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Manfried Welan: Ein Baum in der Lichtung — Alterserwachen#

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Manfried Welan: Ein Baum in der Lichtung — Alterserwachen. Plattform Verlag Perchtoldsdorf 2019. 160 S.,€ 25,-

"Ein Baum in der Lichtung" ist das Werk eines weisen, alten Menschen, wie es nur wenige gibt. Univ. Prof. Dr. iur. Manfried Welan, Jahrgang 1937, war unter anderem Ministerialkommissär, Präsident der österreichischen Rektorenkonferenz, Dritter Landtagspräsident und Vizepräsident der Österreichischen UNESCO-Kommission. Sein Curriculum Vitae nennt als Hauptarbeitsgebiete: Staat, Recht, Politik, Universität und Umwelt. Er war Mitstreiter Günther Nennings in der Hainburger Au, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und hat neben 250 Fachartikeln 25 Bücher verfasst. Das jüngste enthält seine privaten Erkenntnisse und politischen Bekenntnisse. Es zeigt den Autor, wie nicht anders zu erwarten, vielseitig gebildet und belesen. Er zitiert antike Philosophen ebenso wie William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe, Arthur Schopenhauer, Marie von Ebner-Eschenbach, Armin Berg oder Albert Einstein. Der Verlag übertreibt nicht, wenn er "Alterserwachen" ein "Schatzkästchen für alt und jung, voller Fragen, die zum Nachdenken und Handeln anregen" nennt.

"Wenn man in jungen Jahren gelernt hat, auf viele Weisen glücklich sein zu können, fällt es einem in alten Tagen leichter, glücklich zu sein", philosophiert der über 80-jährige Autor. "Altern ist keine Krankheit, sondern ein Lebens- und Lernprozess" unter dieser Überschrift hat er eine Reihe von Aphorismen formuliert, wie "Altwerden macht frei! Freiheit ist schön, aber mühsam. Weil man so viel lernen muss." Oder: "Habe kein anderes Ziel, als zu leben und dich zu freuen."

Als "Wege zum Glück" nennt der Professor Lesen, Schreiben, Musik und Malen. In diesem Buch, in dem jedes Wort authentisch wirkt, lernt man unbekannte Seiten eines bekannten Mannes kennen. Die Liebe zur klassischen und modernen Literatur verdankte er seiner Mutter und der Städtischen Bücherei. Später prominente Professoren des Rainergymnasiums in Wien-Wieden förderten das Interesse an Musik (Friedrich Cerha, Avantgarde-Komponist) und Malerei (Wolfgang Schönthal, Künstlerhausmitglied). Als Komparse im Burgtheater lernte er viel von den verehrten großen Schauspielern der 1950er und 1960er Jahre. Welan besuchte das Reinhardt-Seminar und wurde ein geschätzter Rhetoriker: "Am liebsten hielt ich Laudationes … die Menschen werden hierzulande zu wenig gelobt und man kann ihnen so eine besondere Freude machen."

Ihm, dem Lehrersohn, machte das Unterrichten Freude, im Gymnasium als Nachhilfe in Deutsch, Mathematik, Latein und Englisch, nach der Promotion als Referent in Rechtskursen. Als Professor führte er oft und gerne Gespräche mit Studierenden. Seine unangenehmste Rolle war die des Prüfers. Lebenslanges Lernen sieht der Autor auch im Alter als wichtig an: "Früher habe ich von Alten und Älteren gelernt. Heute lerne ich mehr und mehr von Jüngeren und Jungen."

In der zweiten Hälfte des Buches geht es um Politik und Demokratie, der Manfried Welan viele seiner Schriften gewidmet hat. So heißt das 14. Kapitel "Keine Demokratie ohne Rechtsstaat, kein Rechtsstaat ohne Demokratie" . "Freiheit und Gleichheit zeichnen den demokratischen Rechtsstaat aus. Ein Ausgleich zwischen beiden ist die Aufgabe jeder Generation." Für den Autor war Demokratie immer mit Frieden verbunden - und Politik ein Prozess des Miteinander-Redens und Aufeinander-Hörens. Anfang der 1980-er Jahre holte Erhard Busek den Rektor der Universität für Bodenkultur in die Wiener Politik. "Als Gemeinderat und Landtagsabgeordneter war ich Mitglied zweier Volksvertretungen. … Man kommt als Abgeordneter in eine neue Welt. … Ein Vorbild war Stadtrat Jörg Mauthe … ein idealistischer Melancholiker, der immer originell war. … Mit Busek machte die Zusammenarbeit viel Spaß, die Tätigkeit war manchmal eine 'Hetz'. "

Voller Weisheit ist auch das 19. Kapitel "Heimat, Muttersprache, Vaterland, Nation, Europa", hier zeigt sich der Autor als '"ein liberaler Patriot mit konservativem Untergrund." In der Folge erläutert er "unsere schönsten und besten Bestimmungen", nämlich § 16 ABGB (Menschenrechtsstaat) und Artikel 1 des Bundes-Verfassungsgesetzes: "Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus. " Diese Formel geht auf die Revolution von 1848 zurück und fand 1920 ihren Niederschlag in der Verfassung. Deren Mitgestalter, der Staatsrechtler Hans Kelsen, schrieb eines der drei für Manfried Welan wichtigsten Bücher (Vom Wesen und Wert der Demokratie, 1920; Karl Jaspers: Die Idee der Universität, 1923; Hans Jonas: Prinzip Verantwortung, 1979). Sein Buch schließt mit dem Plädoyer für eine neue Unabhängigkeitserklärung, eine Österreich-Erklärung, Felix Austria, quo vadis? Wohin gehst Du, glückliches Österreich?

hmw