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Georg Markus: Die besten Geschichten#

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Georg Markus: Die besten Geschichten neu bearbeitet und aktualisiert. Amalthea Signum Verlag Wien. 352 S., ill., € 32,-

Georg Markus, der heuer seinen 75. Geburtstag feierte, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Österreichs. Fast 50 Bücher und 1000 Zeitungskolumnen zu historischen Themen entstammen seiner Feder. Oft löste der Autor, dem Zeitzeugen Geheimnisse anvertrauten, jahrzehntelang gehütete Rätsel. Spektakulär war 1992 seine Entdeckung des Diebstahls der sterblichen Überreste der Mary Vetsera in Heiligenkreuz. Es gelang ihm auch, die Identität der berühmten Tante Jolesch zu lüften. Diese Geschichten zählen zu den 77, die der Amalthea-Verlag nun als die besten im Sammelband herausgegeben hat. Der Autor hätte den Titel vielleicht nicht gewählt, weil er ihm, wie er im Vorwort schreibt, ein wenig eitel erscheint. Die älteste der Geschichten mit Geschichte stammt aus seinem 1982 erschienenen Buch über Katharina Schratt. Bisher nicht publiziert wurden Warum Thomas Mann kein Österreicher wurde oder Zu Haus bei Pavarotti.

Da begegnen Sie Monarchen und Prinzessinnen, Film- und Theaterstars, berühmten Sängerinnen und Sängern, Komponisten, Schriftstellern, Malern, Ärzten, "kleinen Leuten" und Millionären oder Personen, die in spektakuläre Kriminalfälle verwickelt waren. Der berühmteste Monarch in der Anekdotensammlung ist sicher Kaiser Franz Joseph I.(1830-1916). Ihm uns seiner Familie sind mehrere Kapitel gewidmet. Er hatte auch einen Doppelgänger, den früheren Leibwächter Achilles Farina. Dieser muss seinem Herrn in vorgerücktem Alter so ähnlich gesehen haben, dass die Burgwache habt acht stand, als der Doppelgänger durch die Hofburg spazierte. Franz Joseph, der das beobachtet hatte, ließ Farina zu sich rufen. Statt ihn zu strafen, soll er herzhaft gelacht und verfügt haben, dass sein Double den charakteristischen Backenbart behalten durfte.

Prinzessin Sophie in Bayern (1847-1897), die zehn Jahre jüngere Schwester Kaiserin Elisabeths, kam bei einem Brand ums Leben. Elisabeth zeigte nach Bekanntwerden der Tragödie keinerlei öffentliche Anteilnahme oder Trauer, sondern reagierte kühl und distanziert - wie schon Jahre zuvor, als Herzogin Sophie wegen Ehebruchs in eine Nervenheilanstalt gesperrt worden war. Ein gutes Verhältnis hatte die Kaiserin hingegen zu ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Carl Theodor, einem renommierten Augenarzt. Der Pionier auf dem Gebiet der Staroperationen, behandelte viele Patienten kostenlos. Die von ihm gegründete Fachklinik in München zählt auch heute zu den modernsten ihrer Art.

Film- und Theaterstars liefern nicht nur der Yellow Press ausgiebigen Stoff, sondern auch dem historischen Spurensucher. Georg Markus beschäftigte sich u. a. mit Charlie Chaplin, Heinz Conrads, Isabella Duncan, Hans Holt, Attila und Paul Hörbiger, Maria Jeritza, Josef Kainz, Hans Moser, Katharina Schratt oder Leo Slezak. Es dürfte nicht allzu bekannt sein, dass die Hörbiger-Brüder als Rekruten in der Militär-Strafanstalt Möllersdorf einen berüchtigten Giftmörder zu bewachen hatten.

Maria Jeritza (1887-1982) kam bei einer Probe von "Tosca" zu Fall. Noch dazu in Anwesenheit des Komponisten. Die Diva entschuldigte sich bei ihm. Giacomo Puccini war jedoch von dem vermeintlichen Effekt begeistert und viele Nachfolgerinnen stellten die Szene in dieser Art dar. Kammersänger Leo Slezak (1873-1946) beendete seine Karriere an der Hofoper spontan. Nach einer triumphalen Othello-Vorstellung beschloss er 1934, sich zu verabschieden. Damit erfüllte er sich nach 33 Jahren seinen sehnlichsten Wunsch, nicht als alternder Sänger noch singen zu müssen und bemitleidet zu werden. Anschließend war der Publikumsliebling beim Film erfolgreich.

