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Heinrich Natiesta: Eine verdrängte Erfolgsgeschichte#

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Heinrich Natiesta: Eine verdrängte Erfolgsgeschichte. Das Christentum. LIT Verlag Wien. 228 S., € 24,90

Die Bezeichnung "Apologetik" wird hauptsächlich für die Verteidigung des christlichen Glaubens verwendet, lernt man aus "Wikipedia". Die seit dem Spätmittelalter übliche Disziplin wird schon im Neuen Testament erwähnt (1 Petr 3,15), heute ist sie selten geworden. Kirchen-Bashing (bashing - öffentliche Beschimpfung) erscheint aktueller. Um so mehr fällt auf, wenn der Psychotherapeut und Religionspädagoge Heinrich Natiesta dem Christentum sein Buch mit dem Titel "Eine verdrängte Erfolgsgeschichte" widmet. "Zur Klarstellung" schreibt er einleitend: Es kann nicht um den von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch gehen, die Kirchengeschichte schönzufärben, sehr wohl aber muss daran erinnert werden, dass die letzten 2000 Jahre - trotz allem - auch eine Erfolgsgeschichte waren …

Kapitel 1 stellt das Christentum als Eine Religion des Friedens und der Versöhnung und Jesus von Nazaret als "ultimativen Friedensbringer" vor. Dies belegt Heinrich Natiesta mit zahlreichen Bibelstellen, von denen die Bergpredigt (Mt 5) wohl die berühmteste ist: "Selig, die keine Gewalt anwenden. selig, die Frieden stiften..." Doch der Autor geht noch weiter, bis in die Gegenwart. Er listet eine Reihe von "Friedenspäpsten" auf, u. a. Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Auf weltlicher Seite nennt er etwa Dag Hammarskjöld, zweiter Generalsekretär der UNO und protestantischer Mystiker, oder den anglikanischen Geistlichen und Menschenrechtskämpfer Desmond Tutu.

Kapitel 2 bezeichnet das Christentum als Freiheitsreligion und erinnert an den biblischen Ursprung der Menschenrechte, siehe Galaterbrief 3,28: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich, denn ihr alle seid einer in Jesus Christus." Dieser habe zwar nie das Thema Sklaverei behandelt, aber ihr mit seiner Botschaft grundsätzlich die Legitimation entzogen, führt der Theologe aus. Ein anderes Jesuswort habe Geschichte geschrieben: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört" (Mt 22,21). Es enthält im Kern bereits die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht. Die Trennung von Kirche und Staat, die Gewaltenteilung und die Menschenrechte sind für unsere moderne Demokratie konstitutiv. Sie alle haben ihre Wurzeln in Bibel und Christentum.

Jedem Kapitel ist am Ende eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte beigegeben. So auch bei Kapitel 3 Jesus und die Frauen. Hier verweisen die Abstracts auf die Apostolin Junia und die Diakonin Phoebe, mit denen Paulus eng zusammenarbeitete. Es fehlt nicht der Hinweis, Das ärgerliche "Die Frauen sollen in der Gemeinde schweigen" ist ein nachträglicher Einschub in den Paulus-Text. Hildegard von Bingen und moderne Ordensfrauen werden als Emanzipierte vorgestellt.

Kapitel 4 ist übertitelt Eine Religion der Bildung und Wissenschaft. Hier kommt die Tradition der Domschulen und Klosterbibliotheken ins Spiel, ebenso eine Reihe moderner Naturwissenschaftler: Der erste, Johannes Kepler, der die Planetengesetze formulierte, war nicht nur Astronom, sondern auch evangelischer Theologe. Der Jesuit Matteo Ricchi zeichnete um 1600 die erste Weltkarte mit der richtigen Lage von China und Amerika. Überhaupt spielte die Gesellschaft Jesu eine einzigartige Rolle als "Bildungsgroßmacht". Der Augustiner-Abt Gregor Mendel wurde durch die nach ihm benannte Vererbungslehre berühmt.

In Kapitel 5 präsentiert sich das Christentum als Eine Kultur-Religion par excellence. Das beginnt schon bei der Bibel, die in hohem Ausmaß unsere Sprache prägte: Die europäischen Nationalsprachen verdanken weitgehend Bibelübersetzungen ihre Entstehung. Zahlreiche Redewendungen stammen aus der Heiligen Schrift. Die allgemein übliche Zeitrechnung, vor bzw. nach Christi Geburt, entwickelte der römische Abt Dionysius Exiguus im 6. Jahrhundert auf päpstlichen Auftrag. Musik und Kunst sind weitere Themen dieses Abschnittes. Hier verweist der Autor u. a. auf den tiefgläubigen Protstanten Johann Sebastian Bach, das "Dreigestirn der italienischen Hochrenaissance Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo." In einer Tour d' Horizon führt er zu Meisterwerken der Kirchenarchitektur in Italien, Deutschland, Frankreich und Österreich.

Kapitel 6 nennt sich Nächstenliebe für alle. Es beginnt ganz aktuell mit der Corona-Krise; Zu den Grundwerten, die eine Gesellschaft zusammenhalten, gehört unbestritten die Solidarität. … Heute heißt Solidarität, was früher die christliche Nächstenliebe war. Sie kommt von Jesus, von der Bibel her und hat die Geschichte Europas nachhaltig geprägt. Arme, Kinder, Behinderte, Waisen und Kranke wurden seit alters her von kirchlichen Einrichtungen versorgt. Die "herausragenden Beispiele der Nächstenliebe" umfassen Persönlichkeiten von Franz von Assisi und Elisabeth von Thüringen (um 1200) bis in die Gegenwart mit P. Georg Sporschill, dem "Engel der Straßenkinder" in Rumänien oder dem Franziskaner Peter Tabichi, der zum besten Lehrer Afrikas gekürt wurde. In Österreich betreuen heute 23 Ordensspitäler ein Fünftel der Krankenhausbetten.

Wenn man sich bewusst macht, welchen Beitrag Christen geleistet haben, kann man mit dem Autor von einer "Erfolgsgeschichte" sprechen. Sie w:rd nie abgeschlossen sein: Dringend gebraucht werden Christen aller Bekenntnisse, die ihren Beitrag zum Zusammenhalt und zu einer guten Zukunft der Gesellschaft leisten (vgl. Mt 5,13a).

hmw