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Werner Reiss: Ich und Wir#

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Werner Reiss: Ich und Wir. Kompetenz und Meisterschaft. Mit einem Nachwort von Paul F. Röttig. Plattform Verlag Perchtoldsdorf 2019. 108 S., ill., € 19,90

Monsignore DDr. Werner Reiss (* 1941) ist Jurist und Theologe. Er wirkte in Wien als Kaplan, Publizist, in der Erwachsenenbildung, Lehrer an Höheren Schulen, Universitäts-Lektor und Dozent an der Akademie der bildenden Künste. Seit den 1990 Jahren fungiert er als Rektor der Johann-Nepomuk-Kapelle in Wien 9. Das Gotteshaus ist durch seinen Architekten Otto Wagner bekannt, der es im Zuge des Stadtbahnbaues nächst der Station Währinger Straße errichtete. Es gilt als Vorläufer der berühmten Jugendstilkirche Am Steinhof.

Hier versammelt Werner Reiss eine Gottesdienstgemeinde, deren Mitglieder oft von weit her kommen, um seine intellektuellen Homilien zu hören. Diese Predigten verraten, dass ihr Verfasser nicht nur Jurist und Theologe ist, sondern auch Philosoph, Kunstexperte, Soziologe und allgemein sehr belesen. Das vorliegende Buch passt exakt in dieses Schema. Den Einstieg bildet die Bildgeschichte "Kompetenz als Aufstiegsmodell", mit Beispielen vom polynesischen Mythos und einem Platon-Dialog um 400 v. Chr., über alttestamentarische Visionen, byzantinische Malereien, das Exerzitienbüchlein des Ignatius von Loyola, ein Bild aus dem englischen Frühkapitalismus, Revolutionskunst, russische Avantgarde, Bauhaus, Bildstatistik, Luegerdenkmal bis zum Science-Fiction-Magazin.

Der Autor stellt Fragen und findet Antworten. Etwa: Konzentration auf Leistung und verantworteter Umgang mit den Ergebnissen (Nachhaltigkeit) — Wer unterschreibt das nicht? Wie macht man das? — Durch Engagement für die Zivilgesellschaft. Die Überlegungen haben das Buch "Respekt" des einflussreichen amerikanisch-britischen Kultursoziologen Richard Sennett als Voraussetzung. Sennett, zwei Jahre jünger als der Autor, lehrt Soziologie und Geschichte an der New York University. Auch Reiss hielt sich oft in New York auf und ist ein "Theoretiker und Historiker des städtischen Lebens".

Wenn er hier über "Kompetenz und Meisterschaft" philosophiert, tut er dies nicht allein, sondern hat zwanzig FreundInnen um ihre Gedanken gebeten, die im Buch wiedergegeben sind. Eine Kunstphilosophin meint: "Kompetenz ist die überprüfbare Fähigkeit, mit dem Unüberprüfbaren umzugehen." Ein Bühnentechniker sieht den Gegensatz zwischen "früher" und "heute" so: "Früher gab es den Zwang, manchmal den Auftrag, zwischen dem Wahrgenommenen und dem Gewünschten zu unterscheiden. … Das erfordert verschiedene Formen des Distanz-Nehmens. … Heute ist 'Dabei-sein' alles. Das Liquide erfordert, sofort mitzuschwimmen - oder unterzugehen, d.h. nicht mehr wahrgenommen zu werden. " Ein Augenarzt fasst zusammen. "Meisterschaft ist eine Form, in der sich eine Idee manifestiert, um einen Inhalt zu vermitteln."

Ein Patentanwalt formuliert: " Kompetenz ist eine erworbene Fähigkeit, mich überlebensfähig zu machen. Ich muss sie erwerben, obwohl sie mir offenbar mitgegeben wurde." Ein Manager in einem Großkonzern kennt den wichtigen Punkt für eine Führungskraft: "Wenn ich nicht weiterweiß, die Demut des Fragens aufzubringen." Eine Sozialpsychologin erinnert: "Kompetenz ist nicht Computerwissen. Noch immer ist der Mensch da, mit verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten." Ein Unternehmensberater weiß: "Die Königsdisziplin: Sich selbst mit den Augen der anderen sehen, ohne sich kleinzumachen." Ein Diplomingenieur hat erfahren. "Anerkennung und Selbstbild decken sich meistens nicht." Ein Medizinprofessor zitiert Karl Valentin " Wenn man's kann, is ka Kunst, wenn man's nie nicht kann, schon gar net." Ein Sozialpsychologe fasst zusammen: "Schöpferische Fähigkeit (Kreativität) ist vom Standpunkt der humanistischen Psychologie die wichtigste Kompetenz des gesunden, sich entwickelnden Menschen."

Im dritten Kapitel macht sich Werner Reiss philosophische Gedanken über den Text von Richard Sennett, der schrieb: "Wer Können entfalten will, muss den Gegenstand seiner Arbeit als Endzweck begreifen. Er muss in einer Aufgabe aufgehen … Bei der Meisterschaft ist der Gegenstand wiederum Mittel zu einem anderen Zweck: Man will anderen zeigen, was man gemacht hat oder was man geworden ist. Wer Meisterschaft beweisen will, ist zum Teil auf die Anerkennung durch andere angewiesen, aber auch hier gibt es ein Moment eigenständiger Befriedigung, 'das Richtige zu tun' "

Das Nachwort des kleinen, aber sehr anspruchsvollen Buches verfasste DDr. Paul F. Röttig. Der Internationaler Personalmanager und Theologe ist überzeugt, dass "Erfolg hat, wer seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt." Hier schreibt er: "Immer geht es aber um den Erfolg des Wir', der größer sein muss als die Summe des Erfolgs jedes einzelnen 'Ich'. Dabei steht ethische Verantwortung für die Zielerreichung nicht nur im Pflichtenkatalog der Führungsetage, sondern auch jedes einzelnen Mitarbeiters und jeder einzelnen Mitarbeiterin. Von der Generaldirektorin bis zum Putzmann."

hmw