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Das alte Gruselhaus an der Meeresküste#

Von Ernst Lanz

Mit Häusern an der Küste ist es nicht einfach: Der Blick zum Meer und in der Nacht zum Sternenhimmel ist einzigartig. Aber wehe, wenn die Gewitterwolken brauen, bedrohen sie die Häuser an der Küste. War mal so ein Ungemach hinweggezogen, gab es nicht wenig zu reparieren. Aber die Häuser auf den Küstenzeilen stehen wie die Felsen und sie werden weiterhin stehen.
Doch ich fragte mich unentwegt, was es sich mit den Spukerscheinungen um das Haus Mycbeeth auf sich hat. Der örtliche Pfarrer erklärte mir in einem Moment der Unachtsamkeit, dass auch er einiges um das Anwesen der Lady Mycbeeth gesehen habe, das er am liebsten nie gesehen hätte. Gerade Sie, entgegnete ich ihm etwas streng, sie als Mann Gottes, hegen Zweifel? Sie vermuten dort … das Böse, setzte er betreten fort.
Sie können mit mir frei sprechen, ermutigte ich ihn.
Er sah mich an und dann. Gehen wir dort auf die bewaldete Anhöhe. Da hört uns niemand.
Einige Gehminuten später: Die Dinge sind nun mal so wie die Dinge liegen. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Am besten: Was geschah mit Lady Mycbeeth? Eine feine und vornehme Dame, die sich von den üblichen Frauen unserer Gesellschaft abgehoben hatte. Sie hatte immer ein Herz für die Nöte unserer Gemeinde.
War sie ein Mitglied der Pfarre?
Nein, sie sah sich als andersgläubig. Aber trotzdem unterstützte sie unsere Pfarre. Als ich sie zuletzt besucht hatte, wirkte sie etwas weltentrückt.
Weltentrückt?
Na ja, sie war nicht bei der Sache. Ich würde eher sagen, sie wirkte auf mich wie eine unbekannte Person. Und in ihrem Haus war es eigenartig still.
Dann Tage später war sie verschwunden.
Eigenartig.
Verstrahlte sie eine Eiseskälte - ich meine, war sie noch dieselbe?
Dieselbe? Wie meinen Sie?
Das Haus der Lady Mycbeeth an der Küste. Merkwürdig ist es schon gelegen. Einheimische erzählten mir in schauerlichsten Farben, dass Seestürme über das Meer wogten und tosten. Jedoch wenn sie über die felsigen Küste hinwegfegten, das Haus regelrecht umgingen. Ein Mann erzählte, er habe in nächster Nähe auch eine Behausung gehabt. Nach dem Sturm war nur mehr ein Rest des Gebäudes erhalten geblieben. Und das Haus der Lady Mycbeeth blieb unversehrt. In manchen Nächten sollen dort Spukgestalten gesehen worden sein. Sie sprechen von Geistern? Ja, mein Herr. Wie sie schon richtig bemerkten: Geister.
Beschreiben Sie mir bitte so einen Geist.
Na ja, wie ein Geist eben aussieht. Ein Geist eben. Nicht ein wandelndes Bettlaken: Huuu Huuu!
Ich lachte und wollte etwas sagen.
Aber solche Spukgeschichte gibt es nicht, meinte ein anderer. Höchstens wenn du das elende Bier aus dem Pub in dich in hineinschüttest.
Gelächter breitete sich in der Bar des Hotels aus.
In der Ferne brauten sich düstere Wolken zusammen. Der Horizont verfinsterte sich. Die Sonne war hinter dem Meer versunken. Blitze und brausendes Tosen umgab die Häuser an der Küste.
Es geht wieder los, warnte der Alte. Komm, sagte seine Ehefrau und zog ihn an den Armen mit. Was muss du den armen Leuten wieder grauenerfüllte Geschichten auf die Nasen binden. Aber das ist doch wahr, protestierte er krächzend.
Ich befand mich endlich in dem Haus. Ein Blick aus dem Fenster bot mir eine wundersame Sicht auf die See. Endlos und einigen Wolkengebirge. Eigenartigerweise empfand ich das Innenleben des Hauses nicht als abstoßend oder verwerflich. Nirgends lag Staub. Merkwürdigerweise fühlte ich mich hier zuhause. Ich glaube, bald werde ich Besuch empfangen. Was sagte der Alte? Eine Hexe? Ich goss mir etwas Tee in meine chinesische Trinkschale. Ich sollte doch auf mein Äußeres achten. Vielleicht stehen wieder meine Haare in üppigen Locken umher. Ich stellte mich dem Spiegel und sah Lady Mycbeeth.


Ernst Lanz 2020
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