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Alfred Willander: Baden bei Wien - Stadt der Musik#

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Alfred Willander: Baden bei Wien - Stadt der Musik. Kral Verlag Berndorf. 216 S., ill., € 29,90

Baden bei Wien wurde "Weltkurort", "Kaiserstadt" und "Operettenmetropole" genannt. Schon die Römer haben die Heilkraft der Badener Schwefelquellen gekannt und genützt. … Aber nicht nur die Heilquellen zogen Fremde an, auch die Reize der Stadt selbst und ihrer Umgebung luden in späteren Zeiten zu Sommeraufenthalten ein. Die prominentesten waren wohl die Mitglieder des Kaiserhauses, die hier ab 1803 drei Jahrzehnte hindurch ihre Sommer verbrachten. Diese Blütezeit endete, nachdem 1832 ein Hauptmann, dessen Beförderung nicht berücksichtigt wurde, ein Attentat auf Kronprinz Ferdinand verübte. Ein beherzter Gärtner vereitelte den Anschlag. Doch die kaiserliche Familie fühlte sich in Baden nicht mehr sicher und verlegte ihre Sommerresidenz nach Laxenburg. Als diese Rolle noch der Kurstadt zufiel, siedelten sich dem Hof nahestehende Personen in Baden an. Der Stararchitekt des Biedermeier, Joseph Kornhäusel, baute nicht nur ihre Villen, sondern auch ein Theater. Die Zeitgenossen nannten es "Hoftheater an der Schwechat" und die Bühne "bemühte sich auch redlich, diesem Ruf voll und ganz zu entsprechen." In den 1860er Jahren bildeten Operetten von Jacques Offenbach und Franz von Suppé das Repertoire. Werke der Komponisten Carl Millöcker, Johann Strauß Sohn, Carl Zeller, Carl Michael Ziehrer und Karl Komzák fanden sich bald auf dem Spielplan, rund 20 verschiedene Stücke in einer Saison. Der Militärkapellmeister Karl Komzák (1850-1905) wurde 1892 zum Kurkapellmeister bestellt. Der Walzer "Bad'ner Madln" ist seine bekannteste Komposition. Komzák verunglückte tödlich, als er auf einen anfahrenden Zug aufspringen wollte. Franz Lehàr bewarb sich um seine Nachfolge, war aber den Stadtvätern "zu minder". Wenig später wurde seine Operette "Die lustige Witwe" zum Welterfolg. In der Spielzeit 1904-1908 war sie das meist gespielte Stück in Baden, wobei manchmal der Komponist dirigierte. Kaum ein Großer der Musikgeschichte, der nicht in Baden gewohnt, gebadet, musiziert, dirigiert oder komponiert hat.

Es sind liebenswürdige Anekdoten um prominente Komponisten, Sänger und Instrumentalisten, ebenso wie akribisch aufgelistete Fakten, die Alfred Willander in seiner Musikgeschichte aus Badener Sicht versammelt. Der Autor schrieb seine Dissertation über Das Kirchenmusikarchiv der Stadtpfarrkirche St. Stephan zu Baden mit Beiträgen zur Musikgeschichte der Stadt Baden. Sie bildet den Grundstock des großformatigen, reich illustrierten Buches, das (nach 2007) nun in der aktualisierten zweiten Auflage erschien. Der gebürtige Badener war Landesmusikreferent der Kulturabteilung Niederösterreich und langjähriger wissenschaftlicher Betreuer des Beethovenhauses in seiner Heimatstadt. Auch in der Pension vertritt er Österreich als Juror bei internationalen Musikwettbewerben, ist als Vortragender und Autor aktiv.

Die Musikgeschichte Badens beginnt 1373 mit einer Schenkung, die auf eine Choralschola des Augustinerklosters schließen lässt. Seit dem 15. Jahrhundert gab es Vorschriften für die Kirchenmusik, die zu den Aufgaben des Schulmeisters zählte. Diesen Dienst versah auch Anton Stoll (1746-1805), ein Freund Mozarts, bei dem der Komponist seine kurende Gattin einquartierte. Wolfgang Amadeus Mozart kam zum ersten Mal als Siebzehnjähriger mit seinem Vater nach Baden, der die kleine Stadt lobte: Es gebe hier viele Bäder, wie in Gastein, aber bequemer. Die meisten Häuser seien zur Aufnahme von Fremden eingerichtet, die Prinzipalin der Komödie agiere recht gut. W.A. Mozart schrieb zwischen 1789 und 1891 rund 40 Briefe aus und nach Baden. Noch schreibfreudiger war Ludwig van Beethoven der sich zwischen 1803 und 1825 hier aufhielt und u. a. an seiner 3., 6. und 9. Symphonie arbeitete. Mit seiner Ouvertüre "Zur Weihe des Hauses" wurde nicht nur das Theater in der Josefstadt, sondern auch das Badener Theater (unter demselben Direktor) eröffnet. Als Korrespondenz Beethovens aus und nach Baden listet Alfred Willander mehr als 160 Schriftstücke auf. Der Autor widmet sich mit wissenschaftlicher Genauigkeit zahlreichen berühmten und weniger bekannten Musikerpersönlichkeiten bis in die Gegenwart. Er erzählt von markanten Bauten und ihrer Geschichte, wie Kurhotel Esplanade, Redoutengebäude, Sommerarena, Stadttheater, Hilde-Wegener-Künstlerheim …

Weitere interessante Kapitel sind der Kirchenmusikpflege, Kompositionen, die mit Baden in Zusammenhang stehen, Musikergedenktafeln und -denkmälern (vor allem, aber nicht nur im Kurpark) gewidmet. Es mag verwundern, dass das Vorwort von Dr. Erik Werba (1918-1992) vor mehr als vier Jahrzehnten verfasst wurde. Als Baden damals die 500-Jahr-Feier der Stadterhebung feierte, erschien Willanders auf seiner Dissertation basierende "Musikgeschichte". Werba, Sohn eines Badener Gemeinderates und führender Liedbegleiter in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, schrieb 1980, er habe die Hoffnung, dass das Buch Einheimischen und Freunden der Kurstadt lebendige Erinnerungen wieder bringen und jüngeren Lesern die starke musikalische Anziehungskraft Badens bekannt machen werde. Sein Wunsch hat sich wohl erfüllt - und ist aktuell geblieben.

hmw