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Michael Schottenberg: Österreich für Entdecker#

Bild 'Schottenberg'

Michael Schottenberg: Österreich für Entdecker . Schotti to go. 288 S., ill., Amalthea Verlag Wien, € 25,-

Man kennt Michael "Schotti" Schottenberg als Schauspieler, langjährigen Volkstheater-Direktor und Dancing Star. Als Reiseschriftsteller hat er sich mit Büchern über Indien, Burma, Vietnam und an Bord eines Frachtschiffes einen Namen gemacht. Doch, wozu in die Ferne schweifen, wenn es auch in Österreich so viel Unbekanntes und Kurioses zu entdecken gibt? Die Texte sprühen von Humor und Weisheit, der Autor ergänzt sie mit 90 privaten Reisefotos.

Auf der Expedition des Abenteurers durch die Heimat lernt man unbekannte Seiten an ihm kennen. In Wahrheit bin ich ganz anders, stellt er einleitend fest. In seinen fein gewürzten Reiseberichten gibt "Schotti" eine Menge von sich preis. Er outet sich als "bekennender Kuscheltierexperte", "Zugvogel" mit Kärntner Kasnudeln als Leibspeise oder "Botschafter der Dogglpartei", der "Nachhaltigkeit und 'Bio' und 'Öko' und all das Zeug" schätzt. Graz nennt er seinen "Sehnsuchtsort", Salzburg wurde ihm zum "Schicksalsort", denn Im Reinhardt-Seminar wollten sie mich nicht, also musste ich ausweichen. Wenn es um Radfahren oder guten Wein geht, entwickelt der Autor missionarischen Eifer.

Die Selbstbeschreibungen lassen schon ahnen, wo sich der Angehörige der "Wollmilchsau-Kategorie" ein Jahr lang herumgetrieben hat. Er beschreibt 9 mal 5 Ziele in den Bundesländern und setzt vor jedes Kapitel einführende "Gedanken". In Wien haben es ihm der Großmarkt Inzersdorf, der Kahlenberger Friedhof und das letzte Tröpferlbad - in Ottakring - angetan. Beim Jugenndstilmeisterwerk, der mit einer Goldkuppel bekrönten Kirche Am Steinhof erinnert er nicht nur an deren glänzende Schönheit, sondern auch an die düstere Vergangenheit der einstigen Anstalt Am Spiegelgrund. Ebenso ist in anderen Kapiteln, wie über das Strandbad Kritzendorf, den Uhudler oder Frankenburg sein Appell Wir dürfen niemals vergessen eindringlich zu hören.

In Niederösterreich weckt die Wehrkirchenstraße sein Interesse: Ab dem 15. Jahrhundert boten die Kirchen Zuflucht vor einfallenden Horden … Ein Freilichtmuseum der speziellen Art. Darüber hinaus bietet das "Land der tausend Hügel" Sportlern, Wanderern und Schlemmern "Abwechslung pur". Vielleicht macht die vergleichsweise dezente touristische Vermarktung das "betörende bucklige Land" besonders ansprechend. Hingegen lassen die "Bespaßungen" im oberösterreichischen Baumkronenwanderweg die Laune des Besuchers "endgültig kippen". Viele, viel zu viele Besucher strömen in das Waldstück im südlichen Ausläufer des Sauwalds zwischen Donau und Inn und rauben den Tieren ihren Lebensraum. … Denn der Wald in seiner ursprünglichen Form existiert hier nicht mehr. Fortschritt und Innovation beißen sich in den eigenen Touristenschwanz.

Ganz anders erlebt der Reisende die Natur im Vogelparadies Lange Lacke im Burgenland. Früh am Morgen, wenn der große Parkplatz noch leer ist, verwandelt sich der Hobby-Ornithologe zum staunenden Vogelbeschauer: Mehr Natur geht nicht. Weiter geht es in die Steiermark. Wenn einer wissen will, wie das Ende der Welt aussieht, hier erfährt er es, kommentiert der Fremde einen Besuch in der Kernölmühle. Doch nach dem Genuss von Backhendel und Schilcherwein scheidet man als Freunde und fühlt sich wie in einem dieser herrlichen Filme von Bunuel oder Lelouch oder Truffaut. In Tirol löst sich das Rätsel um die Doggl-Partei: Doggl heißt hierzulande Schuh. Ein Familienbetrieb im Zillertal stellt die Fußbekleidung aus Filz her und erfreut sich prominenter Kunden wie Otto Schenk, Vivian Westwood, Papst Benedikt XVL und neuerdings Michael Schottenberg. Diesen reizen stets besondere Menschen. In Vorarlberg zählen dazu ein Tischler und ein Holzbildhauer, von den historischen Persönlichkeiten der Sozialreformer Franz Michael Felder (1839-1869) und der Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961).

Am Ende seiner Österreichrallye hat der Autor verschiedenste Typen nicht nur kennen, sondern auch verstehen gelernt. "Verstehst?" fragten ihn Interviewpartner, ob es sich um den "Hintern" einer Kärntner Zuchtstute oder die Werke eines aufstrebenden Vorarlberger Künstlers handelt. Und der Gast, der in die ihm fremden Welten eingetaucht ist, antwortet selbstredend: Ich verstehe.

hmw