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Nikolaus Hofer, Franz Sauer (Hg.): Schloss Hof#

Bild 'Schlosshof'

Nikolaus Hofer, Franz Sauer (Hg.): Schloss Hof. Archäologie – Geschichte – Wiederherstellung. Archäologie aktuell, Band 3. Verlag Ferdinand Berger, Horn 2019. 120 S., ill., € 12,-

Noch bis in die 1980er Jahre zählte Schloss Hof im Marchfeld zu den Lost Places in Niederösterreich. 1725 für Prinz Eugen von Savoyen errichtet, wurde es von Maria Theresia zur größten Landschaftsschlossanlage Österreichs ausgebaut. Sein Barockgarten zählt zu den imposantesten Schlossparks Mitteleuropas.

Lukas von Hildebrandt schuf das Gesamtkunstwerk aus Schloss, Meierhof, Nebengebäuden und einem französischen Garten samt Wasserspielen und allegorischem Figurenschmuck in nur fünf Jahren. 1755 erwarben Franz Stephan und Maria Theresia die Herrschaft Hof. Ihr Sohn Joseph II. zeigte kein Interesse am kunstvollen Barockgarten und den Prunkräumen. Die höfische Nutzung ging zu Ende, die Stallungen dienten der Pferdezucht. Ende des 19. Jahrhunderts zog das Militär ein und richtete ein Reitlehrinstitut für die Artillerie ein. Mobiliar und Kunstgegenstände kamen in das Hofmuseum, das Belvedere, nach Schönbrunn und Laxenburg. Die Sala Terrena, nun ein Turnsaal, büßte ihre eleganten Stuckdekorationen ein. Im Ersten Weltkrieg waren auch Angehörige der Marineakademie, danach Teile der Südmährischen Volkswehr einquartiert. Das Bundesheer der jungen Republik Österreich richtete einen "Kurs für Reit- und Fahrausbildung" ein. "In der nationalsozialistischen Ära wurden zwar wiederum Geldmittel für Wiederherstellungsarbeiten bereitgestellt, doch wurde das Anwesen im Zweiten Weltkrieg und vor allem unter der sowjetischen Besatzungsmacht neuerlich schwer in Mitleidenschaft gezogen", liest man im Kapitel "Der Prunkbau als Kaserne." Jahrzehntelang hielt kaum jemand die Wiederbelebung von Schloss Hof für möglich.

Einen Impuls gab 1986 die Landesausstellung zum 250. Todestag von Prinz Eugen. Nun wurden erste Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, in der Folge weckte der "Marchfelder Schlösserverein" mit Ausstellungen das öffentliche Interesse. Das Bundesdenkmalamt beauftragte ein Parkpflegewerk. "2002, elf Jahre nach Beginn der archäologischen Grabungen und nach einem letzten Versuch eines Ministeriums, Schloss Hof noch schnell an einen koreanischen Konzern zu verkaufen, war schließlich das Eis aus Ignoranz und Unwillen endültig gebrochen", erinnert sich der technische Leiter, Günther Kvapil, an das Erwachen von Schloss Hof. 16 Jahre später war die Revitalisierung von Österreichs größter barocker Schlossanlage auf dem Lande fast abgeschlossen. 300.000 Gäste besuchten sie im Jahr 2017.

Wenn irgendwo der Vergleich mit dem "Dornröschenschloss" angebracht erscheint, dann hier. Doch nicht ein einzelner Prinz hat die "Wiederauferstehung" bewerkstelligt, sondern engagierte Menschen, ein Team hervorragender Forscher, Künstler und Handwerker. Besonders eindrucksvoll sind die wieder hergestellten Wasserspiele. Hier hat die Abteilung Archäologie des Bundesdenkmalamtes ambitionierte Arbeit geleistet. Die frei gelegten Fundamente der Kaskaden, aber auch Wege, ermöglichten die Rekonstruktion. Eine wichtige Quelle waren auch die drei Gemäde von Canaletto. Sie zeigen detailreich die um 1760 in vollster Blüte stehenden Gärten und barocken Strukturen. Andere Einzelheiten - Alleen, Hecken, Bosketten, Lauben, Spaliergehölze, Kübelpflanzen, Blumen - konnten die Gartenexperten alten Musterbüchern entnehmen. Dabei war die Bepflanzung der vier Broderien des Hauptparterres neben dem Schloss eine besondere Hausforderung. Die aus Buchs, Stauden, Blumen, Sand, Ziegelbruch, Ziersplitt , Kohle- und Glasstückchen geformten Ornamente folgen den Motiven französischer Stickereien. Hier mussten erst die richtigen Materialien und Sorten gefunden werden, damit sich zwischen März und November ein farbenfrohes Bild ergibt. Die Blumen werden der Jahreszeit entsprechend mehrmals ausgetauscht. Für die Wasserspiele erwarb Prinz Eugen eigene Quellen in Groißenbrunn, die Archäologen fanden Reste der hölzernen Leitungsrohre. Jetzt sorgt ein modernes System aus sechs Pumpen für die Bewegung der beachtlichen Wassermassen. Pro Stunde fließen 200.000 Liter in die Fontänen und Kaskaden. Das Wasser wird biologisch (und kostengünstig) wieder aubereitet. Die Gartenanlagen von Schloss Hof erstrecken sich mit neun Wasserflächen in sieben Terrassen auf ein km Länge vom Hauptgebäude bis in Niederung. Dass alles wieder in voller Pracht zu bewundern ist, grenzt an ein Wunder. Das vorliegende Buch dokumentiert es in Wort und Bild, und motiviert zu einem Ausflug in das grandiose Festschloss Hof.

hmw