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Sabine M. Gruber: 111 Gärten und Parks in Wien, die man gesehen haben muss#

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Sabine M. Gruber: 111 Gärten und Parks in Wien, die man gesehen haben muss. Emons Verlag Köln. 240 S., ill., € 19,50

Mit mehr als der Hälfte ihrer Fläche gilt Wien als "grünste Stadt der Welt". Allein die Magistratsabteilung 42 - "Wiener Stadtgärten" - betreut mehr als 1000 Anlagen. Die ehemals kaiserlichen Parks - Hofburggärten (Burggarten, Volksgarten, Heldenplatz, Maria-Theresien-Platz), Schönbrunn, Augarten und Belvedere sind heute Bundesgärten. Dazu kommen unzählige private Gärten. Bis ins 19. Jahrhundert bezeichnete "Garten" ein kultiviertes, eingefriedetes Stück Land. Bei "Park" denkt man an weitläufige Schlossparks ebenso wie an den "Beserlpark". Aus dieser Fülle hat Sabine M. Gruber 111 Beispiele ausgesucht, Es sind interessante, schöne, bedeutsame, stimmungsvolle, wie die Autorin feststellt, um verschiedenste Facetten zu beleuchten.

Die Auswahl reicht von A wie Alois-Drasche-Park bis Z wie Zentralfriedhof, chronologisch vom Renaissancegarten des Neugebäudes, dessen schon 1647 erwähnter Eichenhain im Zentralfriedhof aufgegangen ist, bis zum 2025 eröffneten Bank-Austria-Park, den der Universalkünstler André Heller mit 14 Outdoor-Kunstwerken gestaltet hat. Geographisch erstreckt sich das Spektrum vom Kirschenhain auf der Donauinsel bis Kledering und vom Hernalser Schwarzenbergpark bis in die Lobau.

An Kuriositäten fehlt es nicht. Ist die Nevillebrücke, die den 5. und 6. Bezirk über den Wienfluss verbindet, eine Parkbrücke oder ein Brückenpark ? Hier wachsen keine Bäume, aber Gräser, Lavendel, Blumen und Sitzgelegenheiten laden zur Erholung ein. Der Arkadenhof der Universität wurde erst Jahre nach seiner Eröffnung als Parkanlage gestaltet. In den Arkaden erinnern 152 Denkmäler und Medaillen an Wissenschaftler und sieben an Wissenschaftlerinnen. Zumindest ziert seit 1910 ein Standbild der mythischen Nymphe Kastalia den Ehrenhof. Ihre Quelle in Delphi war den Musen geweiht - in Wien wurde sie zum Symbol der Weisheit. Die dritte Frage, die auf dem Umschlag neugierig macht, ist leichter zu beantworten: Welcher Baum wächst schneller als seine Rinde ? Es kann sich nur um die Platane handeln, wie das 16 m hohe Exemplar im Fährichhof im Blutgassenviertel.

Nach der Zweiten Osmanischen Belagerung erblühte ein Kranz adeliger Parks und Palais um die Stadt. Einige haben sich - wenn auch verändert - erhalten, wie der Weghuberpark (Wien 7), der Schönbornpark (Wien 8) und der Liechtensteinpark (Wien 9). In der Gründerzeit schuf man Grün-Areale, wie den malerischen Stadtpark (1862 eröffnet) mit dem ersten Kinderpark, den Rathauspark (1872) oder den Votiv- (bzw. Sigmund-Freud-)Park. Das Rote Wien nahm bei den Gemeindebauten Bedacht, den Mietern der kleinen Wohnungen Zugang zu Licht, Luft und Sonne zu verschaffen. Die im 20. Jahrhundert veranstalteten Wiener internationalen Gartenschauen WIG '64 und WIG '74 stehen nun eintrittsfrei offen. Auch großflächige Gebiete oder ganze Stadtteile, wie der Nussberg, die Donauinsel oder der Laaer Berg finden ihre wohlverdiente Würdigung.