Der Komponist Anton Bruckner (1824-1896) verdankte seiner angeschlagenen Gesundheit das Leben. Er ließ die Karten für die Vorstellung von "Hoffmanns Erzählungen" am 8. Dezember 1881 im Ringtheater verfallen, weil er sich nicht wohlfühlte. Bei der Brandkatastrophe kamen 384 Menschen zu Tode. Der Pianist und Komponist Friedrich Gulda (1930-2000) hingegen ist, so Georg Markus Zwei Mal gestorben. Zehn Monate vor seinem Tod verschickte Gulda die Nachricht von seinem Ableben an Redaktionen. Die Austria Presseagentur erkannte wenig später, dass es sich um einen schlechten Scherz handeln könnte. Eine Begründung für die makabre Aktion hat er nie geliefert, er gab nur bekannt, dass er sich im Falle seines wirklichen Sterbens "jedweden Nachruf verbitten würde."

Der Wiener Schriftsteller Anton Kuh war immer in Geldnöten. Als er einmal keine Idee hatte, … tippte er ein bereits erschienenes Feuilleton von Egon Fridell ab, das er versehen mit seinem eigenen Namen, an die Redaktion einer Wiener Zeitung schickte. Der Urheber reagierte in einem Brief an den Plagiator launig. Er hätte sich gerne revanchiert, aber nach Durchsicht ihres Gesamtwerkes fand ich nichts, worunter ich meinen Namen hätte setzen mögen.

Dr. Gunther Placheta alias Gunther Philipp (1918-2003) war ein vielseitiger Mensch: Schauspieler, Sportler (Rekordschwimmer und Rennfahrer) und Arzt. Er arbeitete gleichzeitig als Assistent des berühmten Psychiaters Hans Hoff und als Komiker in einem Varieté. Dies durfte zwar niemand wissen, doch fiel es einer Patientin auf. Dr. Placheta fürchtete um seine medizinische Karriere, aber sein Chef meinte, er solle die Wortmeldung der Dame nicht ernst nehmen: "Sie wissen ja, wo wir uns hier befinden!"

Kleine Leute geben oft Stoff für Geschichten, auch, wenn es sich um einen Riesen handelt. Franz Winkelmeier (1860-1887) der Sohn einer Bauernfamilie aus Lengau im Innviertel gilt mit einer Körpergröße von 2,58 m als einer der größten Menschen der Geschichte. In jungen Jahren unglücklich und verspottet, folgte er dem Ruf eines geschäftstüchtigen Schneiders, um sich als Sensation in verschiedenen Ländern Europas vorführen zu lassen. Er wurde sogar Queen Viktoria vorgestellt. Kurz danach starb er, nur 27 Jahre alt. Das Leben Winkelmeiers inspirierte Friedrich Cerha zu seiner Oper "Der Riese vom Steinfeld", nach einem Libretto von Peter Turrini. Das Werk wurde 2002 an der Wiener Staatsoper aufgeführt.

Millionäre sind stets ein dankbares Thema, auch Georg Markus widmet den Superreichen einige Storys. Eine erzählt vom Geldfälscher aus besseren Kreisen, Peter Ritter von Bohr (1773-1846), Schlossbesitzer in Kottingbrunn, Mitbegründer der Donaudampfschifffahrts-Gesellschaft und der Ersten Österreichischen Spar-Casse. Er verlor ein Vermögen, als er einem Fürsten für dessen Spielschulden Kredit gewährte. Um den Verlust auszugleichen, fertigte der ausgebildete Maler zahllose Zehn-, Hundert- und Fünfhundert-Gulden-Scheine an, und das in so perfekter Qualität, dass es lange unentdeckt blieb.

Der adelige Geldfälscher ist nicht der einzige Kriminelle in diesem lesenswerten Buch. Vom Raub der Mona Lisa, dem größten Kunstdiebstahl aller Zeiten anno 1911, ist ebenso zu erfahren, wie vom Meisterdieb Josef Honsa. Er zählte im Wien der Jahrhundertwende zu den Geschicktesten in seinem Metier. Aus der Wohnung eines Wirtes stahl er eine silberne Taschenuhr, doch konnte er sich nicht, wie sonst, unauffällig aus dem Staub machen. Vor dem Gasthaus hatten sich Personal und Gäste, wie damals beliebt, für ein Gruppenfoto aufgestellt. Der polizeibekannte Meisterdieb schloss sich der Gruppe an und kam mit auf das Bild. Das Foto lieferte den eindeutigen Beleg. Honsa rückte die Uhr heraus - und landete im Häfen..

hmw