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Und er ist unsterblich: Hans Moser und seine Zeit#

Von Ernst Zentner
Eines muss ich vorausschicken: Als Hans Moser im Juni 1964 starb, zählte ich erst fünf Jahre. So richtig kennengelernt habe ich diesen unglaublichen Wiener Schauspieler in seinen Filmen die seither stets im TV gebracht wurden und manchmal noch gebracht werden.
Eigentlich hieß er Johannes Julier und kam 1880 in Wien zur Welt. Sein namensgebender Großvater kam mit den Franzosenkriegen nach Österreich.
Die Filme und ganz wenigen TV-Produktionen wirken eher spießig. Doch das war Moser nicht. Er wünschte, verlangte den ehrlichen Charakter seiner Figur wiederzugeben. Die TV-Fassung „Geschichten aus dem Wienerwald“ (Ödön von Horváth), produziert von Erich Neuberg (1961) zeigt einen gewagten nach sexuellen Begehren verlangenden älteren Zauberkönig, welcher einer Trafikantin (gespielt von der nicht weniger freizügigen Jane Tilden) nachstellt.
Seine Ausbildung erfuhr er bei Joseph Moser, einem damaligen anerkannten Burgschauspieler. Der junge Julier nahm dessen Namen aus tiefster Verehrung an. Als Offizier im Ersten Weltkrieg und unterhielt seine Waffengefährten. Danach: Erste Rollen als Kabarettist. Irgendwann der berühmte Dienstmann-Sketch, der heute noch ehrfurchtsvoll erwähnt wird: „Wie nehmen wir ihn denn?“ Natürlich war damit der Koffer gemeint. Dazu der obligatorische Hustenanfall. Moser übrigens starker Raucher und endlich wurde ihm deswegen der Lungenkrebs auch zum Verhängnis.
Mosers Leidenschaft war das Theater. Auf die Frage seiner Nichte hin, warum auch diese Filme machen musste. Diese Produktionen waren generell eher nur Unterhaltungsware für ein Massenpublikum. Moser nuschelte: Weil sie - die Filmproduzenten - mehr zahlen. Schließlich war er gegen Ende seines Lebens einer der reichsten Schauspieler Österreichs, wohnte in einer Villa in Hietzing – heute Botschaft der Republik Aserbaidschan. Er war fleißig und einfallsreich. Das verleideten ihn manche Zeitgenossen. Moser war Hundeliebhaber und Hundehasser waren stets unterwegs.
Die Nazi-Epoche nagte an ihm. Seine Frau war Jüdin und er versteckte sie in Budapest, um sie vor den Zugriff Berlins zu schützen. Ein Brief mit Hitlergruß machte ihn lange nach seinem Tod zum Bekenner des Hitlerismus. Tote können sich nicht verteidigen. Seine Ehefrau überlebte, starb 1974 in Wien.
Unvergesslich die Konfrontationen zwischen ihm und Adele Sandrock (+1937) im Streifen „Der Himmel auf Erden“ (1935). Auch im ernsten Fach brillierte er besonders. In „Leutnant Gustl“ (TV, BRD 1963) bot er als Bäckermeister Habetswallner im bitterbösen Ton gegenüber Leutnant Gustl (Peter Weck) ein erschreckendes Zerrbild des grundgütigen Wieners. Meiner Meinung nach hätte Hans Moser auch einen furchteinflößenden James-Bond-Gegenspieler verkörpern können.
Der Vater war Bildhauer und verlangte von seinem Sohn, dass dieser einen bürgerlichen Beruf ergreife. Moser nahm heimlich, wie so alle Größen seiner Zunft, Schauspielunterricht. Kurzzeitig war er im Theater in der Josefstadt tätig. Eine seiner ersten größeren Stummfilmrollen, war die eines Antisemiten: „Die Stadt ohne Juden“. Ein veritabler Achtungserfolg. Wenige Jahre vor Hitler… Der aufkommende Tonfilm wurde für den inzwischen verheirateten Moser – er hatte eine Tochter – zu seinem bevorzugten Arbeitsgebiet. Er entwickelte sich zum Typ des kleinen Mannes, bereits nuschelnd und liebenswürdig grantig. Seine Karriere begann so richtig in den 1930er und 1940er Jahren. 1952 wirkte neben seinem Freund Paul Hörbiger in dem erfolgreichen „Hallo Dienstmann!“ (Regie Franz Antel) mit. Über Hörbiger meinte er lakonisch: "Bei dem verkalkt man ja." Irgendwie erinnert mich der Werdegang des Volksschauspielers Moser an den des österreichischen Schauspielers Christoph Waltz, welcher auch gegen 60 internationaler Weltstar wurde.
Aber um auf Moser zurückzukommen: Beruhend auf seinen kabarettistischen Erfahrungen änderte Moser seine Texte in den Drehbüchern. Zumeist wirkte sich das günstig auf seine Rolle aus. In seinem Spätwerk als Kinofilmschauspieler trat er lediglich als „und“-Mitwirkender auf. Seine Gage war höher als die der HauptdarstellerInnen. In TV-Produktionen stand sein Name gleichberechtigt neben den Namen der mitwirkenden Kolleginnen und Kollegen. In den letzten Berufsjahren vollzog er einen Wechsel vom Komödianten zum Tragöden. Nicht mehr der liebenswerte Großvater, sondern der kleinbürgerliche vom Alltagsfrust gepeinigte Patriarch.
Es ist schwer zu entscheiden, welcher Film mit ihm empfohlen werden kann. Moser verkörperte mit fast einem hysterischen Irrsinn, und publikumswirksam, den Protangonisten, der versucht zu vermitteln und ein größeres Chaos verursacht und endlich gestärkt, emportritt. Lange bevor Louis de Funès die Filmleinwand mit seiner Hektik ausfüllte.
Im Spätwerk zeigte Hans Moser seinen Schatz an Erfahrungen, die er als Bühnendarsteller aufgegriffen hatte und wusste wie zu agieren sei.
Weiterführendes

Ernst Zentner 2021