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Der Wüstenpalast - Romanfragment#

Von Ernst Zentner

Vor 25 Generationen: Ein orientalischer Fürst verliebte sich in eine Frau, heiratete sie. Er machte ihr als edelstes Geschenk den Bau eines prächtigen Palastes an den Felsen eines Berges, der sich inmitten einer Oase, am Rande einer unüberschaubaren Sandwüste befand. Der Fürst lebte im Glauben seine schöne Frau sei ihm treu. Plötzlich ertappte er sie mit ihren Liebhaber. Der aufgebrachte Fürst ermordet beide. Ihre sterblichen Überreste wurden an einem unbekannten Ort im Palast versteckt. Am Jahrestag der Tat verschwand der Witwer unter eigenartigen Umständen. Merkwürdige Geschichten und Gerüchte machten seit jenen Tagen und Jahren die Runde. Bald entstanden die skurrilsten Legenden, es hieß sogar, der Mächtigste der dunkelsten Finsternis hätte den Wüstenfürsten entführt.
Gegenwart: Eine Gruppe von Abenteurern kam an den Ort des seltsamen Schlosses. Einheimische berichteten, dass sie niemals jemanden aus dem Schloss gehen oder hinein gehen gesehen hätten. Auch niemand brachte Lebensmittel in das Gebäude. In den Nächten fiel oftmals aus den Fenstern heller Lichtschein, der bei Sonnenaufgang erlosch. Die Abenteuerbegeisterten entschieden das alte Bauwerk zu inspizieren. Sie sprengten gewaltsam das mächtige schmiedeeiserne Tor und betraten das Portal. Sie stellten erstaunt fest, dass das Gebäude so aussah, als ob es gerade fertiggebaut wurde. Nirgends fanden sie eine geringste Spur einer Verwitterung. Ja nicht einmal Schleifspuren, verursacht durch unbarmherzige Milliarden kleiner Körner von Sandstürme. Ein wüstenerfahrener Mann beschrieb versunkene Dörfer, von denen nur mehr die spärlichen glattgeschliffenen Ziegelmauern dastehen. Neugierig wagten die Leute das mächtige Haus mit seinen mächtigen Sälen und prächtigen Zimmern zu betreten. Verwundert entdeckten sie, in der Nacht waren die Räume erhell erleuchtet. Der Tisch im Speisezimmer war vorbereitet für ein Festmahl. Zu spät erkannten sie alle, dass sie inmitten von unheimlichen Geschehnissen hineingeraten waren, wo es scheinbar kein Entrinnen möglich war. Einer nach dem anderen wurde auf grausamste Weise seines Lebens beraubt. Sämtliche Tore des Schlosses waren verschlossen. Ein verzweifeltes Bemühen den unheimlichen Vorkommnissen Einhalt zu gebieten scheiterte vorerst an Unstimmigkeiten verschiedenster Charaktere, die nur aus Angst um ihr eigenes Leben hatte. Ein altes Schriftstück verriet die alte Geschichte des Palastes. Nach Tagen und Nächten des grauenvollen Schrecken gelang einen jungen Liebespaar und einem mutigem Gefährten die Flucht aus dem Wüstenpalast.
25 Generationen später: Um den Palast wurden einige Wohnhäuser angelegt. Neben dem Palast verläuft eine moderne Straße. Den Handlungsträgern wird bewusst, dass sie nicht in die Gegenwart zurückgekehrt seien, sondern waren ein halb Tausend Jahre vergangen. Ihre Welt existiert nicht mehr. Der Palast beginnt zu zerfallen, von ihm und seiner Pracht zeugte nur mehr Sand und Staub.

Ernst Zentner 2003