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Beatrix Binder (Hg.): Salzburger Bauernkalender 2021#

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Beatrix Binder (Hg.): Salzburger Bauernkalender 2021. Verlag Anton Pustet Salzburg. 208 S., ill., € 11,90

Vom rechten Maß übertitelt Beatrix Binder ihr Vorwort. Die Lektorin des Pustet-Verlags hat die Redaktion des Kalenders neu übernommen. Schon beim Durchblättern merkt man, dass ihr dabei das rechte Maß gelungen ist. In seinem 114. Erscheinungsjahr präsentiert sich der Almanach moderat modernisiert. Der Einstieg zeigt sich traditionell, mit dem bis 1988 verwendeten alten Titelbild, das eine Bauernfamilie zeigt, wie sie dem früheren Idealbild entsprochen hat: Den Mittelpunkt bildet ein Kruzifix am Feldrand mit Bergen im Hintergrund, links sitzt die Mutter mit schlafendem Baby auf dem Schoß, rechts sät der Bauer mit kräftiger Handbewegung. Beibehalten wurden die Tuschezeichnungen des bekannten Salzburger Malers Wilhelm Kaufmann (1901-1999), die das Kalendarium umrahmen. Das Layout der fast 40 reich illustrierten Textbeiträge hat Tanja Kühnel behutsam dem Stil angepasst, den LeserInnen von Land-und-Leute-Leben-Magazinen schätzen.

Beatrix Binder, die neue "Kalenderfrau", hat die Artikel unter dem Motto Im Einklang mit der Natur thematisch gegliedert. Dazwischen sind in bewährter Weise Geschichten und Gedichte eingestreut. In Land und Leben erfährt man von vom Alltag der LandwirtInnen einst und jetzt. Die Flachgauerin Maria Kirchner erzählt über das Leben der Bauernkinder in den 1960er Jahren. Kaum zu glauben, dass es noch so traditionell war, wie es sonst alte Menschen berichten. Die Salzburger Landesbäuerin Claudia Entleitner wurde damals geboren und ist gelernte Krankenschwester. Jetzt bewirtschaftet sie mit ihrer Familie einen Biobetrieb mit 120 Rindern, 30 Schafen, Pferden, Hühnern und Schweinen im Pinzgau, dazu eine 130 ha große Alm. Die Almwirtschaft ist ihr großes Thema. Auch Josef Wesenauer hat seinem Beruf den Rücken gekehrt. Der gelernte Koch wirkt im Flachgau als Bauer, Baumwart und Landesobmann der Obst- und Gartenbauvereine des Bundeslandes. Auf seinem 800 m hoch gelegenen Gut wächst "alles, was man zum Leben und in der Küche braucht". Gerne teilt er seine Erfahrungen.

In Natur und Umwelt kommt der Wolfsbeauftragte Hubert Stock zu Wort. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich Wölfe im Alpengebiet ausbreiten werden. Diese Zeit sollten wir nutzen … Wölfe sind sehr anpassungs- und lernfähig. Sie kommen gut mit der Menschenwelt zurecht … Wir sollten den Wolf nicht verniedlichen, ihn aber auch nicht wieder zum Bösen machen. Die Zeit der Märchen ist vorüber. Unsere Vernunft ist gefordert. … Von Wölfen stammen unsere Hunde ab. Wer einem größeren Hund in die Augen schaut, weiß, dass der Wolf zurückblickt. Die Zukunft des Wassers ist eine Überlebensfrage für die Landwirtschaft. Der ZAMG-Meteorologe Alexander Ohms beschäftigt sich sachlich mit dem Klimawandel. Der Umweltwissenschaftler Jan Christian Habel von der Universität Salzburg konstatiert das Schwinden der Schmetterlinge. Auch die Schleiereulen sind selten geworden, doch für sie gibt es durch ein privates Projekt Hoffnung. Nistkästen in Bauernhöfen lassen die Zahl der Brutpaare und Jungeulen steigen.

In Tradition und Geschichte lernt man Bräuche ebenso kennen wie die historische Arbeitswelt. Der Kulturaktivist Fritz Messner schreibt über das Schicksal der Glashütte in St. Michael im Lungau. Sie war im 19. Jahrhundert nur vier Jahrzehnte in Betrieb, diente dann als Armenhaus und Lagerhalle. 2017 erweckte ein Kulturverein den Steinbau zu neuem Leben. Ein engagiertes Theaterprojekt entstand, wobei ein Stück die Firmengeschichte darstellt und weitere über das Leben der Dorfbevölkerung in Vorbereitung sind. Und dass das nun noch dazu in einem historischen Gebäude stattindet, das in seiner architektonischen Klarheit wohl einer der momentan eindrucksvollsten Kulturräume Salzburgs ist, ist einfach ein Glücksfall, freut sich der Autor. Der ehemalige Lehrer Robert Resch schildert das Feldwegbeten im Flachgau, das für ihn zum immateriellen Kulturerbe zählt. Gegen eine Aufnahme in die UNESCO-Liste spricht aber, dass der Brauch nicht mehr besteht. Ein anderer, das Greangehen in niederösterreichschen Weinbaugemeinden, hat es hingegen geschafft. Der Arbeitsbrauch am Ostermontag erinnert an die biblischen Emmausjünger. Michael Greger, der Leiter des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde, erwähnt ihn in seinem Beitrag "Bleibe bei uns, Herr". In Salzburg finden sich die Apostel und Jesus mehrfach auf Wirtshausmauern.

Selbstg'macht schildert zunächst Das Glück vom Pech. Doris Kern, hauptberuflich Projektmanagerin in der IT-Branche, gibt Anleitungen zur Herstellung von Salben aus Baumharz. Die Verlagslektorin Martina Schneider betätigt sich nebenbei als Imkerin. Beiträge über Mehl und Brot wecken nostalgische Reminiszenzen. Hollertascherl schmecken köstlich, schade, dass es nicht mehr solcher Rezepte gibt. Sie hätten die Seiten besser gefüllt als längst überholte pseudo-volkskundliche Meinungen über "Erdgöttin Holle", "Opfergaben" oder "Wolkengott Wotan".

Wissen führt in die Gegenwart und zu zukunftsweisenden Initiativen, wie "Land schafft Leben", Ernährungsmittelsicherung, Lagerhaus-Partnerschaft und Ab-Hof-Betriebe. Ein Serviceteil mit Tabellen und Adressen wird für die Zielgruppe der Salzburger Bauern sicher nützlich sein. Die überwiegende Anzahl der Artikel ist auch für breitere Leserkreise interessant. Die - neue - Liste der AutorInnen ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der Redaktion.

hmw