionell sind auch alte Bauernregeln. "Abendrot - Schönwetterbot" hat eine hohe Trefferquote. Doch "Morgenrot mit Regen droht" ist "eigentlich zu vernachlässigen". Ähnlich verhält es sich bei "Berg mit Hut - das Wetter wird gut". Der Wolkenhut verheißt - zumindest lokal - eine stabile Wetterlage. "Hat der Berg einen Sabel, wird es miserabel" ist dagegen kaum aussagekräftig.

Seit jeher stellen Gewitter die größte Gefahr dar. Doch gerade hier versagen die großen Wettercomputer regelmäßig, auch sie können nicht genau vorhersagen, wo der Gewitterturm aufsteigen wird. Im Ernstfall sind gute Beobachtung und richtiges Verhalten lebensrettend. "Vergehen zwischen Blitz und Donner nur mehr 10 Sekunden, ist das Gewitter gefährlich nahe (ca. 3 km) und man sollte dringend Deckung suchen." Das Gegenteil zu den gefährlichen Gewitterwolken sind die harmlosen Schäfchenwolken - in 2000 bis 6000 m Höhe - und die darunter liegenden Schönwetterwolken.

Kondensstreifen von Düsenflugzeugen haben die Möglichkeiten der "optischen Wettervorhersage" erweitert. Bleiben sie am Himmel stehen, kündigt sich ein Wetterumschwung an. Löst sich der Streifen aber rasch auf, verweist dies auf sehr trockene Luft in der Flughöhe und das Schönwetter bleibt. Ebenso zeigen Fallstreifen - "wenn Wollen vom Himmel fallen" - trockene Luft. Dann kann sich keine Wolke mit schweren Regentropfen bilden.

"Föhnfische" heißen linsenförmige Wolken. Wenn sie am Himmel stehen, wird es meist nicht vor dem Abend regnen. Bergdohlen sind eine anpassungsfähige Vogelart. Sie kommen vom Atlasgebirge über die Alpen bis zum Himalaja vor. Ihre Brutgebiete erreichen 3800 bis 8200 m. Sieht man sie im Sommer unterhalb der Baumgrenze, ist ein Wettersturz zu befürchten. In seinem klugen "kleinen Buch" erklärt der Meteorologe noch den Regenbogen, das Inversionswetter, die Entstehung von Raureif, Tau und Nebel. Er verrät, was der Glockenklang und aus Schornsteinen aufsteigender Rauch verraten.

"Wetter lesen zu können, war früher eine Frage des Überlebens. Ein Bauer, der das ABC des Wetters nicht beherrschte, drohte im Winter zu verhungern", schreibt Andreas Jäger. Heute müssen Freizeitsportler, wie Paragleiter, Bootsfahrer oder Bergsteiger Wetter lesen können, meint der Autor, denn "Smartphones mit Wetterapp sind in solchen Momenten zu wenig."