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Georg Markus: Alles aus Neugier#

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Georg Markus: Alles aus Neugier. 40 Geschichten aus 40 Jahren. Amalthea Signum Verlag Wien 2019. 320 S., ill., € 26,-

"Ich habe gar keine besondere Begabung" , soll Albert Einstein gesagt haben, " ich bin nur leidenschaftlich neugierig." Neugier - " das als ein Reiz auftretende Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere, Verborgenes kennenzulernen" - zeichnet nicht nur das Genie aus. Sie ist eine Voraussetzung für journalistische Arbeit. Der Schriftsteller und "Kurier"-Kolumnist Georg Markus ist seit 40 Jahren professionell neugierig. Das Verlangen, Verborgenes aufzuspüren, hat ihn zum Bestsellerautor gemacht. Das Publikum liebt seine zahlreichen "Geschichten mit Geschichte" und erwartet neugierig jedes seiner Bücher.

Das erste waren 1979 - damals noch als Ghostwriter verfasst - Paul Hörbigers Memoiren. Das Interesse an der Schauspielerdynastie ließ den Autor nicht los. 2006 erschien mit "Die Hörbigers" eine umfassende Familienbiographie. Die spannendsten Geschichten hat Georg Markus im vorliegenden Buch zusammengefasst. 14 Familienmitglieder machten im Laufe der Generationen im Theater und beim Film Karriere. Der Name leitet sich vom Wort "Hörbig"/"Herberge" ab, welche die Ahnen in Tirol betrieben. Im 19. Jahrhundert wurde der Urgroßvater der Schauspieler-Brüder Paul und Attila bekannt. Alois Hörbiger soll 1829 die Weihnachtsmesse seiner Heimatpfarre Thierbach bei Wildschönau gerettet haben, weil er die defekte Orgel reparierte. In vielen Bundesländern setzte er alte Instrumente instand und baute 60 neue. Sein bekanntestes Werk steht in der Wiener Altlerchenfelder Kirche, dazu hatte ihn der für die Ausstattung verantwortliche spätere Hofopernarchitekt Eduard van der Nüll berufen.

Weitere Geschichten aus dem Dezennium bis 1989 handeln von Katharina Schratt (1982/83), Wolfgang Amadeus Mozart (1987), dem Spionagefall Redl (1984) und Sigmund Freud (1989) . Katharina Schratt, Schauspielerin und Seelenfreundin Franz Josephs, soll mit dem verwitweten Kaiser eine "Gewissensehe" eingegangen sein. Markus beruft sich auf glaubwürdige Zeugen, die 1934 in das entsprechende Trauungsbuch aus dem Geheimarchiv der Erzdiözese Wien Einblick hatten. Außerdem fand er später heraus, dass die "berechnende Frau" eine ganze Reihe prominenter und wohlhabender Liebhaber hatte und sich "ihre Gunst, vor allem vom Kaiser, teuer bezahlen ließ." Die finanzielle Situation des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart war gar nicht so "schröcklich" wie die überlieferten Bettelbriefe vermuten lassen. Er hatte fast immer Schulden - nicht zuletzt, weil seine Werke ungeschützt waren und andere davon profitierten - aber er verdiente gut. Der Autor wagt Umrechnungen in die heutige Währung, wonach schon das "Wunderkind" von Maria Theresia ein Ehrengeschenk von 100 Dukaten (rund 12000 Euro) erhielt. Für seine Wohnung in der Domgasse zahlte er 480 Gulden Zins (rund 8000 Euro) jährlich.

Aus den Neunzigerjahren haben Verlag und Autor zwei Themen ohne Wahrheitsgehalt ausgewählt: den "lieben Augustin" (1992) und die Fiktion "Sarajevo bleibt ohne Folgen" (1995). "Ob es den lieben Augustin wirklich gegeben hat oder nicht, ist eigentlich 'powidl', wie er selbst wohl gesagt hätte, denn das Wichtigste an ihm ist das Symbolhafte …" Die im Sammelband zuletzt gereihte Geschichte stammt aus dem Satirebuch "Tausend Jahre Kaiserschmarrn".

Besonders gut vertreten ist das dritte Jahrzehnt: "Die Diva und der Mörder" (2004) erzählt von der verhängnisvollen Verbindung der gefeierten Biedermeier-Schauspielerin Therese Krones mit dem polnischen Grafen Severin von Jaroszynski, der versuchte, seinen hochstaplerischen Lebensstil durch einen Raubmord zu finanzieren. Man erfährt auch vom "Tod durch Aberglauben" (2004). Der Komponist Arnold Schönberg litt an panischer Angst vor der Zahl 13 und starb durch einen unglücklichen Zufall am 13. Juli 1951. Eine süße Story ist hingegen jene, wie der Autor das Geheimrezept der Sachertorte fand. Es war im Jubiläumsjahr 2007. Man gedachte des 175. "Geburtstags" der berühmten Mehlspeise und des 100. Todestages ihres Erfinders Franz Sacher. Aus diesem Anlass ließ sich eine Familienangehörige von Markus überreden, ihm das von ihrer Großmutter handschritlich überliefertes Rezept zur Veröffentlichung zu überlassen. Sein Faksimile sieht man im Buch.

Die jüngste Geschichte "Beethovens Verhaftung" (2019) ist darin die erste. Sie erzählt, dass der Komponist auf einem Spaziergang von seinem Sommerquartier in Baden nach Wiener Neustadt für einen Vagabunden gehalten und in Gewahrsam genommen wurde. Mehr als 20 Jahre lang beschäftigte den Autor das Geheimnis um das leere Grab von Mary Vetsera in Mayerling (1993/2014). "Jemand sollte das Skelett der Geliebten des Kronprinzen Rudolf aus ihrem Grab in Heiligenkreuz bei Wien gestohlen haben. So absurd das Ganze klang, erwies es sich doch als richtig. Und für mich begann die vielleicht aufregendste Geschichte meines Lebens" . Sie liest sich wie ein Krimi, nicht nur, was den Mord und Selbstmord anno 1889 betrifft.

Die 40 Geschichten aus 40 Jahren sind ebenso spannend wie humorvoll erzählt. Georg Markus hat sie aktuell überarbeitet und verrät, wie "alles aus Neugier" entstanden ist. Er weiß: wir alle möchten viel erfahren und das möglichst komprimiert. Und genau das ist auch die Idee hinter diesem Buch."

hmw