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Roman Szeliga: Expedition Freude #

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Roman Szeliga: Expedition Freude. Auf der Suche nach der schönsten Emotion der Welt. Amalthea Verlag Wien. 240 S. ill., € 27,-

1785 nannte Friedrich Schiller die Freude "schöner Götterfunken". Genau 200 Jahre später wurde die Ode in der Vertonung von Ludwig van Beethoven zur Hymne der Europäischen Union. Das Original ist mit "hohem Pathos" (Wikipedia) verfasst. Ganz anders, wenn Roman Szeliga, der schönsten Emotion der Welt ein Buch widmet. Der Autor ist Facharzt für Innere Medizin, u. a. Agenturchef und Mitbegründer der CliniClowns. Als gefragter Vortragender (Schlüsselnotiz-Sprecher = Keynote-Speaker) versteht er es, sein Publikum gleichermaßen lehrreich wie unterhaltsam anzusprechen. Für ihn ist die Freude ein Goldschatzdes Miteinanders, den er wieder ans Tageslicht bringen" will. Roman Szeliga charakterisiert sein jüngstes Werk: Dies ist kein Wellnessratgeber und kein "Think-positive"-Mantra. Es ist ein Erlebnisbericht einer Expedition ins Leben, in die Wissenschaft, in Begegnungen mit Menschen und in meine eigene Erfahrung … Gekonnt hat er Interviews eingeflochten, wobei man via QR-Code mehr über die Gesprächspartner erfahren kann. Bei der Lektüre hört man förmlich den erfahrenen Kommunikationstrainer voll Leidenschaft und Überzeugung sprechen, denn der Text ist locker formuliert.

Häppchenweise nähert sich das Buch einem großen Thema, das sich auch in Kleinigkeiten erfahren lässt. Beispielsweise kann man sich im Alltag freuen, direkt vor dem Haus einen Parkplatz zu finden, oder wenn dir jemand auf der Straße zulächelt und du es ehrlich erwiderst. (An die Du-Anrede muss man sich erst gewöhnen). Eines der ersten Kapitel widmet der Humor-Coach der Königsdisziplin, über sich selbst lachen zu können. Diese Lebenseinstellung lässt sich lernen und bringt medizinisch gesehen eine Menge Vorteile: Der Stresslevel sinkt, das Gehirn schüttet einen "Glückscocktail" aus, das Herz arbeitet entspannter, das Immunsystem wird aktiv. Sogar Schadenfreude kann etwas Herrliches sein … Aber Vorsicht: Schadenfreude wird toxisch, wenn sie zur einzigen Quelle von Freude wird. Wer sich nur noch freuen kann, wenn andere scheitern, der verliert Empathie und irgendwann auch Freund:innen.

Eine besondere Form der Freude ist die Vorfreude: Wer sich freut, gewinnt doppelt ... Schon beim Gedanken an das erfreuliche Ereignis schüttet das Gehirn das Glückshormon Dopamin aus. Das positive Ausmalen der Zukunft gibt Kraft... Die Vorfreude kann manchmal größer sein als das eigentliche Erlebnis. Der Weg ist das Ziel und die Vorfreude ist das Reisemagazin dazu.

Freude kann man auch von Kindern lernen: Kinder haben die wunderbare Gabe, im Augenblick zu leben. Ihre Begeisterung kommt aus dem Herzen, direkt und ehrlich. Und wenn sie einem dann noch ihr Lächeln schenken, fühlt sich das an wie ein kleiner Urknall der Freude. Der Autor würzt sein abwechslungsreiches Buch mit Zitaten, hier von Walt Disney: Das wirkliche Problem unserer Welt ist, dass zu viele Menschen erwachsen werden. Oder des amerikanischen Schauspielers Will Farrell: Kindisch ist ein Wort, das langweilige Menschen verwenden, um lustige Menschen zu beschreiben.

