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Dolmetsch#

Vielleicht war ja die Babylonische Sprachverwirrung schuld...

Während des Mittelalters war Latein jene gemeinsame Sprache, in der sich europäische Staaten, Wissenschaftler und Geistliche austauschten. Traf man allerdings mit Menschen aus dem Morgenland zusammen, griff man auf Sprachkundige vor Ort zurück, oft Mitglieder religiöser Minderheiten wie z.B. Juden oder andalusische Christen und leider oft auch unzuverlässig oder illoyal. Daher begannen die europäischen Staaten im 18. Jhdt. damit, eigene Beamte für diese Tätigkeit auszubilden – der Beruf des Dolmetschers war entstanden.

Heute spielen Dolmetscher eine wichtige Rolle im Umgang von Gerichten, Behörden, Polizei, usw. mit Personen, die der Landessprache nicht mächtig sind. In Österreich wird diese Aufgabe von besonders qualifizierten und geprüften Gerichtsdolmetschern wahrgenommen. Naturgemäß spielt die Arbeit der Dolmetscher bei den verschiedenen Institutionen der Europäischen Union eine besonders wichtige Rolle.

Um die Übersetzungsproblematik zu verringern gibt es drei große Ansätze.

Da gab/gibt es einerseits Versuche, eine Universalsprache einzuführen. Die bekannteste davon ist wohl Esperanto. Wurde schon 1887 vom polnischen Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof veröffentlicht, dessen Pseudonym Doktoro Esperanto („Doktor Hoffender“) zum Namen der Sprache wurde. Esperanto besitzt in keinem Land der Welt den Status einer Amtssprache, wird jedoch von über 2 Millionen Menschen gesprochen. Der Glaube, dass sich eine solche künstliche Sprache global durchsetzt ist freilich verschwunden. Es dominieren eigentlich drei Sprachen: Englisch, das am weitesten verbreitet ist (d.h. von den meisten Menschen zumindest rudimentär beherrscht wird), Spanisch (!) als Muttersprache, und chinesisch als Schriftsprache.

Vielversprechender sind die Versuche, Computer mit "lernenden Programmen" (maschine learning) als Übersetzer einzusetzen. Heute verfügbare Übersetzungsprogramme (etwa Google's Translate) liefern für nicht zu komplexe Texte akzeptable Übersetzungen. Dass nicht nur Text zu Text, sondern auch gesprochene Sprache von Computern "verstanden" werden kann hat das Großprojekt WATSON von IBM gezeigt. Das Sprachverstehen wird sich so weiter entwickeln, dass eine vernünftige Konversation über Tagesthemen zwischen zwei Menschen von deren Sprache unabhängig möglich sein wird.

Der dritte Ansatz besteht in der Entwicklung von symbolischen Sprachen, wie etwa die Gebärdensprache für die Kommunikation mit Gehör- und Sprachbehinderten. Leider sind alle Gebärdensparachen bis auf Grundbegriffe sprachabhängig. Während der Satz "Ich gehe jetzt essen" in den meisten Gebärdensprachen gleich wiedergegen wird, ist der Satz "Ich kaufe ein neue Zerspanungsmaschine" in verschiedenen Gebärdensprachen verschieden, weil das Wort "Zerspanungsmaschine" nicht als Gebärde existiert, sondern es bzw. seine Übersetzung buchstabiert werden muss. Für Behinderte ist die Symbolsprache Blissymbols erstaunlich erfolgreich. Der Versuch, eine neue dynamische Symbolsprache für internationale Kommunikation zu entwickeln, MIRACLE, kam für die damalige Hardware zu früh und ist heute durch ein Sammelsurium vom Emoticons und SMS Abkürzungen zerstört worden.

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