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Ilse Retzek: Stadtführer Bad Ischl#

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Ilse Retzek: Stadtführer Bad Ischl. Kral Verlag Berndorf. 224 S., ill., € 19,90

2024 werden Bad Ischl und 20 weitere Salzkammergutgemeinden "Europäische Kulturhauptstadt". An Bekanntheit mangelt es der Region keineswegs. Reminiszenzen an Franz Joseph und Elisabeth sind untrennbar mit Ischl verbunden. Allenthalben finden sich in der Kurstadt gepflegte historische Gebäude, die an das Kaiserpaar erinnern. Musik liegt in der Luft, Operettenkomponisten wie Oscar Straus, Franz Lehár, Leo Fall oder Emmerich Kálmán residierten hier. Die Kurtradition, die prominente Gäste brachte, ist sprichwörtlich. 1906 wurde Ischl in Bad Ischl umbenannt, 1920 folgte die offizielle Anerkennung als "Kurort". Nur auf der Suche nach einem Stadtführer wurde man nicht fündig. Darüber war die Kommunikationsmanagerin Ilse Retzek so erstaunt, dass sie ihn gleich selbst schrieb.

Professionalität und Ortskenntnis zeichnen ihr Buch aus. Die Autorin, die den "Salzkammergood"-Blog betreibt, lebt am Attersee und in Bad Ischl. Die Publikation erschien in der Reihe "Erlebnis-Führer" im Kral-Verlag. Sie folgt dem Motto "Fakten - Wissenswertes -Tipps - Raritäten". Als ideale Reisebegleiter enthalten die Führer auch Karten, hier Stadtplan, Umgebungskarte und Busplan. Das Konzept ist wohl überlegt und hat nur einen einzigen Fehler. Um die Fülle an Informationen im handlichen Buchformat unterzubringen, ist der kleine Schriftgrad von 10 Punkt nötig. Wenn der Text dann noch bunt gedruckt und andersfarbig unterlegt ist, wird manches Wissenswerte unleserlich. Schade um die wertvollen Inhalte der Kästen, die prominente Ischl-Liebhaber vorstellen und die sogenannten Splitter, die über außergewöhnliche Ereignisse informieren.

Ischl ist mit 14.112 Einwohnern und rund 163 km² nicht groß, aber reich an Geschichte. Hand in Hand gingen Salz, Kur, Kaiser, Künstler und Prominenz, bis die Kriege auch hier ihre schaurigen Kapitel aufschlugen. … Mit der Landesgartenschau 2015 hat die Stadt optisch wie infrastrukturell zugelegt und ein Selbstbewusstsein entwickelt, das Vergangenheit und Gegenwart auf lebendigem Niveau verbindet. … Die Krönung der positiven Entwicklung wird 2024 folgen. Als Bannerstadt der Region Salzkammergut wird der Titel Europäische Kulturhauptstadt den Namen Bad Ischl in die Welt hinaustragen, heißt es in der Einleitung. Einer grafisch hübsch gestalteten Übersicht "Bad Ischl in Zahlen" folgen geschichtliche Daten von den Kelten (400 bis 15 v. Chr.) bis 2020. Markante Jahreszahlen sind etwa 1466 die Verleihung des Marktrechts, 1563 das Anschlagen des ersten Salzstollens, 1821 die Begründung des Kurwesens, 1877 die Eröffnung der Salzkammergutbahn, 1940 die Stadterhebung oder 1959 die erste Fahrt der Katrin-Seilbahn. Auf den nächsten Seiten erfährt man Interessantes über das Salzkammergut und seine Geologie, die Römer - "Hipposandalen und Grabsteine" - Salz, "das weiße Gold" sowie "Das Holz und seine Wege".

Solcherart bestens mit Basisinformation versorgt, kann man sich auf Spaziergänge durch die Stadt begeben. Man beginnt Auf kaiserlichen Spuren: Kaiservilla, Kaisergarten, Jagdstandbild, Schratt-Villa, Elisabeths Marmorschlössl und der neue Sisi-Park sind die noblen Ziele. Viele Bilder illustrieren sie, ein Plan hilft bei der Orientierung und Piktogramme geben weitere Hinweise. Dabei hat die Autorin auch auf Kriterien wie "preiswert" oder "buggytauglich" geachtet.

Das Zentrum erkunden können Eilige in 15 Minuten, während sich Interessierte eine Stunde Zeit nehmen sollten. Der Weg folgt einem Quadrat aus vier Straßen. Er geht von der klassizistischen Trinkhalle, um 1830 das erste Symbol der aufstrebenden Kurstadt, aus. Weiter wandert man durch die Pfarrgasse, zum Kreuzplatz mit Brunnen und Kapelle, zum Lehár-Theater und zum Post- und Telegraphenamt. Modern ausgestattet, war es für den Kaiser in der Sommerresidenz unverzichtbar.

Die dritte Route hat die Autorin Entlang der Traun zusammengestellt. Man kann die 2,8 km bequem in 1 ¼ Stunden absolvieren, wer es eilig hat, in 35 Minuten. Die Route folgt dem Treppelweg, auf dem einst Pferde die Schiffe von Ebensee flussaufwärts zurück zu den Salzladeplätzen zogen. Im Sudwerk, wo bis 1965 Salz gesotten wurde, hat nun die Salzkammergut-Tourismus GmbH ihre Büros. Die "Villa am Gries" diente als Dependance des Kaiserhauses. Der Franz-Lehár-Kai trägt seinen Namen nach dem Operettenkomponisten, der hier eine Villa besaß. Unweit davon wohnte der Startenor Richard Tauber, nach dem ein Steg benannt ist. Von diesem gelangt man über die Esplanade wieder zum Zentrum.

Route vier führt auf 2 km Von der Salzstadt zur Kurstadt. Die historische Trinkhalle, Kurhaus und Kurpark, das von Clemens Holzmeister geplante neue Kurmittelhaus, das 2018 zum Wellnesshotel mutierte, und die denkmalgeschützte ehemalige Kurdirektion aus dem Jahr 1954 sind einige der Stationen.

Schließlich stellt sich Ischl als Operettenstadt vor, wobei die Lehárbüste im Kurgarten den stilechten Ausgangspunkt bildet. Klingende Namen dabei sind Oscar Straus, Leo Fall, Alexander Girardi, Carl Michael Ziehrer oder Johann Strauß. Der Walzerkönig komponierte, so eine Gedenktafel, "unsterbliche Melodien, oftmals angeregt in seinem Stammcafé." Lehar, dem seit 1961 eine Operettenwoche gewidmet ist, meinte: In Ischl hab ich immer die besten Einfälle!

Die zweite Hälfte des Buches widmet sich Kultur und Freizeit, einem umfangreichen Serviceteil und Ausflugstipps für die nähere Umgebung. Die abschließenden zehn Salzkammergut-Highlights im 30 km-Radius führen zur Sehnsuchtsdestination Attersee, zum Weltkulturerbe Hallstatt, nach Bad Goisern, auf den Feuerkogel, nach Gmunden, durch das Wanderparadies Postalm, ins Ausseerland, mit der Zahnradbahn auf den Schafberg, an den Schwarzensee und auf den Krippenstein.

Der Stadtführer Bad Ischl kommt rechtzeitig zum Kulturhauptstadt-Jahr. Dessen Motto lautet "Kultur ist das neue Salz". Ziel sei es, "das Salzkammergut zu einer pulsierenden offenen Kulturregion zu machen, in der Begegnungen wichtiger sind als die touristische Kulisse." Schon zuvor sollte man aber nicht versäumen, die Gegend mit dem neuen Buch zu erkunden.

hmw