Freude hat mit Freunden und Freundinnen zu tun: Menschen mit starken sozialen Bindungen sind gesünder, leben länger und haben seltener Depressionen. Auf die Frage "Was ist wichtig im Leben?" antworteten 84,5 % "Gute Freunde haben", 80,8 % "Für die Familie da sein" und 74,1 % "Eine glückliche Partnerschaft". (Institut für Demoskopie Allensbach, 2022). Apropos Partnerschaft, da kann der Autor auf 30-jährige Erfahrung zurückblicken, wenn er feststellt: Freude in der Liebe bedeutet, nicht nur das Große, Dramatische zu feiern, sondern das Kleine, Wiederkehrende. Sie liegt auch im Humor über die Eigenheiten des anderen, im gemeinsamen Staunen über das, was man schon geschafft hat und im Schmunzeln über das, was noch schiefgehen darf.

"Geben ist seliger denn nehmen" ist eine der vielen Binsenweisheiten. Roman Szeliga spricht lieber vom "Freudenkonto". Jeder Akt des Helfens ist eine Einzahlung - nicht in Euro, sondern in Form von innerer Zufriedenheit, Sensibilität für den Augenblick und Sinn. Das Konto wächst mit jedem Gespräch, jedem kleinen Einsatz, jedem "Ich bin für dich da". Wieder liefert die Statistik Beweise: 78 % der Ehrenamtlichen sind zufrieden mit ihrem Leben, 77 % bezeichnen sich als glücklich, 71 % haben ein gutes Selbstwertgefühl. 47 % fühlen sich fitter, 70 % sagen, ihr Leben sei sinnvoll.

Freude mit Tieren, im Alter und am Lebensende sind weitere Themen, ebenso wie Freude in herausfordernden Zeiten. Hier hat sich der Kommunikationstrainer einen Kollegen als Interviewpartner gewählt. Seine Botschaft ist so einfach wie radikal: Freude ist kein nice-to-have, sondern unsere eigentliche Kraftquelle - im Leben wie im Business. Mut heißt, immer wieder aufzubrechen, auch verrückt zu wirken, um das wirklich Wesentliche freizulegen. Das Wesentliche ist sicher nicht die Bürokratie. Dagegen hätte der Arzt ein Rezept: Vertrauen statt Misstrauensmanagement, Dialoge statt Monologe, Zuhören und Hinhören statt abhaken, Emotionale Kompetenz statt kalter Effizienz.

In einem interkulturellen Seitenblick zeigt der international bekannte Vortragende, wie sich Freude in anderen Kulturen äußert, etwa beim indischen Holi-Fest, bei dem zum Frühjahrsbeginn fremde Leute einander mit buntem Farbpulver beschütten. Beim japanischen Kirschblütenfest genießt man den Zauber des Augenblicks. Zum thailändischen Neujahr schütten Passanten Wasser auf einander. Das soll Pech und Sorgen wegwaschen. In Brasilien schlägt das Herz der Freude im Karneval. Afrikaner bringen ihr Gemeinschaftsgefühl mit Lachen und Tanzen zum Ausdruck.

Ein Gedankenexperiment führt in den "Freudensupermarkt". Hier füllt sich der Einkaufswagen mit Selbstironie, guten Gesprächen, Stille oder den Gedanken, dass echte Freude kein Produkt ist, sondern ein Gefühl. - täglich frisch , ohne Mindesthaltbarkeitsdatum und nicht im Sonderangebot. Beruhigend wirkt das folgende Kapitel Ein Stück Torte ist kein moralisches Versagen. Nachdem der Internist Menschen jahrelang über gesunde Lebensweise aufgeklärt hat, ist er draufgekommen, dass gesund sein nicht immer gesund leben heißt - oder besser gesagt: nicht perfekt leben. Perfektion macht nicht gesund. Perfektion macht oft nur müde. … Wir brauchen mehr Freude, mehr Genuss, mehr echte Lebenslust und weniger Selbstkasteiung … ein bisschen lockerer und freier zu sein, ein bisschen mehr Lustgewinn und weniger selbst auferlegte Verbote schaden nicht.

Das Buch des vielseitigen Profis ermutigt und überzeugt, der "schönsten Emotion der Welt" mehr Raum zu geben. Allerdings fehlt dem lesenswerten Ratgeber ein wichtiges Kapitel: Die "Nachfreuzeit", die Erfindung des deutschen Psychotherapeuten Hans-Gerhard Behringer. Er meint, man sollte sich so lange über einen Erfolg freuen, wie man sich darauf vorbereitet hat.

hmw