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Sir Peter Ustinov – Weltbürger, Humanist mit intelligenten Witz – Zu seinem Ableben am 28. März 2004 in Genf im Alter 82 Jahren#

Von Ernst Lanz

Sir Peter Ustinov, britischer Kosmopolit, Weltbürger und Multitalent und Filmschauspieler sowie Autor und Regisseur, One-Man-Show, Lebenskünstler. Sein Leben lang hat er sich humanitären Aufgaben gewidmet. Geboren wurde er am 1921 April 16 in London. Die Familie hat russische, französische, italienische, äthiopische Wurzeln. Als Sohn eines russisch-stämmigen Journalisten namens Jona von Ustinov, geboren in Jaffa, war aber deutscher Staatsbürger, und einer französischen Bühnenbildnerin. Er wuchs viersprachig auf. Mit 16 verließ er die Londoner Elite Schule Westminster. Seine Lehrer orteten in ihm eine "Fantasie, die um jeden Preis gezügelt werden muss". Als 19-Jähriger feierte Ustinov mit Sketches und satirischen Revuen erste Erfolge. 1942 bis 1946 war er in der britischen Armee als Offizier zufällig David Niven (britischer Schauspieler, 1983 gest.) unterstellt. Er spielte in über 80 Filmen mit wie die Welterfolge "Quo vadis" (die eindrucksvolle Rolle des Kaisers Nero, Golden Globe, neben Robert Taylor und Deborah Kerr, historische Monumentaldrama mit 1000 Statisten, USA 1951), "Lola Montez" (1956), Spartacus (Oscar, neben Kirk Douglas, Charles Laughton, Lawrence Olivier, Jean Simmons, Tony Curtis, Regie Stanley Kubrick; USA 1960), Tokapi (Oscar, neben Melina Mercouri, Maximilian Schell, Robert Morley; USA 1961), "Die Stunde der Komödianten" (neben Elizabeth Taylor, Richard Burton und Alec Guinness, USA 1967), "Käpt'n Blackbeard Spukkaschemme" (neben Dean Jones, USA 1967), "Das Millionending" (neben Karl Malden, USA 1968), "Flucht ins 23. Jahrhundert" ("Logans Run"; USA 1976), "Tod auf dem Nil" (die Rolle des Hercules Poirot, nach Agatha Christi, neben David Niven, Bette Davids; USA 1978), weitere Hercules-Poirot-Filme folgten wie "Das Böse unter der Sonne" (neben Diana Rigg; USA 1981), "Rendezvous mit einer Leiche" (USA 1988), "Lorenzos Öl" (neben Susan Sarandon und Nick Nolte, USA 1995), "Luther" (USA/EU 2003). Er besaß die Fähigkeit sogar mittelmäßige Filme mit schwachen Inhalt in ein Kunstwerk umzuwandeln. Er erhielt zwei Oscars. Er wirkte sogar in TV-Dokumentationen mit, etwa über die Geschichte der Päpste oder in einer Folge der "Universum"-Serie Schloss Schönbrunn (2002). Er fungierte seit 1969 als Botschafter der UNESCO (Weltkulturerbe) und als offizieller UNICEF-Botschafter für das Kinderhilfswerk der UNO. Er schrieb Bücher, er nannte es das "ernsteste Geschäft", inszenierte regelmäßig am Londoner Convent Garden Opera House Opern wie "Don Giovanni", zeichnete Karikaturen. 1990 wurde er von Queen Elizabeth II. zum "Sir" erhöht. Ustinov lebte seit Jahrzehnten am Genfer See. Er war dreimal verheiratet und hatte vier Kinder. Sein Sohn Igor Ustinov arbeitet als Bildhauer in Lausanne. Peter Ustinov sagte einmal: "Das Leben ist zu kurz, um es zu wiederholen." Peter Ustinov galt als weiser Mann mit beißender Ironie ohne wirklich beleidigend zu sein. Seine Bonmots sind legendär. Er meinte über die Jugend: "Wundervoll, nur schade, dass man sie an Kinder vergeudet." Humor interpretierte er als "Notwehr". Geld "korrumpiert vor allem jene, die es nicht haben." Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, "wird die eines Experten sein, der sagt: 'Das ist technisch unmöglich.'" Zum Film hatte er 1996 nicht viel zu sagen: "Er bringt Geld." "Wir leben in einer interessanten Periode, in der die Innenpolitik der Staaten nicht mehr funktioniert. Durch die Globalisierung gibt es keine Unabhängigkeit mehr für die einzelne Regierung. Die lebendigsten Organisationen sind außerhalb der Politik: Green Peace, Amnesty u. a." Ustinov verfasste innerhalb eines halben Jahrhunderts neun Drehbücher, mehr als zehn Romane, darunter seine Memoiren ("Ich und ich", "Mein Russland" (fürs TV verfilmt), "Der alte Mann und Mrs. Smith", "Monsieur René"), und Erzählungen und über 20 Theaterstücke, darunter "Beethovens Zehnte". Er inszenierte Opern in Berlin, Hamburg (1987: "Figaros Hochzeit"), Dresden, Salzburg (1987: "Figaros Hochzeit"), London, Paris und Moskau und trat als Alleinunterhalter und Komiker auf. Ustinov liebte die Musik. Ganz besonders Mozart. Er inszenierte bei den Festspielen Edinburgh "Don Giovanni", in Paris Massenets "Don Quichotte", in Berlin Offenbachs "Banditen" und am Bolschoi-Theater Prokofjews "Liebe zu den drei Orangen". 1987 brachte er in Salzburg und Hamburg "Figaros Hochzeit" heraus. Als "praktizierender Europäer" bereiste er die ganze Welt und nahm zu heiklen Themen Stellung. Ustinov: "Unsere Zeit braucht weniger Überzeugungen und mehr Zweifel. Denn Überzeugungen trennen die Menschen. Aber Zweifel haben wir alle" (vor einiger Zeit in Wien, geehrt 'für sein unermüdliches Engagement für Frieden und Toleranz'). Ustinov fühlte sich "überall dort zu Hause, wo man sich zivilisiert benimmt." Ustinov sah sich als Liberaler und stand am liebsten "in der Mitte der Dinge … Dann ist man der Wahrheit am nächsten …" Die Extreme mochte er "nicht so gern. Denn Extremisten sind nicht tolerant." Ustinov als Kosmopolit: "Ich lebe wie ein Brite, ich denke wie ein Franzose und fühle wie ein Russe." "Er nannte US-Präsident George W. Bush einen Kaiser Nero, die Amerikaner die Römer von heute. Sir Peter Ustinov wetterte bei einem Wien-Besuch 2000 August gegen die EU-Sanktionen Österreichs. Ustinov nannte die EU-14-Sanktionen als "grotesk, übertrieben, wirklich dumm und sehr schädlich … Es ist traurig und tragisch, dass in einem doch so intelligenten Europa so eine Reaktion, ja so ein Fehler überhaupt möglich ist." Die Reaktionen erinnerten ihn die gleichfalls grotesken Reaktionen nach der Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten. "Manche Leute sagten mir: Wissen Sie nicht, dass Hitler Österreicher war? Ich habe darauf geantwortet. Auch Mozart war Österreicher." Für Österreich brachte er Wertschätzung auf: "Europa ist sehr alt, sehr begabt und sehr reich an Ideen, aber in gewissen Sinn noch nicht erwachsen. Österreich ist darin sehr wichtig. Obwohl es sehr klein geworden ist, ist es sehr groß geblieben. Und vielleicht in Europa jetzt sogar größer als vorher." 2001 erhält Ustinov das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien wurde im Vorjahr ein nach Ustinov benannter Lehrstuhl für Vorurteilsforschung gestiftet und vor drei Wochen erstmals besetzt. Der Doyen der deutschen Friedensbewegung, der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter hält dort Vorlesungen. Am 2004 April 16 wäre er 83 Jahre alt geworden. US-Schauspieler und Kosmopolit Peter Ustinov (82) erklärte vergangenen 2003 Oktober, er habe Angst vor dem Sterben, aber nicht vor dem Tod: "Ich fürchte das Sterben, weil man ja nie genau weiß, wie das wird. Aber den Tod? Ich kann mich auch nicht daran erinnern, große Angst vor meiner Geburt gehabt zu haben." Ustinov glaube nicht an ein Paradies, er wolle sich gern überraschen lassen. Andererseits sei die Hölle sei wohl eher hier auf Erden, "wenn man schlecht geheiratet hat."

Copyright Ernst Lanz 2004 (Zitate ausgenommen) (Bisher unveröffentlicht)


Quellen

  • Tageszeitungen (Die Presse, Der Standard, Kurier - hier hatte Ustinov sogar eine eigene Kolumne -, Krone)

Siehe auch bzw. mit weiterführende Quellen und Literatur