Manche Lokalitäten sind so ergiebig, dass die aufschlussreichen Karten am Buchende mehrere Highlights aufweisen. Allen voran Schönbrunn, wo man den Schlosspark, den Orangerie-Garten, den Kronprinzen-Garten, das große Palmenhaus - zu Kaisers Zeiten das größte der Welt - den Tiergarten - ältester seiner Art, seit 1752 - und das Arboretum besichtigen kann. Auf dem Zentralfriedhof empfiehlt sich nicht nur der Besuch der Ehrengräber. Er ist eine der am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten Wiens. Bei Tor 2 bietet der "Park der Ruhe" Gelegenheit zum Kraft schöpfen. Unweit davon befindet beim Krematorium, wo Reste des Neugebäudes erhalten sind, der "Mensch-Tier-Friedhof". Das Neugebäude war ein Projekt des Kaisers Maximilian II. (1527-1576). Das dreistöckige Lustschloss in der Nähe seiner Residenz Kaiser-Ebersdorf besaß einen berühmten Garten. Der Hofbotaniker Carolus Clusius beschaffte ab 1573 exotische Pflanzen. Er brachte die ersten Tulpen, Fliederbüsche und Rosskastanienbäume nach Europa. Der tolerante, an Kunst und Wissenschaft interessierte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches erlebte die Fertigstellung des Schlosses nicht. Es verfiel, ebenso wie der Park. 2010 wurde ein Teil mit Spielplätzen, Hängematten und Fitnessgeräten modern gestaltet.

Das Belvedere, Prinz Eugens barockes Gesamtkunstwerk, zählt zu den großen Sehenswürdigkeiten Wiens. Es besteht aus zwei Palästen und einem prächtigen Garten, der die 23 Meter Niveauunterschied mit Terrassen und Kaskadenbrunnen elegant überspielt. … 1712 war Baubeginn für das Untere Schloss nach Plänen von Lukas von Hildebrandt, ab 1717 wurde das Obere errichtet…. Mit dem Oberen Schloss und dem spektakulären Großen Garten demonstriert Prinz Eugen der Welt seine Macht, seinen Ruhm, seinen Reichtum. … Das Untere Schloss hingegen ist sein privates Sommerwohnschloss. … Lukas von Hildebrandt schafft im Unteren Schloss eine ideal fließende Harmonie zwischen Architektur und Gartenkunst. Der Kammergarten ist das private Refugium. … Prinz Eugens ultimativer Rückzugsort.

Die Umgebung des Belvederes kann mit einigen Geheimtipps aufwarten. Der Botanische Garten, der von Maria Theresia gegründete Hortus medicus, gilt als einer der bedeutendsten Europas. Er beinhaltet 12000 Pflanzenarten aus sechs Kontinenten, wie Lotus oder Bambus. An seinem oberen Ende befindet sich der Alpengarten mit 5000 Pflanzenarten. Sie repräsentierten die Flora der ehemaligen Monarchie. Der Park wurde auf kaiserlichen Wunsch vom Botaniker Thomas Host angelegt, nach dem Hostia benannt ist. Nach Übersiedlungen und Kriegszerstörungen öffnete das Alpinum 1949 wieder und zählt nun zu den ältesten und schönsten seiner Art. Vom Alpengarten aus erreicht man den Bonsai-Garten am Landstraßer Gürtel. Bonsai sind alte Bäume, die durch spezielles Schneiden als "Baum in der Schale" klein gehalten werden. Vor einem Vierteljahrhundert schenkte die japanische Bonsai-Gesellschaft der Republik Österreich 50 wertvolle Exemplare. Noch ein Stück weiter, in der Arsenalstraße, erinnert der Schweizergarten an das Erbe des letzten Kaisers. 1906 eröffnet, war die späthistoristische Parklandschaft aufwendig mit Wasserläufen, Teichen, Brücken, und Felsformationen gestaltet. Zu den Attraktionen zählten ein Rosarium, ein Seerosenteich und ein Aussichtsturm.

Nicht nur die großen und berühmten Anlagen werden in dem Buch gewürdigt, sondern auch versteckte Grünoasen wie der Haydnhaus-Garten in Gumpendorf, der Josef-Strauss-Park im 7. Bezirk, der Kliebergarten in Margareten, das "grüne Durchhaus" Melkerhof in der Josefstadt oder der Planquadratgarten auf der Wieden. Es geht aber noch kleiner, etwa im Sky Roofgarden, der gastlichen Dachterrasse des Kaufhauses Steffl oder beim Stadtheurigen in einem Josefstädter Hof.

Mit noch vielen weiteren Artikeln ist der Autorin ein repräsentativer Überblick gelungen, den sie mit eigenen Fotos illustriert. Neugierig geworden, würde man an liebsten gleich mit den Spaziergängen beginnen. Der handliche Begleiter liegt bereit: informativ, intelligent und interessant.

hmw